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Borna Lebensgeschichten in der Tagespflege Akzeptanz
Region Borna Lebensgeschichten in der Tagespflege Akzeptanz
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05:02 17.05.2018
Muttertags-Nachfeier in der Tagespflege Akzeptanz in Borna-Nord. Das Team um Pflegedienstleiterin Steffi Kausch (M., blaue Bluse) hatte eine Waldmeisterbowle mit Erdbeeren und eine kleine Bastelei vorbereitet. Quelle: Kathrin Haase
Borna

In der Tagespflege Akzeptanz in Borna-Nord beginnt jeder Morgen mit einem ausgedehnten Frühstück. Das Team um Pflegedienstleiterin Steffi Kausch (60) kocht Kaffee oder Tee, schneidet Brötchen, Wurst und Käse auf, stellt selbst gemachte Marmelade auf den Tisch und verfeinert die Frühstückseier mit Petersilie und Schnittlauch vom eigenen Balkongarten.

Ab 8 Uhr bringt der Fahrdienst die ersten Gäste. Sie sind zwischen 47 und 94 Jahren alt und werden zur Begrüßung herzlich in die Arme genommen. Kleine Späße („Na, du Schlawiner“) werden hier nicht übel genommen und Sorgen einfach weggelacht.

Familiär und gemütlich geht es in der Tagespflege Akzeptanz in Borna-Nord zu. Jetzt wurde der Muttertag nachgefeiert – mit Waldmeisterbowle, einem Tucholsky-Gedicht und gelben Rosen. Die Gäste sind zwischen 47 und 94 Jahren alt und freuen sich auf die täglichen Angebote.

Heute ist ein besonderer Tag: Es wird Muttertag nachgefeiert. Auf den Tischen stehen Vasen mit Rhododendronblüten, Flieder und Schneebällen. Zusammen mit den Pflegefachkräften Jessica Werner (26) und Jana Geyer (53) hat sich Steffi Kausch etwas Besonderes einfallen lassen. Es gibt Waldmeisterbowle mit Erdbeeren und Zitronenscheiben.

Gelbe Rosen, Bowle und ein Gedicht

„Mach nicht so viel Wasser dran“, ermahnt sie Johanna Meyer, „wir wollen doch unseren Spaß haben.“ Die 91-Jährige besucht die Tagespflege seit anderthalb Jahren und wird von allen nur Hannchen genannt. „Ich lache gerne. Meine Falten im Gesicht sind alles Lachfalten; es werden immer mehr.“

Zur Feier des Tages verteilt Steffi Kausch gelbe Rosen, dann liest sie das Gedicht „Mutterns Hände“ von Kurt Tucholsky vor. Einige Frauen wischen sich verstohlen die Tränen aus den Augen. Dann erzählen sie aus ihrem Leben und was sie mit ihren Händen alles geleistet haben.

Gäste erzählen aus ihrem Leben

„Ich habe einen Sohn großgezogen, er ist heute 67“, sagt Johanna Meyer, die genauso stolz auf ihren Enkel und die zwei Urenkel ist. „Manchmal hat es aber auch ein paar hinter die Löffel gegeben.“

Dann ist Waltraud Michael (89) an der Reihe. Das Schicksal meinte es mit der Magdebornerin nicht immer gut. Drei Babys hatte sie in ihren Händen gehalten, hat Windeln gewaschen, Essen gekocht, gebügelt und den Kindern über den Kopf gestreichelt. Die beiden Mädchen sind schon früh gestorben. „Das war sehr schwer, aber das Leben musste weitergehen.“ Zu ihrem Leben gehörte immer viel Arbeit, sagt Waltraud Michael, schon als Kind musste sie beim Bauern Rüben verziehen und Kartoffeln lesen.

„Wie eine Familie“

In der Tagespflege haben alle Gäste so viel Vertrauen zueinander, dass sie sich ihre Lebensgeschichten anvertrauen können. „Ich komme gerne hierher, es ist wie eine Familie“, ist Helga Binder (81) dankbar für die Abwechslung. „Was Steffi und die anderen für uns machen, ist einmalig.“

So feiert die Gemeinschaft nicht nur Muttertag oder Herrentag, sondern alle Feste und Jahreszeiten wie sie fallen. Es wird gestrickt und gebastelt, vorgelesen, gebacken und gekocht. Wem das zu viel ist, der kann sich in die gemütliche Wohnstube oder für ein Mittagsschläfchen zurückziehen.

Tagespflege entlastet Angehörige

„Unsere Tagespflege ist in erster Linie als Entlastung für die Angehörigen gedacht, denn viele kommen an ihre Grenzen“, sagt die Geschäftsführerin Heike Judith, die auch einen ambulanten Pflegedienst und das betreute Wohnen in der Magdeborner Straße betreibt.

Mittlerweile ist die Waldmeisterbowle gut durchgezogen und wird ausgeschenkt. Spontan stimmt Johanna Meyer ein Lied an und alle singen mit. Einfach weil die Sonne scheint und heute ein schöner Tag ist.

Von Kathrin Haase

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