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Borna Landkreis Leipzig hat den wenigsten Wald: Genau so viel wie die Stadt Leipzig
Region Borna Landkreis Leipzig hat den wenigsten Wald: Genau so viel wie die Stadt Leipzig
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15:15 25.04.2016
Die Winterlinde ist der Baum des Jahres 2016. Quelle: Foto: Andreas Roloff
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Landkreis Leipzig

Eine Allee der Bäume des Jahres pflanzen Oberschüler aus Regis-Breitingen auf der Haselbacher Kippe seit 2011. Der Termin dafür ist immer Ende April, nahe beim Tag des Baumes. 15 Siebtklässler aus dem Neigungskurs „Grüne Daumen“ vergrößerten am vergangenen Freitag die Allee mit Winterlinden – dem Baum des Jahres 2016. Außerdem pflanzten sie noch den Baum des Jahrtausends, den Ginkgo.

In der Region ist jeder Baum willkommen, gilt der Landkreis Leipzig doch mit nur 14,8 Prozent Waldfläche als Schlusslicht in Sachsen. Mit Erzgebirgskreis (46,7 Prozent) und Vogtlandkreis (40,3 Prozent) lässt sich die Region ohnehin nicht vergleichen. Doch auch die nahen Landkreise Nordsachsen (21,3 Prozent) und Mittelsachsen (16,2 Prozent) haben nach Angaben des Freistaates etwas mehr Wald. Die Stadt Leipzig verfügt übrigens über genauso viel Waldfläche wie der gesamte Landkreis.

„Ziel in Sachsen ist es, den Waldanteil langfristig auf 30 Prozent zu erhöhen“, sagt Mathias Stahn, Referent im Staatsbetrieb Sachsenforst. Nahziel für Leipzig-Westsachsen seien 19 Prozent. „Es wird perspektivisch mehr Wald, aber das ist ein langer Prozess“, meint der Referent. Gründe für die waldarme Region seien der Tagebau, aber auch gute Ackerböden. Zudem ist das Gebiet dicht besiedelt, Infrastruktur wie zum Beispiel die A 72 braucht Flächen. Im Raum Rötha wurden in letzter Zeit viele Bäume wegen des Autobahnbaus gefällt.

Dennoch sei in punkto Aufforstung schon eine Menge passiert, unter anderem durch die Stiftung Wald für Sachsen. Ein großes Projekt fand im ehemaligen Tagebau Peres statt. Das Bergbauunternehmen Mibrag verkaufte 108 Hektar Kippenland an die Stiftung. Auf 43 Hektar davon wächst jetzt Wald – rund 90 Fußballfelder voller Eichen, Birken, Kiefern und Lärchen. Es sind mehr als 220 000 Bäume – einige schon vier Meter hoch, andere sind noch ganz klein.

Der Freistaat fördert Erstaufforstung mit 90 Prozent. „Sachsenforst bietet hierzu kostenlos fachmännische Beratung an“, wirbt Mathias Stahn. Zufrieden ist er mit dem Artenreichtum: „Es werden Baumarten gepflanzt, die in die Region gehören und bei uns gut wachsen.“

Das sieht auch Naturschützer Ingo Thienemann aus Groitzsch so: „Die Aufteilung der Arten läuft vernünftig, auch flächenmäßig ist sicher einiges an Wald bei uns dazu gekommen.“ Er merkt jedoch kritisch an, dass Sachsen die Baumschutzsatzung „gecancelt“ hat, „das wird uns auf die Füße fallen“.

Tag des Baumes

Der internationale Tag des Baumes geht auf Aktivitäten des amerikanischen Journalisten Julius Sterling Morton in den 1870er Jahren zurück. Dieser Tag wird jedes Jahr am 25. April mit Feierstunden und Pflanzungen begangen und soll die Bedeutung des Waldes für den Menschen und die Wirtschaft im Bewusstsein halten. 1951 wurde der Tag des Baumes von den Vereinten Nationen beschlossen.

In Deutschland hat sich der 25. April zu einer großen und erfolgreichen Mitmachaktionen im Naturschutz entwickelt. Ob Parkbaum, Alleebaum oder Setzlinge in einer Aufforstungsfläche - gern wird dabei auf das Zeichen für die Zukunft hingewiesen.

Der Freistaat hat vor gut fünf Jahren diese Satzung verändert. Grundstückseigentümer brauchen nun außerhalb der Vogelbrutzeit keine Genehmigung mehr, um bestimmte Baumarten mit einem Stammumfang unter einem Meter zu fällen. So mancher begrüßte den Bürokratieabbau. Die Grünen im Sächsischen Landtag sprechen jedoch von einem „Baum-ab-Gesetz“ und wollen dies wieder kippen. Eine Umfrage des Bundes für Umwelt und Naturschutz unter 72 sächsischen Kommunen habe ergeben, dass die Zahl der Ersatzpflanzungen drastisch abgenommen hat. Wurden 2009 noch rund 17 400 Ersatzpflanzungen vorgenommen, waren es zwei Jahre später kaum noch 4000.

