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Leben im Schloss Audigast: Bitterkalte Winter, aber Traummonate im Sommer

Tag des offenen Denkmals Leben im Schloss Audigast: Bitterkalte Winter, aber Traummonate im Sommer

Von der einstigen Lebensgemeinschaft mit vier Familien im Wasserschloss Audigast sind nur Ulrike und Martin Wystrik mit ihren drei Kindern übrig geblieben. Sie fühlen sich angekommen auf dem Land und planen bis Ende 2018 die Innensanierung des Baudenkmals. Dach, Wasser- und Elektroleitungen sowie die Fassade sind bereits fertig.

Wenn Martin Wystrik (l.) am Sonntag zum Tag des Denkmals die Pforten von Schloss Audigast öffnet, dann zeigt Danny Schellenberg eine Werkschau, in der auch der Affe aus Beton zu sehen ist. Die Kinder Linda, Ida und Dunja durften schon mal auf Tuchfühlung mit der Kunst gehen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Groitzsch/Audigast. Das Leben im Barockschloss Audigast ist märchenhaft und unwirtlich zugleich: Märchenhaft sind die weitläufigen Räume und der idyllische Blick auf den Park, hart die bitterkalten, trüben Wintermonate ohne Heizung. Von den einst vier Familien, die das Baudenkmal 2011 ersteigerten und hier zusammenleben wollten, sind lediglich Martin Wystrik (49) mit seiner Frau Ulrike und den drei Kindern (9, 11, 17) übrig geblieben. Der Projektmanager gewährt zum Denkmalstag einen Blick hinter die Schlossmauern und wird Besucher über das Gelände führen. Seine Familie fühlt sich in Audigast angekommen.

Ihnen gefällt der Begriff Wasserschloss nicht. Warum?

Er weckt Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Hierbei handelt es sich eher um ein wunderschön schlichtes, großzügiges Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, selbst wenn immer wieder vom Wasserschloss die Rede ist. Ein Begriff, der sich durchaus schon bei uns etabliert hat, aber mir gefallen die Assoziationen zum Luxus nicht gut. Vielleicht trifft es Rittergut oder Herrenhaus eher.

Vier befreundete Familien hatten das Haus 2011 bei einer Zwangsversteigerung erworben und wollten eine Lebensgemeinschaft gründen. Im letzten Winter ist die dritte Familie ausgezogen. Woran ist die Idee gescheitert?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Wir kannten uns zwar alle, aber wir hatten möglicherweise nicht wirklich die selben Vorstellungen von diesem Leben hier. Wir hatten ein riesiges, ruinöses Gebäude aus dem Barock gekauft, das nur mit einem beträchtlichen finanziellen Aufwand wieder bewohnbar gemacht werden kann. Der finanzielle Druck war sicher ein entscheidender Faktor, dass es nicht geklappt hat. Wichtige Fragen haben wir uns nicht rechtzeitig gestellt: Will das jeder wirklich? Passt das wirklich zusammen? Angesichts der Schönheit dieses Hauses hatten wir uns vermutlich zu früh für einen Umzug nach Audigast entschieden und mit einem Provisorium vorlieb genommen.

Hatten Sie auch daran gedacht, zu gehen?

Ja, vor allem im Winter. Dann ist es hier bitterkalt, die Räume lassen sich nicht wirklich heizen. Doch wenn der Frühling kommt, haben wir sechs Traummonate. Anders kann ich es nicht sagen. Wir sind wirklich angekommen in Audigast. Unser Lebensmittelpunkt ist hier, wir fühlen uns willkommen, neue Freundschaften sind entstanden, die beiden Kleinen gehen in die Grundschule nach Rüssen-Kleinstorkwitz und wir können ein freies, naturnahes Leben führen, wie wir es uns immer gewünscht haben.

Sie sind selbst in der Großstadt – in Stuttgart – aufgewachsen. Was schätzen Sie heute am Landleben?

