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Borna Landkreis Leipzig: In vier Orten drohen Klagen von Eltern
Region Borna Landkreis Leipzig: In vier Orten drohen Klagen von Eltern
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08:47 23.08.2018
Der Landkreis Leipzig braucht dringend zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder. Quelle: Daniel Förster
Landkreis Leipzig

Seit 2014 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihren Sprössling. Doch im Landkreis fällt es immer mehr Orten schwer, diesem Anspruch gerecht zu werden. Steigende Geburtenzahlen und vor allem Zuzüge haben die Pläne zur Fortschreibung der Kita-Bedarfsplanung, die aus dem Vorjahr datieren, schon wieder zur Makulatur werden lassen. Deshalb drängt der Landkreis als örtlicher Träger der Jugendhilfe und Adressat möglicher Eltern-Klagen die Kommunen jetzt zur Schaffung weiterer Plätze.

Sorgenkinder sind Brandis, Machern, Pegau und Zwenkau

Wie ernst die Lage ist, wurde auf der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses deutlich. Nach Ausführungen von Annett Pöhnert, Fachberaterin für Kitas, klafft in vier Kommunen die Schere zwischen Bedarf und Angebot besonders weit auseinander. Klagen von Eltern drohen entsprechend einer aktuellen Auflistung des Jugendamtes demnach in Brandis, Machern, Pegau und Zwenkau.

Die Schattenseiten eines rasanten Zuzugs

Die Bedarfsplanung, die der Ausschuss am Dienstagabend in Grimma beschloss, gießt die Forderung nach Schaffung neuer Plätze in verbindliche Formen. „Größtes Sorgenkind ist derzeit die Stadt Zwenkau“, erklärte die Zweite Beigeordnete des Landkreises, Ines Lüpfert. „Von der Kommune müssen wir die Bereitstellung von 100 neuen Plätzen fordern. So rasant hat sich der Zuzug entwickelt.“ Massive Anstrengungen seien auch in Machern nötig. „Die Gemeinde verzeichnet Zuzüge und damit verbunden einen Anstieg der Kinderzahl“, heißt es in der Bedarfsplanung. Außerdem seien weitere Baugebiete geplant. Die Forderung des Jugendamtes: mindestens 25 zusätzliche Plätze.

Pegau: Landratsamt rät zu Containerlösung

Obwohl in der Kommune bereits mit befristeten Ausnahmegenehmigungen für 16 Kinder im Ortsteil Beucha gearbeitet wird, besteht auch in Brandis akuter Nachholbedarf. Das Jugendamt verlangt 55 neue Plätze, die ein geplanter Neubau abdecken soll. Handlungsbedarf wird auch der Stadt Pegau bescheinigt. Derzeit fehlen hier mindestens 40 Krippen- und 32 Kita-Plätze, Tendenz steigend. Da sich angedachte Lösungen verzögern, empfiehlt der Kreis, vorübergehend Container auf dem Freigelände des ehemaligen Hortes aufzustellen. Lediglich in den Sozialräumen 2 (Grimma/Muldental) und 3 (Kohrener Land) wird das Angebot als ausreichend angesehen.

Statistik der Geburten im Landkreis Leipzig nach Kommunen im Jahr 2017 Quelle: Landkreis Leipzig

Beigeordnete Ines Lüpfert erklärte, dass man in enger Abstimmung mit den Kommunen und gemeinsam mit dem Landesjugendamt nach Lösungen sucht, um Engpässe zu vermeiden. Sie verhehlte nicht, dass der Platzmangel die betroffenen Orte vor massive Herausforderungen stellt. In einer Abfrage zum möglichen Investitionsbedarf hatten die Städten und Gemeinden des Landkreises bis zum Jahr 2025 eine Summe von rund 15 Millionen Euro für den Erhalt von Plätzen und rund 66 Millionen Euro für die Schaffung neue Betreuungsangebote angegeben. „Unterm Strich“, hatte die Beigeordnete erst kürzlich deutlich gemacht, „gehen die Kommunen von über 2000 Plätzen aus, die bis zum Jahr 2025 zusätzlich benötigt werden.“

Was die Verantwortlichen derzeit erleben, sei ihrer Einschätzung nach erst der Anfang einer rasanten Entwicklung. „Wenn man zum Beispiel hört, dass in Naunhof ein Wohngebiet mit rund 400 Bauplätzen entstehen soll, kann man die Kita-Nachfrage erahnen.“ Besonders in den Zuzugskommunen sei es wichtig, dass Eltern den Bedarf frühzeitig signalisieren. Dann könne sich das Jugendamt notfalls auch um Plätze in Nachbargemeinden kümmern und schauen, welche anderen Alternativen für die Familien noch zumutbar sind.

Tagesmütter gehen in den Ruhestand

„Um dringend benötigte Plätze zu schaffen, könnten unter Umständen auch Mischgruppen installiert oder Umstrukturierungen beim Betreuungsalter innerhalb einer Einrichtung überdacht werden“, so Fachplanerin Annett Pöhnert. Jens Ranft, Leiter des Jugendamtes, gab allerdings auch zu bedenken, dass für jede Einrichtung eine Betriebserlaubnis mit einer zulässigen Zahl von Kindern gelte. „Da bleibt nicht viel Spielraum“, entgegnete er auf die Nachfrage eines Ausschussmitglieds, der ein kreatives Ausreizen der Kapazitäten vorschlug. Auch der Ausbau von Pflegestellen könne nur einen Bruchteil des Problems lösen, hieß es aus dem Jugendamt. Zumal viele Tagesmütter aktuell in Ruhestand gehen und die meisten Eltern ohnehin die Betreuung innerhalb größerer Gruppen bevorzugen.

Von Simone Prenzel

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