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Landrat Graichen: Kreis bekennt sich zur Zukunft beider Orchester

Debatte über Kulturraumgesetz Landrat Graichen: Kreis bekennt sich zur Zukunft beider Orchester

Der Fehler bei der Finanzierung der Kultur im ländlichen Raum in Sachsen liegt im System. Das hat Landrat Henry Graichen (CDU) bei einer Diskussionsrunde unter dem Motto „Sachsens Kultur – Räume, Möglichkeiten, Perspektiven“ klargemacht. Zu der Veranstaltung hatte die Linken-Landtagsfraktion ins Bornaer Stadtkulturhaus eingeladen.

Das Leipziger Symphonieorchester im Kulturhaus Böhlen.

Quelle: Andreas Döring

Borna. Der Fehler bei der Finanzierung der Kultur im ländlichen Raum in Sachsen liegt im System. Das hat Landrat Henry Graichen (CDU) bei einer Diskussionsrunde unter dem Motto „Sachsens Kultur – Räume, Möglichkeiten, Perspektiven“ klargemacht. Zu der Veranstaltung hatte die Linken-Landtagsfraktion ins Bornaer Stadtkulturhaus eingeladen. Unter der Leitung ihres kulturpolitischer Sprechers, Franz Sodann, debattierten neben Graichen die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke), die Amtsleiterin im Kultusamt des Kreises, Ines Lüpfert, der Leiter der Musikschule „Ottmar Gerster“, Klaus-Dieter Anders, und Peter Krümmel vom Soziokulturellen Zentrum „Kuhstall“ in Großpösna. Die Linken-Landtagsfraktion ist mit Blick auf die Evaluierung des Kulturraumgesetzes derzeit in allen sächsischen Kulturräumen mit Diskussionsrunden unterwegs.

An sich ist das Kulturraumgesetz, mit dem seit 1993 die Kultur im Freistaat maßgeblich finanziert wird, eine gute Sache. Darin waren sich alle Debattenredner einig. Immerhin, so Kultusamtschefin Lüpfert, werden damit sachsenweit jährlich 91 Millionen Euro bereitgestellt, von denen die drei Großstädte Leipzig, Dresden und Chemnitz 51 Prozent bekommen, während der Rest an die fünf ländlichen Kulturräume geht. Das Gesetz sorge dafür, dass es Kultureinrichtungen im ländlichen Raum gibt, „die hier ihr Publikum haben“, sagte sie. Für Kuhstall-Chef Krümmel ermöglicht das bundesweit einzigartige Gesetz, „Entscheidungen von der staatlichen Ebene in autonome Strukturen zu verlagern“. Und es mache deutlich, „dass auch die Kultur auf dem platten Land etwas wert ist“. Und Graichen erklärte, dass es gut ist, dass Entscheidungen in Sachen Kultur vor Ort fallen, die an der regionalen Bedeutung einer Einrichtung festgemacht werden können.

Rathauschefin Luedtke betonte, dass erst die Kulturraummittel die Basis schaffen, dass es in Borna das Stadtkulturhaus, die Mediothek und das Museum gebe. Nicht zuletzt profitieren davon das Leipziger Symphonieorchester (LSO) und die Sächsische Bläserphilharmonie.

Die beiden Ensembles, deren Zukunft aktuell in Frage gestellt wird, hatte ebenso Musikschulchef Anders im Blick, als er sagte, dass das Kulturraumgesetz „eine Menge an Standards gesetzt“ habe. Zugleich habe das Gesetz aber auch die Verletzung von Standards zur Folge gehabt: „Denn Tarifverträge sind auch Standards.“ Dass die Musiker der zwei Kulturraumorchester seit nahezu zwei Jahrzehnten keine Tariferhöhung hatten, liegt nach Ansicht von Graichen in der Budgetierung der Mittel. Damit aber ließen sich Personalkosten eben nicht abfangen, „weil die immer nach oben gehen“. Der Landrat hält nichts von Empfehlungen, aus den Kulturraumgeldern Rücklagen für schlechtere Zeiten zu bilden. Wenn Rücklagen gebildet würden, hätte das auch zur Folge, dass im Kulturraum weniger Geld ausgegeben werde, was aber der Ausgangspunkt für die jährlich neu bewilligten Kulturraummittel ist. Ergo: Wer spart, hat am Ende weniger. „Das ist kein Anreiz für Rücklagen“, so der Landrat.

Er führte auch die drei Perspektiven für die Zukunft von LSO und Bläserphilharmonie an, die sich aus einem Gutachten ergeben, dass die zwei Landkreise Leipzig und Nordsachsen als Partner im Kulturraum Leipziger Raum im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatten: Entweder bleibt alles, wie es ist. Alternativ wird ein Orchester abgewickelt. Oder es finden sich Möglichkeiten, beide Orchester dauerhaft auskömmlich zu finanzieren. Graichen ließ keinen Zweifel daran, dass sich im Landkreis Leipzig alle Verantwortlichen zur Zukunft beider Orchester bekennen.

Von Nikos Natsidis

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