„Im privaten Bereich, aber auch an Straßen sind ganz, ganz viele Bäume über den Jordan gegangen, meistens ersatzlos“, ärgert sich Ingo Thienemann. Der 56-Jährige redet nicht nur von Öko, er lebt auch so. Privat, dienstlich und im Ehrenamt. Jeder könne im Kleinen viel bewegen, ist sein Motto. Doch oft hört er 70-Jährige sagen: „Ich kann doch jetzt keinen Baum mehr pflanzen!“ Der Groitzscher denkt anders und versucht das auch zu vermitteln: „Einen Baum zu pflanzen, ist etwas für die nächste Generation. Meine Eltern zum Beispiel haben gesagt: Wir pflanzen jetzt diesen Obstbaum, damit du später was davon hast.“ Die Veränderung der Baumschutzsatzung habe seiner Meinung nach den Hintergrund, „wirtschaftliche Interessen leichter durchzusetzen“. Es sei darum gegangen, Bäume einfacher fällen zu können, Ersatzpflanzungen oft wegzulassen.

Baum des Jahres

Sie ist Muse für Dichter und Musiker, sozialer Treffpunkt, Apotheke und Nahrungsquelle für zahlreiche Tiere: die Winterlinde, botanisch Tilia cordata. Wegen ihrer Vielfältigkeit wurde sie nun von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung zum Baum des Jahres 2016 gewählt. Der Titel wird seit 1989 an einheimische Bäume vergeben. Stiftungspräsident Dr. Wodarz hofft, mit dem Baum des Jahres den Blick der Menschen auf Pflanzen schärfen zu können. Ziel sei es, das Wissen über Bäume zu vertiefen.

Kaum ein Baum ist in deutschen Straßen und Parks so oft anzutreffen wie die Linde. Dabei ist Linde aber nicht gleich Linde. Als Straßen- und Stadtbäume werden neben den beiden heimischen Arten Sommer- und Winterlinde auch sogenannte Holländische Linden angepflanzt. Ebenfalls weit verbreitet ist die Krimlinde.

Die Winterlinde, die bis zu 25 Meter hoch wird und ein Alter von 1000 Jahren erreichen kann, blüht etwas später als ihre „Schwester“, die Sommerlinde, die bereits 1991 zum Baum des Jahres gekürt wurde. Zur Unterscheidung lohnt nach Angaben der Stiftung ein Blick auf die Blattunterseiten. Diese sind bei der Winterlinde kahl und mit einigen rotbraunen Härchenbüscheln versehen. Bei der Sommerlinde sind diese „Bärte“ dagegen weiß. Die Blüten der Winterlinde erscheinen erst ab Ende Juni – fast zwei Wochen später als die der Sommerlinde. Sie blüht damit am spätesten von allen heimischen Baumarten.

Kommunen brauchen nun keine eigene Baumschutzsatzung mehr – doch sie können eine verabschieden. Zu den Städten, die das wollen, gehört Grimma. Wie Stadtsprecher Sebastian Bachran sagt, wird diese Satzung derzeit in den Ausschüssen diskutiert. Grimma, bekannt als Stadt der Linden und des Flieders, wolle sich für seine Bäume und Sträucher einsetzen. Die wohl bedeutendste Grimmaer Linde auf dem Markt, leider krank und altersschwach, wurde erst vor kurzem durch eine zehn Jahre alte Linde ersetzt. Eintausend Bäume sollen in diesem Jahr in der Stadt nachgeforstet werden, vorrangig im Gebiet zwischen Hängebrücke und Hospitalkapelle. Auch der Stadtwald wird verjüngt.

Bäume spielen auch für Grimmas Partnerstädte eine wichtige Rolle. Als Zeichen für eine „blühende und fruchtbare Freundschaft“ pflanzten die Vertreter aus Bron (Frankreich), Weingarten (Baden-Württemberg), aus der Verbandsgemeinde Rüdesheim (Nordrhein-Westfalen), aus Leduc (Kanada) und Gezer (Israel) Fliederbäume auf der Wallgraben-Promenade. In der israelischen Partnerstadt griff man die Idee auf – heute gibt es dort einen Grimma-Wald.

Informationen zu förderfähiger Erstaufforstung ist im Internet auf der Seite des Sächsischen Umweltministeriums unter www.smul.sachsen.de/sbs oder in der Waldpost, eine Zeitschrift für private Waldbesitzer oder als PDF im Internet zu finden.

Von Claudia Carell

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