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Borna LVZ-Radwege-Test: Rundkurs am Zwenkauer See
Region Borna LVZ-Radwege-Test: Rundkurs am Zwenkauer See
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12:15 27.05.2018
Rund um den Zwenkauer See erstreckt sich ein Radweg – Start und Ziel der Fahrradtour war der Zwenkauer Hafen. Quelle: Jörg ter Vehn
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Zwenkau

In den 1980er-Jahren verkündeten die DDR-Oberen die „radikale Auskohlung“. Auch Zwenkau sollte den Baggern weichen. Wer heute am Ufer des Sees steht, mag das kaum glauben. Kleine und große Boote liegen im Hafen. Es ist ein Wohngebiet mit modernen hellen Häusern entstanden und es wird weiter emsig gebaut. Freisitze von Restaurants und Cafés laden ein.

22 Kilometer ist der Rundkurs um den Zwenkauer See lang – und es gibt einiges zu entdecken.

Wir parken direkt am Hafen – kostenlos – und hieven unsere Räder aus dem Auto. Der Himmel ist bedeckt und es ist etwas windig, na hoffentlich regnet’s nicht. Wir entscheiden uns für die Tour rechts um den See, wählen den Weg unten in Ufernähe. Junge Birken, Robinien und Sanddorn wachsen hier üppig. Es blühen Lupinen und wilde Rosen. Munteres Vogelgezwitscher, zwei Nilgänse flattern von einer Wiese auf.

Naturbelassene Wege gefallen Besuchern

„Ich bin regelmäßig hier am See. Mir gefällt die Ruhe, es ist noch sehr naturbelassen“, meint ein Radler aus Markkleeberg. Er wohnt zwar in der Nähe des Cospudener Sees, „aber dort ist es mir oft zu voll, vor allem am Wochenende“. Dass der Rundweg in Zwenkau (noch) kaum asphaltiert ist, sei für ihn kein Problem, „im Gegenteil, ich finde das sogar ganz schön“.

Gleicher Meinung ist ein Stück weiter Alexander Wagner. Der 39-Jährige ist mit Emil unterwegs. So heißt sein Hund, Rasse Amerikanische Bulldogge, mit acht Monaten noch recht verspielt. Der Leipziger arbeitet im Außendienst und nutzt Pausen gern in der Natur. Er kennt nahezu alle Gewässer des Leipziger Südraums. „Ich finde den Zwenkauer See am charmantesten, weil es hier noch relativ unerschlossen ist“, meint er. Hier sieht er „Hasen hoppeln, Rehe- und Wildschweinabdrücke“. Anderswo brauche man „fast Ampelanlagen für all die Radler, Skater und Spaziergänger“.

Nun fängt es doch an zu nieseln. Da kommt der Rastplatz am Kaiserweg gerade recht. Wir können uns unterstellen, bis die kleine Regenwolke weiterzieht. Große Infotafeln erklären, was es mit dem Harthkanal auf sich hat.

Harthkanal

Beim knapp 800 Meter langen Harthkanal handelt es sich um die schiffbare Verbindung zwischen Cospudener und Zwenkauer See samt Schleuse und Klappbrücke. Ein Höhenunterschied von 3,50 Meter muss überwunden werden. Es erfolgte bereits eine Baugrundverdichtung mit 13 500 Rüttelstopfsäulen. Es gab Verzögerungen bei dem Bauvorhaben. Nach aktuellen Angaben wird der Kanal wahrscheinlich 2023 fertig.

Route lässt sich mit „Cossi“ erweitern

Bald darauf sind wir an der Baustelle des Kanals – aber groß gebaut wird hier gerade nicht. „Bergbaugelände! Zutritt für Unbefugte verboten!“, warnen Schilder. Einen Wegweiser zum „Cossi“ sehen wir nicht. Wir fragen einen Radler, der uns zuruft: „Ja, ja, da kommt ihr hin.“ Auf holprigem Weg fahren wir ein Stück und sehen bald darauf den anderen See. Wir radeln unter der Autobahnbrücke entlang und stehen bald am südlichsten Zipfel des Cospudener Sees. Die Tour lässt sich also einfach ausweiten: Wer will, dreht noch eine weitere See-Runde.

