Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Lebensgeschichtliche Interviews mit Breunsdorfern
Region Borna Lebensgeschichtliche Interviews mit Breunsdorfern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:40 15.04.2018
Erinnerungen von Walter Sacher aus Breunsdorf. Im Südraumjournal, Ausgabe 5, wurde das Interview mit dem Handwerker veröffentlicht. In der Leipziger Volkszeitung wird er als einer der letzten Breunsdorfer porträtiert. Quelle: Repro:
Anzeige
Landkreis Leipzig

„Es ist eher selten, dass Bewohner überbaggerter Dörfer über ihr Leben schreiben“, sagte der Groitzscher Ortschronist Roland Meyer, der sich mit vielen verschwundenen Orten der Region beschäftigte. Häufig seien die Menschen traurig und frustriert, weil sie wegziehen müssen und wollen daher nicht ausführlich darüber erzählen oder schreiben.

„Mir sind solche schriftlichen Zeugnisse kaum bekannt“, meinte auch Thomas Bergner, Mitarbeiter des Bornaer Stadtmuseums. Die Aufzeichnungen der Heuersdorferin Gertrud Eberhardt seien eine Ausnahme. Es könnte allerdings sein, dass der eine oder andere seine Erinnerungen privat für Kinder und Enkel zu Papier bringt.

Späte Freude über notierte Erinnerungen

Claus Bräutigam, Autor vieler heimatgeschichtlicher Bücher über devastierte Orte, sprach mit zahlreichen Menschen, die ihre Heimatorte verlassen mussten und notierte ihre Erinnerungen. In dem Band über Alt-Deutzen, das in den 1960er-Jahren verschwand, floss auch viel Persönliches ein, weil er dort aufwuchs. „Es ist wichtig, all das zu bewahren“, sagte der Regiser. Nach seinen Erfahrungen würden sich die allermeisten Umsiedler später freuen, wenn zumindest in Text und Bild etwas von ihren Heimatorten bleibt.

Lebensgeschichtliche Interviews führte der Historiker Dr. Hans-Jürgen Ketzer, heute Leiter des Volkskundemuseums Wyhra bei Borna, Mitte der 1990er-Jahre mit Bewohnern des sterbenden Breunsdorf. Dies war ein Projekt des Landesamtes für Archäologie, bei dem auch ein Ethnologe aus Belgien und das Max-Planck-Institut mitarbeiteten.

Publikationen mit Schilderungen des dörflichen Lebens

Knapp zwanzig Frauen und Männer interviewte der Historiker über den Dorf-Alltag und nahm die Gespräche auf Kassetten auf. Später wurde dies abgeschrieben und fand in unterschiedlichen Publikationen Verwendung. „Es sind Schilderungen des dörflichen Lebens, die außer ihnen keiner mehr geben kann. Die Leute sprachen damals sehr offen über ihre Situation“, erinnerte sich der Interviewer.

Stiller Protest zweier Teilnehmer des Kirchentages im Juni 1997 unter einem Transparent in der Dorfmitte von Heuersdorf Quelle: AP

Jahre später wollte er das Projekt mit Bewohnern anderer betroffener Orte wiederholen. Doch es sei schwierig gewesen, ins Gespräch zu kommen, die Leute seien verschlossener gewesen. Hin und wieder würde er persönliche Aufzeichnungen zugeschickt bekommen. Vor kurzem erhielt er zum Beispiel ein Büchlein eines früheren Pfarrers aus Kahnsdorf, der einst in den längst verschwundenen Orten Trachenau, Treppendorf, Hain und Kreudnitz predigte.

Kohle fraß 120 Siedlungen in Mitteldeutschland

Rund 120 Siedlungen in Mitteldeutschland sind in den vergangenen hundert Jahren ganz oder teilweise wegen des Tagebaus verschwunden, mehr als 50 000 Menschen wurden umgesiedelt. Es gebe dazu viele Chroniken in unterschiedlicher Qualität, sagte der Historiker. Rein persönliche Erinnerungen wie die von Gertrud Eberhardt oder den Breunsdorfern sind dagegen eher selten.

Von Claudia Carell

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Ökologische Station Borna-Birkenhain feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Auch im Jubiläums-Jahr lädt sie wieder zu zahlreichen Veranstaltungen ein. Zudem sollen die umweltpädagogischen Angebote für Oberschulen und Gymnasien ausgebaut werden.

12.04.2018

Begeistert war die Heuersdorferin Gertrud Eberhardt anfangs nicht von der Idee, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Dann griff die über 90-Jährige doch zu Papier und Stift. Nur wenige Bewohner überbaggerter Orte schreiben über ihr Leben und die verlorene Heimat. Breunsdorfer ließen sich dazu einst interviewen.

15.04.2018
Borna Grüner Ring Leipzig - Runder Tisch zum Wassertourismus

Um den Wassertourismus im Leipziger Neuseenland geht es bei einem Projekt des Grünen Ringes Leipzig. Im Mai soll es dazu erstmals einen Runden Tisch geben, der das Konzept fortschreibt und an dem sich Bürger beteiligen können.

Anzeige