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Frohburg/Geithain/Wickershain/Ossa. Der Schützenball in Frohburg fand am Sonnabend gegen 22.30 Uhr ein vorfristiges Ende. Zu der Zeit hatten sich Dutzende Einwohner in der Greifenhainer Straße versammelt, wo die Wyhra auf die Straße floss.

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Die sonst so friedliche Eula hinterließ am Sonnabendabend in Wickershain eine Spur der Verwüstung.

Quelle: André Neumann

Ärger machte sich breit, weil die schon mehrmals angerufene Polizei die Stelle nicht absichern wollte. Anwohner lotsten Fahrzeuge durch die Töpfergasse zurück. Wirklich schlimm sollte es diesmal nicht werden, nicht so schlimm, wie eine Woche zuvor und erst recht nicht so schlimm wie in den Dörfern an Eula und Ossa und in Geithain.

Heiko Hentschel von Alemannia Geithain kann nur fassungslos zusehen, wie der Sportplatz unter Wasser steht. "Das ist unvorstellbar", sagt er. Über den Sportplatz hat die entfesselte Eula einen Bauschuttcontainer in die Gartenanlage "Alte Heimat" hineingetrieben. Der Schaden soll sich in Grenzen halten, sagt Gartenbesitzer Wolfgang Löffler. Ein paar geknickte Zaunssäulen, eine abgeschlagene Mauerecke. Gemeinsam mit Gartennachbar Peter Hanske lehnt er über dem Zaun, an den man noch eine Stunde zuvor, als das Wasser höher stand, gar nicht herangekommen wäre. Hanske denkt darüber nach, ob denn seine 18 jungen und fünf großen Kaninchen überlebt haben werden.

Unterhalb der Gaststätte Athen hat die Flutwelle ein parkendes Auto gegen die Poller gedrückt. Daneben wird ein Schuttberg im Wasser sichtbar, die Reste des Fußweges neben dem Restaurant. Drin ist Betreiber Athanasiadis Dimitrios völlig aufgelöst. Gegen 17 Uhr sei das Wasser durch die Fenster hereingeströmt und durch die Gaststätte in den Keller gelaufen. Gäste waren in dem Moment nicht da, das Personal rettete sich rechtzeitig nach oben, erzählt Lysann Mädler, die hier kellnert.

Dramatische Szenen spielten sich in Wickershain ab. Jens Graichen schaute zum Glück gerade vom Grundstück aus zur Straße, als seine Lebensgefährtin Constanze Werzner mit dem zweieinhalbjährigen Sohn Franz mit dem Auto gefahren kam. Genau an der Stelle, wo die Eula die Straße quert und jetzt plötzlich über die Fahrbahn floss, begann der Wagen, immerhin ein schwerer Pick-up, zu schwimmen. Graichen rannte los, in dem Moment kam die Flutwelle und riss das Auto rückwärts ins Wasser. Graichen konnte sich irgendwo selbst mit den Füßen halten, zog seinen Sohn durch die Fahrerscheibe des sinkenden Autos. Nachbar Rudolf Große war von seinem höher liegenden Haus herunter geeilt gekommen, nahm dem Vater das Kind ab, der zog im letzten Augenblick die Mutter durch das Fenster. Dann versank das Auto komplett. Als ein Radlader später den Wagen aus dem Graben zieht, gibt es unter den Nachbarn noch immer nur dieses eine Thema. Jens Graichen ist noch immer die Angst um seine Familie ins Gesicht geschrieben .

Weiter unten im Ort können Karin Reimann (69) und ihr Mann Klaus (74) nicht in ihrem Haus bleiben, das noch dichter am Bachlauf steht, als viele andere. Sie ist gesundheitlich angegriffen, er pflegebedürftig. Das Haus hatten die Eltern von Eva Fichtner erst im vorigen Jahr gekauft, jetzt hat sie es mit Hilfe von Nachbarn erst einmal komplett leer geräumt. Ein Auto bringt die Eltern nach oben zum Pflegedienst Thane, der "zum Glück", wie Eva Fichtner sagt, ein geeignetes Zimmer frei hat. Der Vater weint, als er mühsam ins Auto steigt.

Die sonst so friedliche Eula fließt derweil immer noch in einem randvollen Bett, treibt immer noch Pfützen über die Straße und reißt Geröll mit sich. Wolfgang Bierbaum erzählt, wie das Wasser sogar die Räder von einem Felgenbaum, der in der Garage stand, mit fortgerissen habe. An einer Stelle gelangen die Bewohner eines weiter hinten liegenden Hauses nur noch im Balancierschritt auf einem umgefallenen Zaun über die Eula zu ihrem Grundstück oder nach draußen. Die Brücke ist abgesackt.

Monika und Andreas Rotzsch hatten bis Sonnabendabend eine kleine steinerne Brücke über den schmalen Ossabach mitten in ihrem Grundstück. Jetzt gibt es nur noch einen Steinhaufen. Weil es auf ihrem Grundstück im Moment nicht mehr viel zu tun gibt, fassen sie vorn an der Straße mit an, wo mehrere Anwohner gemeinsam den Schlamm von der Straße spülen und kehren und Feuerwehrleute die Einläufe der Gullys reinigen. Auch die sehen am Sonntagvormittag müde aus, sind seit dem Abend auf den Beinen. "Von drei bis neun Uhr war ich mal zu Hause", erzählt einer der Helfer.

Narsdorfs Bürgermeister Andreas Große läuft durch den Ort, berichtet allen vom Gespräch mit Landrat Gerhard Gey, der gerade da war und dass jeder, dessen Wohnung unter Wasser stand, Soforthilfe bekommen kann. Wenig später lässt sich Gey selbst noch in diesem Teil von Ossa sehen, redet auch mit Marco Stiller, dem Besitzer der Schau-Sägemühle und dessen Helfern. Auf dem Hof hat die Ossa das Pflaster aufgerissen. Das Mühlrad ist heil, und auch bis in die Werkstatt kam das Wasser zum Glück nicht. Ganz anders bei Tischlermeister Frank Stiller. Der hat sein Gewerbe zwar schon 2009 abgemeldet, trauert jetzt aber dennoch um Maschinen, die im Wasser standen, ebenso wie jede Menge Holz.

Die Anwesen der Stillers sind die Ersten im Ort, gemessen am Lauf des Ossabachs. Von hier fällt der Blick auf den Hegeteich, der in der vergangenen Nacht ein Objekt heftiger Spekulation war. Hier ist kein Damm gebrochen, nicht einmal das Ufer beschädigt. Der Teich ist einfach nur übergelaufen, weil der Ossabach mehr Wasser brachte, als der Fischteich aufnehmen konnte. Die Ossaer wurden daher von zwei Wellen getroffen, erst stieg der Bach über die Ufer, dann kam das Wasser 100 Meter breit aus dem Teich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.06.2013

Neumann, Adré

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