Dreikantmuscheln bei der Arbeit. Wusstet Ihr, dass diese kleinen (maximal 5cm) Arbeiter bis zu 20 Liter Seewasser pro...

Gepostet von Tauchbasis Zwenkauer See am Donnerstag, 24. Mai 2018

Wir fahren jedoch die paar hundert Meter zurück zum Zwenkauer und setzen unsere Route fort. Ein weiterer Abstecher bietet sich gleich darauf an – rechts zweigt ein Weg ab zu Belantis, dem größten Freizeitpark in Ostdeutschland.

Unseren Weg säumen nun Aufforstungen, in einigen Jahrzehnten gibt es hier einen richtigen Wald. Über das Thema Zeit und Veränderung spricht gerade Harald Mißlitz mit seiner Enkelin Nadja. Die 20-jährige Lehramtsstudentin ist bei Frankfurt am Main aufgewachsen und radelt heute zum ersten Mal um den Zwenkauer See. Ihr Opa kennt ihn bestens.

Film über den Wandel fürs Klassentreffen

Er stammt aus Zwenkau, zog jedoch in den 1970er-Jahren nach Leipzig, „weil es hier keine Perspektive mehr gab“. Die Stadt sollte überbaggert werden und verfiel zusehends. Zeitweise arbeitete der Planer von Druckereien auch in Westdeutschland und Wien. Beruflich verschlug es ihn nach der Wende wieder nach Zwenkau. „Seither beobachte ich staunend, wie es hier immer schöner wird“, sagt der 74-Jährige. 1997 entschied er sich, wieder in seine alte Heimat zu ziehen. Seine Frau wollte anfangs nicht von Leipzig nach Zwenkau, „jetzt will sie hier nicht wieder weg“.

Zur Seebebauung gebe es ja unterschiedliche Meinungen: „Einige sagen, das ist ganz wunderbar, anderen gefällt es gar nicht.“ Bei ihm selbst hat es zwar einige Zeit gedauert, „aber jetzt habe ich mich damit angefreundet“. Manchmal stellt er sich vor, wie die Leute in hundert Jahren durch diese Architektur laufen und vielleicht sagen: „Wie die damals gebaut haben, das war doch toll.“

Demnächst hat Harald Mißlitz Klassentreffen. Dafür hat er einen Film über die Entwicklung von Zwenkau vorbereitet, auch mit alten Tagebau-Aufnahmen. „Obwohl ich diese Bilder ja nun gut kenne: Wenn ich da in meinem Sessel sitze und mir das anschaue, bin ich immer noch so sehr beeindruckt. Was für ein Wandel.“

5000 Kilometer pro Jahr mit dem Fahrrad entlang der Seen

Nach zwei Herzinfarkten fährt er viel Fahrrad, fünftausend Kilometer im Jahr. Er kennt all die neuen Seen des Leipziger Südraums – den Zwenkauer mag er aber am liebsten. Seine Enkelin sagt nach dem ersten Eindruck: „Es ist hier alles im Entstehen, für mich sieht vieles noch unfertig aus, es ist im Wachsen. Nicht nur was die Natur betrifft, sondern auch das Wohngebiet ist noch im Werden.“

Wir haben nun Rückenwind und kommen zügig voran. Beim Aussichtspunkt mangelt es an Aussicht. Die Birken sind bereits recht groß geworden. Infotafeln erzählen die Geschichte des Zwenkauer Tagebaus von 1921 bis 1999. Ein Foto von der Sprengung der 500 Meter langen Abraumförderbrücke ist zu sehen. Die Glas- und Stahlkonstruktion des Pavillons am Kap soll an die AFB 18 erinnern. Ausführliche Informationen gibt es auch zum Hochwasserschutz.

Flutung

Die Hochwasserentlastungsanlage der Weißen Elster wurde im April 2013 fertig gestellt – und kam schon zwei Monate später beim großen Hochwasser zum Einsatz. Bis zu 130 Kubikmeter Wasser je Sekunde konnten aus dem Fluss in den See abgeleitet werden. Damit wurde die Flutung beschleunigt. Der Seewasserspiegel stieg innerhalb von wenigen Tagen um 2,50 Meter an.

