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Landkreis plant Containerdorf für Flüchtlinge in Elstertrebnitz

Asylbewerber Landkreis plant Containerdorf für Flüchtlinge in Elstertrebnitz

Im Elstertrebnitzer Ortsteil Eulau soll nach dem Willen der Landkreisverwaltung ein Containerdorf für 150 bis 200 Flüchtlinge entstehen. Der Gemeinderat vertagte einen Beschluss zu dem kommunalen Grundstück. Bürgermeister David Zühlke (CDU) kündigte eine Einwohnerversammlung an, auf der die vielen Fragen der Bürger geklärt werden.

Container-Unterkünfte für Flüchtlinge sollen im Elstertrebnitzer Ortsteil Eulau entstehen. Wie sie genau aussehen sollen, ist noch nicht bekannt.

Quelle: imago stock&people

Elstertrebnitz. In der Gemeinde Elstertrebnitz leben aktuell 24 Flüchtlinge. Der überwiegende Teil davon sind Familien mit Kindern und sie sind ausnahmslos in privaten Wohnungen untergebracht. Doch die Anzahl der Migranten kann in dem 1450-Seelen-Dorf schon bald eine neue Qualität erreichen. Nach Informationen des Bürgermeisters David Zühlke (CDU) habe der Landkreis Leipzig das Gelände des ehemaligen Aussiedlerheimes im Ortsteil Eulau ins Auge gefasst, um dort ein Containerdorf für 150 bis 200 Flüchtlinge für die Dauer von fünf bis sieben Jahren zu errichten. Der Gemeinderat sollte auf seiner Sitzung am Donnerstagabend eigentlich darüber abstimmen, ob sich die Kommune von dem Grundstück trennen würde.

Angesichts dessen kochten in der Bürgerfragestunde die Emotionen hoch. Nahezu 80 Einwohner von Elstertrebnitz und den Ortsteilen äußerten Bedenken hinsichtlich der großen Anzahl an Fremden. Eine Nachbarin des Grundstückes im B-Dorf Eulau sagte: „Die Menschen leben hier gebündelt auf ein paar Quadratmetern und dürfen die erste Zeit nicht arbeiten gehen. Was machen sie den ganzen Tag?“ Sie selber stehe früh um 5 auf, und wenn sie den ganzen Tag auf Arbeit gewesen sei, wolle sie abends ihre Ruhe haben. Aber diese sei nicht mehr gewährleistet, weil die Flüchtlinge einen ganz anderen Lebensrhythmus hätten. „Für uns ist es kein lebenswertes Leben mehr in Elstertrebnitz, das haben wir schon zu Zeiten des Aussiedlerheimes miterlebt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als hier ausziehen. Die Gemeinde wird uns als Bürger verlieren.“ An den Bürgermeister richtete sie in aller Öffentlichkeit die Anfrage, ob die Kommune ihr Haus kaufen möchte.

Auch der Vorsitzende der benachbarten Gartensparte „Glück auf“ sieht sich mit seinen Sorgen alleingelassen: „Hier will doch keiner mehr einen Garten haben, da können wir irgendwann zumachen.“ Es könne auch nicht sein, dass Elstertrebnitz als kleine Gemeinde mehr Flüchtlinge aufnehmen muss als etwa Grimma oder andere größere Orte, äußerte sich Gemeinderat Silvio Schlag von den Freien Wählern. „Es muss eine prozentuale Gerechtigkeit geben.“ In die gleiche Kerbe schlug ein Hinweis aus den Reihen des Gemeinderates, gemeinsam mit der Stadt Pegau nach Alternativen im Gewerbegebiet zu suchen. Ein Familienvater aus dem D-Dorf äußerte unter großem Applaus: „Es ist nicht Aufgabe der Gemeinde, die Fehler, die auf Landes- und Bundesebene gemacht werden, abzufangen. Weder finanziell, noch wirtschaftlich oder politisch.“ Andere Zuschauer forderten den Gemeinderat auf, die Interessen der Bürger zu vertreten. Dazu kamen immer neue Fragen auf: Warum müssen wir die Flüchtlinge überhaupt aufnehmen? Wie lange bleiben sie hier? Wer kümmert sich um sie? Welche Konsequenzen zieht es nach sich, wenn wir Nein zum Verkauf des Grundstückes sagen? Nimmt man dann unsere Selbstständigkeit weg?

„Ich verstehe jede Ängste und Nöte“, stellte sich David Zühlke auf die Seite der Bürger, warb aber zugleich um Verständnis, dass er nicht auf jede Frage eine Antwort wisse. In den Monaten Dezember und Januar müsse der Landkreis Leipzig weitere 1700 Flüchtlinge aufnehmen, und nun werde fieberhaft nach geeigneten Unterkünften oder Stellflächen für Wohncontainer gesucht. Eine Möglichkeit biete das Gelände des ehemaligen Aussiedlerheimes in Elstertrebnitz, das vor Jahren mit Fördergeldern abgerissen wurde und auf dem noch eine zehnjährige Fördermittel-Bindung liege. Das heißt: Wer das Grundstück erwirbt, müsse die kompletten Fördermittel mit bezahlen. Kann der Landkreis diese Regelung umgehen?, tauchte als Frage auf.

Auf Antrag des Bürgermeisters wurde der Beschlussantrag letztlich von der Tagesordnung genommen. „Es sind einfach zu viele Fragen offen“, so David Zühlke. Er verwies auf eine Einwohnerversammlung, die zeitnah in der Schule stattfinden soll. Dazu will er neben dem Landrat Henry Graichen (CDU) auch Vertreter der Polizei und des Landtages einladen, die den Bürgern Rede und Antwort stehen sollen.

Von Kathrin Haase

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