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Borna Kunst im Regiser Knast: Mauerstein wird zum Ausstellungsobjekt
Region Borna Kunst im Regiser Knast: Mauerstein wird zum Ausstellungsobjekt
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19:01 13.09.2016
Ein Häftling aus Libyen bohrt im Jugendgefängnis in Regis-Breitingen einen Stein aus der Gefängniswand Quelle: privat
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Regis-breitingen

Es ist ein ungeheuerlicher Vorgang: Zwei Häftlinge bohren und brechen einen Stein aus einer Wand des Jugendgefängnisses in Regis-Breitingen. Mehre Menschen schauen zu. Tatenlos. Sogar der Diensthabende in der Pforte unternimmt nichts. Übrig bleibt ein sauberes Loch in der Wand, direkt über der Tafel, die an die Grundsteinlegung für die Haftanstalt im März 2005 erinnert.

Niemand bricht aus, niemand löst einen Alarm aus. Doch viele unterschiedliche Menschen machen sich ganz verschiedene Gedanken über das Vorgefallene: die jungen Gefängnisinsassen selbst, Studenten und ein Dozent der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Besucher, die warten müssen, solange die Eingangszone blockiert ist, ein Rechtsanwalt, der seinen Mandanten besucht.

Genau das ist gewollt. Handelt es sich bei der Entnahme des Steines aus der Mauer doch um eine künstlerische Installation. Im Rahmen der Kunsttherapie für Gefängnisinsassen läuft von Juni bis September das Projekt „Handle with Care“, zu deutsch: Handeln mit Vorsicht. In dem Rahmen treffen fünf Gefangene mit fünf Studierenden der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst sowie fünf Studenten des Instituts für Kunstpädagogik aufeinander.

Allein das Aufeinandertreffen der Beteiligten ist ein Experiment, im Laufe der Zusammenarbeit entstanden und entstehen Aufzeichnungen und Dokumentationen. Das Material wird in einer Ausstellung gezeigt, die am 23. September im Pögehaus in Leipzig Reudnitz eröffnet wird.

Dort kann dann auch jener rote Stein aus der Regiser Gefängniswand betrachtet werden. Der aus Libyen stammende 21 Jahre alte Gefangene hatte sich eine Woche lang auf diesen Moment vorbereitet. Mit einer Bohrmaschine löste er die Fugen um den Stein, mit Hammer und Meißel holte er ihn schließlich heraus, wobei ihm ein zweiter Gefangener half.

„Der Stein hat dann Glück und ist in Freiheit“, sagte einer der Beteiligten Gefängnisinsassen über den einzigartigen Vorgang. Für Kunstpädagogin Bianca Gröger ist der Eingriff ins Mauerwerk ein Gedankenexperiment, steht er „als Metapher für das gesellschaftliche Gefüge, in dem wir leben“. Gleichsam soll der Vorgang auf Fragen über das Verhältnis von Innen und Außen, Normen und Abweichungen, Grenzen und Überschreitungen, Ursachen und Wirkungen verweisen.

Der Stein wird in der Ausstellung zum Gedenk- oder Denkstein. Doch auch das Gefängnis selbst behält etwas zurück aus dem Kunstprojekt: die Lücke in der Mauer. Sie soll nach den Vorstellungen von Bianca Gröger „als Kunst am Bau hinterbleiben“. Räumlich getrennt bleiben beide Teile „in ihrem Verhältnis von Ursache und Wirkung eng miteinander verbunden.“

Handle with Care, Ausstellungseröffnung: 23.9., 16 bis 20 Uhr, Pöge Haus Leipzig, Hedwigstraße 20.

Von André Neumann

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