Inzwischen ist auch das Auslaufbauwerk am anderen Ende des Sees fertig. Nun kann im Bedarfsfall die eingeleitete Hochwassermenge aus dem See gesteuert wieder in die Weiße Elster entleert werden.

Kurz darauf radeln wir durch das gigantische Bauwerk, wo im Notfall Wassermassen fließen. Wir sind nun auf der anderen Seite des Sees – und haben Gegenwind. Deshalb entscheiden wir uns für den naturbelassenen Weg unten, der windgeschützter ist als der Pfad oben. Für uns ist es das schönste Stück der Strecke. Naturidylle. Wiesen voller Margeriten, Schilf bewachsenes Ufer, blühende Robinien, einsame Stellen zum Sonnen. Der Weg ist schmal und holprig, zum Teil sandig. Über ein schwarzes Rohr müssen wir die Räder heben.

Was lange währt - wird endlich gut! Willkommen zurück auf dem See! 👍

Gepostet von Zwenkauer See am Freitag, 18. Mai 2018

Nun wählen wir doch den bequemeren Wege weiter oben. Er ist asphaltiert, eine Skaterin zieht ihre Bahn. Vorbei an einem weiteren Aussichtspunkt, wo Besucher in Baggerschaufeln Platz nehmen können, geht es zurück zum Hafen. Dort legt gerade die Santa Barbara ab. Ein Seniorengruppe, aber auch junge Mütter mit Kinderwagen sind an Bord.

Fahrgastsschifffahrt

Seit 2008 schippert das Fahrgastschiff MS „Santa Barbara“ auf dem See. Die große Rundfahrt dauert etwa 90 Minuten. Start am Hafen ist Dienstag bis Sonntag 14 und 16 Uhr. Am Wochenende kann es auch mehr Rundfahrten geben. Erwachsene zahlen 11,50 Euro, Kinder 7,50 Euro und Rentner 8,50 Euro. Mehr Infos unter http://www.zwenkauer-see.com/entdecken-erleben/schifffahrt

Wer will, kann selbst Kapitän sein. Kleine und große Boote können ausgeliehen werden. Nancy Bohne schrubbt gerade ein Motorboot. Sie arbeitet für die Leipziger Werft, einer der Anbieter. „Am Wochenende ist die Nachfrage groß“, sagt die Angestellte. Mit 15 PS darf man ohne Führerschein Boot fahren. Die Kosten liegen je nach Bootstyp zwischen 30 und 55 Euro pro Stunde. Auch Segel- und Paddelboote können Interessenten ausleihen, Stand-Up-Paddling ist ebenfalls möglich.

Ex-Stadtchef begleitet Entwicklung vom Kohle-Ort zur See-Stadt

Herbert Ehme wählt im Restaurant-Freisitz den Seeblick. Er bestellt eine Tasse Kaffee und zwei Kugeln Eis, Stracciatella und Mango. Der langjährige Nachwende-Bürgermeister der Stadt hat die Entwicklung vom Kohle-Ort zur See-Stadt maßgeblich mitbegleitet. Er erinnert sich noch, wie er 1996 in einer Büttenrede beim Karneval über den künftigen See gesprochen hat: Der werde wie die Donau so blau, darauf ein kräftiges Zwenkau Helau! Heute ist das Wirklichkeit.

Das war kein Spaziergang und für viele Menschen schwierig. Der ehemalige Stadtchef weiß noch, wie am 30. September 1999 der letzte Kohlezug den Tagebau verließ. Gestandene Bergmänner hatten damals Tränen in den Augen, die Kohle hat die Region geprägt und verwandelt. Mit sehr viel Geld zum Neuseenland. Herbert Ehme begrüßte schon viele Gäste aus Tagebauregionen in Osteuropa. Sie staunten über diesen gigantischen Landschaftswandel – dies kann in ihren Ländern keiner bezahlen.

Teil 1 der Serie: Bergbaugeschichte am Störmthaler See

Von Claudia Carell

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