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Landesdirektion mietet über Nacht Böhlener Hotel für 68 Flüchtlinge an

Landesdirektion mietet über Nacht Böhlener Hotel für 68 Flüchtlinge an

Die überraschende Ankunft von 68 Asylbewerbern aus mindestens acht unterschiedlichen Nationen (zweimal ist das Herkunftsland unbekannt) gestern im Apart Hotel in Böhlen hat heftige Kritik der hiesigen Behörden am Vorgehen der Landesdirektion Sachsen ausgelöst.

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Gegen 15 Uhr fuhren gestern in Böhlen zwei Busse mit Asylbewerbern aus Chemnitz vor. Nur der Betreiber der privaten Unterkunft war darüber informiert.

Quelle: Andreas Doering

Böhlen. Böhlens Bürgermeisterin Maria Gangloff (Linke) war erst am Donnerstagnachmittag informiert worden, am Abend erhielt Landrat Gerhard Gey (CDU) einen Anruf der Landesdirektion. Für seine Intervention war es da bereits zu spät. Die Landesbehörde, die in Sachsen für die Erstaufnahme von Flüchtlingen zuständig ist, hatte zu der Zeit schon alle Weichen für den gestrigen Transport der Gruppe nach Böhlen gestellt.

Gey hatte dem zuständigen Staatssekretär in Dresden schon vor fünf Wochen erklärt, dass der Kreis eine zentrale Unterbringung von Asylbewerbern in Böhlen für sehr bedenklich halte und ablehne. "Weil wir schon in Rötha ein Heim haben und in Espenhain eins einrichten wollen", sagte er gestern der LVZ. Ohnehin sei die Konzentration von Flüchtlingen rund um Borna schon die größte im gesamten Landkreis. Der jetzige Alleingang der Landesdirektion konterkariere das im Kreis abgestimmte Konzept der überwiegenden dezentralen Unterbringung und das Bemühen, gegenüber der Bevölkerung "die Asylproblematik vernünftig zu vermitteln". Dass jetzt trotzdem und so kurzfristig Asylbewerber nach Böhlen geschickt werden bezeichnete Gey der LVZ gegenüber als "dreist". Die Ankunft der Busse verlief störungsfrei. Die Asylbewerber haben ihre Habseligkeiten unbehelligt in das Hotel bringen können.

Die Landesdirektion steht offenbar unter großem Unterbringungsdruck. Laut Behördensprecher Ingolf Ulrich sind nicht nur das Erstaufnahmelager in Chemnitz und die Außenstelle Schneeberg überfüllt, auch die bisher zusätzlich angemieteten Kapazitäten in Hotels, einer ehemaligen Gefängniseinrichtung und in Turnhallen seien ausgeschöpft. Verantwortlich dafür seien verschiedene Verfahrensänderungen im Aufnahmeverfahren, die zu einem Überhang führen, und die Tatsache, dass anders als in früheren Jahren der Zustrom an Flüchtlingen nach Weihnachten nicht zurückgegangen sei. Die Unterbringung in Böhlen sei eine "Notlösung, um eine Notsituation bei der Unterbringung über das Wochenende zu überbrücken und den Asylbewerbern eine menschenwürdige Erstaufnahme zu ermöglichen", verbreitete die Landesdirektion gestern in einer Pressemitteilung

Der Betreiber des Apart Hotels in Böhlen, Wolfgang Seifert war am Mittwoch angefragt worden, ob er Plätze zur Verfügung stellen kann. Er habe, sagte er der LVZ, eine Nacht darüber geschlafen und am Donnerstag der Landesdirektion seine Bedingungen genannt. Die nahm an und schloss am Donnerstagabend den Vertrag mit Seifert, der daraufhin von seinem Berliner Hotel, wo er sich die meiste Zeit aufhält, nach Böhlen kam. Im Vertrag werden der Landesdirektion 66 Plätze zur Verfügung gestellt. Und zwar bis Ende April. Wohingegen Ulrich gestern sagte, die Flüchtlinge würden nur vorübergehend bis kommenden Mittwoch in Böhlen bleiben. Ein Widerspruch, über den sich gestern auch Bürgermeisterin Gangloff wunderte. Die hatte sich am Vormittag mit Vertretern des Sozialamtes und der Polizei im Hotel getroffen, um die Situation zu erörtern. Die Landesdirektion habe nur für eine Person als Wachschutz gesorgt. Zimmer für Betreuer und Dolmetscher seien nicht angemietet worden, wunderte sie sich.

Die Polizei beobachtete das Hotel gestern im Rahmen der Streifentätigkeit und wollte je nach Situation reagieren, sagte ein diensthabender Beamter in Borna. Die war im Vorfeld von der Information ebenso überrascht worden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.01.2015
André Neumann

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