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Borna Landgericht Leipzig hebt Schlägerei-Urteil des Amtsgerichtes Borna auf
Region Borna Landgericht Leipzig hebt Schlägerei-Urteil des Amtsgerichtes Borna auf
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15:55 07.12.2017
Die drei Angeklagten im Prozess wegen einer Schlägerei in einem Böhlener Billard Pub sind in der Berufungsverhandlung am Landgericht Leipzig freigesprochen worden. Quelle: dpa
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Leipzig/Böhlen

Ein umfangreiches Erinnerungsvermögen hatten die meisten der zwölf Zeugen, die in der Berufungsverhandlung am Landgericht Leipzig ein weiteres Mal zu einer Schlägerei in einem Böhlener Billard-Pub aussagen sollten, die sich im Januar 2015 zugetragen hatte. Allerdings: Die Erinnerungen entsprangen allesamt unterschiedlichen Wahrnehmungen aus einer Nacht, die knapp drei Jahre zurückliegt.

Die Versionen und Angaben zu Abläufen und angeblich Tatbeteiligten waren so widersprüchlich, dass die 9. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Klaus Kühlborn „keine Linie finden“ konnte und keine zweifelsfreien „räumlichen, örtlichen und personenbezogenen Zusammenhänge“ zu den Tatvorwürfen herstellen konnte. Ein Freispruch für Nicole R. (30), Lars H. (28) und Christopher S. (29) sei deshalb die logische Konsequenz gewesen, so Kühlborn am Donnerstag in der Urteilsbegründung.

Wie das Amtsgericht Borna im März dieses Jahres auf mehrmonatige Haftstrafen für das Neukieritzscher Trio urteilen konnte, „ist nach der umfangreichen Beweisaufnahme nicht nachzuvollziehen“, so Kühlborn. So sei weder belegt, ob alle drei Angeklagten zum Tatzeitpunkt überhaupt in dem Raum waren, in dem sich die Auseinandersetzung zwischen zwei Gästen zugetragen und aus der das Opfer, Danny P., erhebliche Verletzungen davongetragen hatte. Noch konnte überzeugend dargestellt werden, wer, wen, wann und wo geschlagen haben soll. Die einen sahen das Opfer zuerst handgreiflich werden, die anderen einen der Angeklagten. Wieder andere haben überhaupt nichts gesehen.

Während ihrer Plädoyers hegten die drei Verteidiger gleichermaßen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Zeugenaussagen, die entweder aus dem Umfeld des Opfers oder der Tatverdächtigen kamen. Und kritisierten auch die Ermittlungsarbeit der Polizei. „Dass der Name meiner Mandantin überhaupt erst durch eine Personalausweis-Kopie ins Gespräch kam, mit der ein Polizeibeamter eine Zeugin in einer Anhörung konfrontierte und sie dadurch erst zu einer Verdächtigen wurde, ist zumindest fragwürdig“, kritisierte der Bornaer Rechtsanwalt Tommy Flechsig.

Verteidiger Mario Thomas, Rechtsanwalt von Christopher S., argumentierte, dass auch die Namen der anderen beiden Angeklagten erst durch die Internetrecherche der Ehefrau des Geschädigten ins Spiel gebracht wurden. Die will auf Fotos von Fußballmannschaften die Angeklagten als Täter erkannt und ihrem Mann als solche benannt haben. „Das Opfer selbst hatte zuvor ausgesagt, keinen persönlich gekannt zu haben und diese mit der Schlägerei auch nicht sicher in Zusammenhang bringen zu können“, fasste Thomas zusammen.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig korrigierte die Anklage in ihrem Plädoyer lediglich zu Gunsten von Christoper S., bei dem auch die Anklagebehörde Zweifel an einer Tatbeteiligung habe und deshalb Freispruch beantragte. Beim Strafmaß für Nicole R. und Lars H. sollte es aber bleiben, da sich die Vorwürfe auch in der Berufungsverhandlung bestätigt hätten. Die Kammer sah es anders: Freispruch für alle drei.

Von Thomas Lieb

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