Wir wohnen mitten im Grünen, und das ist wunderschön. Wir haben unseren kleinen Gemüsegarten, zwei Esel, die friedlich vorm Haus grasen, und einen traumhaften Landschaftspark mit alten Bäumen und einem Teich. Der ist zwar völlig verschlammt, aber ich erträume mir dort einen wunderbaren Badeteich. Auch für unsere Kinder ist es ein Traum, hier aufzuwachsen. Sie sind in der Natur, aber doch nahe genug an Leipzig. Sie erleben die Landwirtschaft aus erster Hand, das findet man in der Stadt nicht. Und ein Stadtpark ist auch etwas anderes als die Wiesen und Felder hier draußen. Man wird ruhiger und ausgeglichener auf dem Land und braucht nicht unbedingt 23 Kinos zum Glücklichsein.

Fünf Jahre sind seit Ihrem Einzug vergangen. Was hat sich am Schloss alles verändert?

Als Erstes hatten wir das Dach aufwändig saniert. Das war wichtig, um überhaupt einziehen zu können. Wasser- und Elektroleitungen wurden erneuert, dann haben wir uns die Gebäudehülle vorgenommen, neue Fenster bestellt, den Putz abgeschlagen und frische Farbe aufgetragen. Es ist ein sehr angenehmes Gelbocker geworden, das übrigens die Originalfarbe sein soll. Wir sind sehr glücklich damit und möchten das unseren Besuchern zum Denkmalstag auch zeigen.

Welche Schritte planen Sie als nächstes?

Von außen sieht das Haus wunderbar aus, aber im Grunde genommen ist es eine Illusion. Man sieht die schöne Hülle und schon beim Eintreten kommt die große Ernüchterung. Hier ist noch nichts gemacht worden. Wir beginnen deshalb bald mit der Planungsphase und wollen das Baudenkmal bis Ende 2018 durchsanieren. Das ist nochmal ein gewaltiger Aufwand, deshalb liegt die Konzentration zunächst auf dem Haupthaus, in dem sich übrigens ein wunderschöner 100 Quadratmeter großer Saal befindet. Den Anbau mit Turm und die Reste des Dreiseitenhofes lassen wir zunächst außen vor.

Wie stellen Sie sich das weitere Leben in Audigast vor?

Theoretisch gibt das Wasserschloss Platz für sechs Familien her, allein die Wohnfläche beträgt 1200 Quadratmeter. Aber praktisch ist mir das zu viel. Früher oder später werden weitere Mitbewohner einziehen, doch das ist der zweite Schritt vorm ersten. Wichtig ist erst einmal die Sanierung, dazu benötigen wir die Unterstützung einer überzeugten Bank, die erst gefunden werden muss. Wir möchten uns dabei nicht unglücklich machen. Es soll ein lebendiger Ort sein, der aber auch Rückzugsmöglichkeiten und privaten Raum lässt. Wir haben viele Ideen, wie sich das Leben hier entwickeln könnte, aber es darf nicht zwanghaft werden.

Was erwartet die Besucher zum Denkmalstag am Sonntag?

Von 10 bis 18 Uhr hat der Groitzscher Bildhauer und Steinmetz Danny Schellenberger eine Ausstellung im Foyer. Unter dem Motto „Schöne Dinge“ zeigt er Bilder, Skulpturen und Fotos, dazu werden wir kleine Snacks und Frisches vom Grill anbieten. Außerdem lade ich alle Gäste um 14 Uhr zu einem Rundgang über das Gelände ein und werde die eine oder andere Geschichte erzählen.

Zum Beispiel...

Das heutige Schloss entstand 1753 teilweise auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Trutzburg. Es liegt inmitten eines Parks mit altem Baumbestand, unter anderem einer über 200-jährigen Blutbuche. Außerdem gab es da noch die alte Pferdekeule vom Dachboden, welche im Zusammenhang mit der Legende vom Schimmelreiter steht und das Schloss vor Bränden beschützen soll...

Von Kathrin Haase

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