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Borna Landkreis erhält Unterstützung vom Bund im Rahmen der Aktion „Unternehmen Revier“
Region Borna Landkreis erhält Unterstützung vom Bund im Rahmen der Aktion „Unternehmen Revier“
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00:20 18.08.2017
Jobs in der Kohle: Das Mitteldeutsche Revier zählt rund 2400 Beschäftigte unter anderem in zwei Großtagebauen sowie im Kraftwerk Lippendorf. Quelle: Grafik: LMBV/Mibrag
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Landkreis Leipzig

Auch wenn neue Seenlandschaften klare Signale für Tourismus und Erholung setzen – in der Region spielt nach wie vor ein anderer Wirtschaftszweig eine bedeutende Rolle: die Braunkohle. Die Wirtschaftstruktur im Landkreis Leipzig ist vielfach durch die Verknüpfung mit dem Bergbau geprägt. „Deshalb müssen auch wir uns intensiv Gedanken machen, wie wir uns für den Strukturwandel rüsten“, erklärte jetzt Landrat Henry Graichen (CDU). Die Klimaschutzziele der Bundesregierung würden den Kurs vorgeben. Um diese zu erreichen, führe perspektivisch an einem Ausstieg aus der Braunkohlenverstromung kein Weg vorbei. Damit gehe ein weiterer Rückgang der Braunkohlenförderung und ein Verlust an Arbeitsplätzen einher.

Während im Bundesdurchschnitt Bergbau und Energie nur einen Anteil von drei Prozent an der Bruttowertschöpfung ausmachen, liege dieser im Landkreis Leipzig bei einem Spitzenwert von 16 Prozent. Heißt im Umkehrschluss: Der Handlungsbedarf, sich für die Zeit nach dem aktiven Kohleabbau etwas einfallen zu lassen, ist hier besonders hoch.

Auch der Bund hat erkannt, dass er die heutigen Kohle-Regionen unterstützen muss, wenn es darum geht, sich mit Ausstiegsszenarien zu beschäftigen. Die Bundesregierung brachte dazu in diesem Jahr ein millionenschweres Förderprogramm auf den Weg. Unter dem Stichwort „Unternehmen Revier“ sollen die vier deutschen Reviere beim Strukturwandel begleitet und Konzepte entwickelt werden. Jährlich vier Millionen Euro stehen für die nächsten zehn Jahre bereit, um Ideen im Mitteldeutschen Revier, der Lausitz, dem Rheinischen und dem Helmstedter Revier zu fördern.

Nachdem Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) im Juni einen ersten Fördermittelbescheid in der Lausitz übergab, folgte unlängst das Revier im Dreiländereck Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen. Während sich der Abbau ursprünglich auf den Großraum nördlich, südlich und westlich von Leipzig erstreckte, konzentriert sich der aktive Bergbau inzwischen auf die Tagebaue Vereinigtes Schleenhain und Profen sowie eine Abbaustätte im Landkreis Mansfeld-Südharz. Verstromt wird die Kohle unter anderem im Kraftwerk Lippendorf und in Schkopau.

Noch gibt es in Tagebauen und unter dampfenden Schloten Tausende Jobs. Nach Angaben des Energie-Fachmagazins BWK lag die Zahl der Mitarbeiter in der deutschen Braunkohlenindustrie Ende 2016 bei knapp 20 000; davon rund 2400 Beschäftigte in Mitteldeutschland, rund 8200 in der Lausitz, etwa 8900 im Rheinland und nur noch rund 200 Beschäftigte im Revier Helmstedt.

Besonders das Mitteldeutsche Revier hatte bereits nach der Wiedervereinigung einen gewaltigen Jobabbau zu verkraften. „Von 1989 bis 2015 ging die Braunkohlenförderung hier um 82 Prozent und die Anzahl der Beschäftigten sogar um 96 Prozent zurück“, so Landrat Henry Graichen. Mit den energie- und klimapolitischen Zielen der Bundesregierung zeichne sich nun eine neue Herausforderung ab. „Für die Zeit nach dem aktiven Bergbau brauchen wir Konzepte, auch wenn sich der Abbau nach jetzigen Prognosen noch bis zum Jahr 2040 erstreckt.“ Der Landkreis arbeitet dabei eng mit sachsen-anhaltinischen Akteuren, so dem Burgenlandkreis, dem Landkreis Mansfeld-Südharz und dem Saalekreis zusammen. Der Burgenlandkreis wurde im aktuellen Programm „Unternehmen Revier“ als Projektträger auserkoren – nicht zuletzt deshalb, weil das Bergbauunternehmen Mibrag als Betreiber der Tagebaue Vereinigtes Schleenhain und Profen dort seinen Sitz hat. Graichens Naumburger Amtskollege Götz Ulrich (CDU) setzt sich ebenfalls dafür ein, den Strukturwandel ohne wirtschaftliche und soziale Verwerfungen zu bewältigen. Als erste Maßnahme soll jetzt mit Bundesmitteln ein Regionales Investitionskonzept erarbeitet werden. Die Metropolregion Mitteldeutschland mit Geschäftsführer Jörn-Heinrich Tobaben wurde mit dieser Aufgabe betraut. Ein Großteil der betroffenen Gebietskörperschaften sei bereits unter dem Dach der Metropolregion vereint. Deshalb biete sich diese als Umsetzungsplattform an, warb Tobaben. Landrat Götz Ulrich erklärte: „Wir müssen frühzeitig gegensteuern und den Menschen, die jetzt gut von der Kohle leben können, eine ernsthafte Perspektive geben. Strukturwandel in der Kohle heißt daher Schaffung von Industriearbeitsplätzen, aber auch Regionalentwicklung und Ausbau der Infrastruktur.“ Amtskollege Graichen sieht das ähnlich und betont, dass es nicht nur um Arbeitsplätze direkt unterhalb der dampfenden Schlote und entlang der Kohleflöze gehe. „Auch viele Zuliefer- und Wartungsfirmen oder andere Dienstleister hängen an der Energiebranche.“ Auch für diese Bereiche müssten langfristig Konzepte entwickelt werden.

Von Simone Prenzel

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