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Borna Landrat a. D. erinnert sich an Grundstein für Lippendorf und Schelte in Heuersdorf
Region Borna Landrat a. D. erinnert sich an Grundstein für Lippendorf und Schelte in Heuersdorf
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18:36 27.07.2016
Karlheinz Bauer mischt immer noch aktiv in der Politik des Landkreises mit. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna

Es war die Zeit der Weichenstellungen und des Übergangs. Als Karlheinz Bauer (CDU) vor nunmehr einem reichlichen Vierteljahrhundert an die Spitze des Bornaer Landratsamtes rückte, betrat er wie so viele in dieser Zeit Neuland. Konkret zum Jahreswechsel 1990/1991. Die Ergebnisse seiner Arbeit kamen oftmals erst viel später zum Vorschein, erinnert sich der studierte Ingenieur, der seit über zwei Jahrzehnten im Bornaer Ortsteil Zedtlitz zu Hause ist.

Etwa an Dreiskau-Muckern. Das kleinen Dörfchen sollte der Erweiterung des Tagebaus Espenhain zum Opfer fallen, und die Verantwortlichen für den Tagebau, der längst zum Störmthaler See geworden ist, wollten Fakten schaffen. „Einen Tages waren die Zäune an vielen Häusern in Dreiskau-Muckern weg“, erinnert sich der inzwischen 81-Jährige. Bauer machte sich stark gegenüber den Tagebaubetreibern und verlangte von ihnen, „dass die Zäune am Abend wieder vor den Häusern stehen“. Sie standen, und der Ort überlebte ebenfalls, weil die frühen 90er-Jahre auch das Aus für einen Großteil der Industrie und des Bergbaus im Süden von Leipzig bedeuteten. Andererseits musste Bauer auf mehreren Einwohnerversammlungen in Heuersdorf den Kopf für die Pläne zur Devastierung des Dorfes hinhalten. Die potenziellen Betreiber eines neuen Kraftwerkes hatten die Umsetzung ihrer Pläne von einem Tagebau abhängig gemacht, aus dem sich mindestens noch 36 Jahre Kohle abbauen ließ. Das neue Kraftwerk wurde 1999 in Lippendorf eröffnet. Bauer war zu diesem Zeitpunkt längst schon kein Landrat mehr.

Er war Opfer der Verwaltungsreformen im jungen weiß-grünen Freistaat, die bisweilen eher einer Versuchsanordnung glichen. So kam es zwar 1993 zum Zusammengehen der einstigen DDR-Kreise Borna und Geithain, was nahelag. Die spätere Fusion mit dem so genannten Kragenkreis rund um die Stadt Leipzig aber führte zu Verwerfungen, unter denen die Kreisstadt Borna ebenso zu leiden hatte wie der Bornaer Landrat. Bauer, der über den Demokratischen Aufbruch (DA), eine der zahlreichen Wende-Gründungen, in die CDU kam („Ich bin nie direkt in die CDU eingetreten.“), konnte sich gegen den Leipziger Landrat Werner Dieck (CDU) bei der internen Kandidatennominierung für die Landratswahlen nicht durchsetzen. Und Borna musste den Kreissitz an die Großstadt Leipzig abgeben, die das nun wirklich nicht brauchte.

Immerhin gelang es dem Bornaer Landrat in internen Absprachen, die Stadt zu einem potenziellen künftigen Kreissitz zu machen, sollten neuerliche Verwaltungsreformen anstehen. Und in der Tat darf es auch als Bauers Verdienst gelten, dass die Stadt seit 1999 wieder Kreisstadt war, ein Status, den die Bergbaustadt auch eine Kreisreform später behalten konnte.

Dass Bauer überhaupt im Bornaer Landratsamt landete, nachdem sich der erste frei gewählte Kreischef Rolf Jähnichen (CDU) nach seiner Berufung durch den sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) ins Dresdner Landwirtschaftsministerium verabschiedet hatte, war auch seinen Erfahrungen in der Behörde geschuldet, die 1990 für die Auflösung der alten Verwaltungsstrukturen im Bezirk Leipzig zuständig war. „Als ich dort anfing, fand ich fünf leere Stahlschränke vor.“ Lediglich die Pläne zum Bau eines Kernkraftwerkes bei Bad Düben waren nicht geschreddert. So schwierig war sein Arbeitsbeginn in der Bornaer Kreisverwaltung dann nicht mehr. Improvisation aber war auf allen Ebenen angesagt. Auch eine Etage höher, wie sich Bauer mit Blick auf einen wichtigen Brief an den damaligen sächsischen Wirtschaftsminister Kajo Schommer (CDU) erinnert. Damit wollte Bauer als damaliger Ressortleiter der Bezirksverwaltung Leipzig den Minister unbedingt vom Verkauf des Flughafens Leipzig-Halle, an dem auch der Kreis Borna Anteile hielt, an die Lufthansa abhalten. Schommer hatte das wichtige Schreiben aus dem Bornaer Landratsamt aber nie auf den Tisch bekommen, weil die Post des neuen Ministeriums mangels Schränken in Wäschekörben gesammelt wurde. Bauer übergab sein Schreiben dann später persönlich.

Seit Jahren ist er im Ruhestand, was nicht heißt, dass er nur zu Hause sitzt. Immer wieder wird der zweite Bornaer Nachwende-Landtrat eingeladen, zudem ist er aktiv in der Senioren-Union. Er darf sich Landrat a. D. - außer Dienst – nennen, weil er niemals abgewählt wurde. Mit anderen Landräten a.D. wie seinen früheren Kollegen Michael Czupalla (CDU/Delitzsch) oder auch seinem späteren Nach-Nachfolger Gerhard Gey (CDU) trifft er sich regelmäßig.

Von Nikos Natsidis

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