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Lebenshilfe: Nach Förderstätte Wohnraum für behinderte Senioren geplant

Investition in Sozialprojekt Lebenshilfe: Nach Förderstätte Wohnraum für behinderte Senioren geplant

Der Schlüssel aus Buttercreme und Schokolade ist das Sahnehäubchen auf das jüngste Projekt der Bornaer Lebenshilfe. In nur siebenmonatiger Bauzeit errichtete der Verein einen Förder- und Betreuungsbereich für Schwerbehinderte in Borna. Aber die Suche geht weiter – nach einem Grundstück für eine Wohnstätte, in der behinderte Senioren alt werden können.

Unter den prominenten Gästen zur Übergabe des Förder- und Betreuungsbereiches waren (v.l.) Simone Luedtke (Bornas Oberbürgermeisterin), Heike Werner (Sozialministerin in Thüringen), Michaele Sojka (Landrätin im Altenburger Land), Katharina Landgraf (CDU-Bundestagsabgeordnete) und Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU-Landtagsabgeordneter).

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Wenn bei der Lebenshilfe gefeiert wird, dann nimmt nicht nur Prominenz aus Politik und Wirtschaft Platz. Rollstühle verlängern die Sitzreihen, Behinderte und ihre Betreuer sitzen ebenfalls in der ersten Reihe. In die feierliche Atmosphäre hinein wird gegluckst und gelacht, mit Händen gestikuliert, werden die Köpfe in alle Richtungen gedreht, und nicht immer zum Rednerpult. In dieser lebendigen Atmosphäre überbrachte am Mittwoch die Lebenshilfe-Vorstandsvorsitzende Angelika Reichelt ihre neue Botschaft zur feierlichen Übergabe des fertiggestellten Förder- und Betreuungsbereichs im Gewerbegebiet Am Wilhelmschacht. Eine in Schlüsselform gestalteten Sahnetorte vor Augen animierte die Rednerin zu einem kurzen, konkreten Statement.

Es gibt bereits das nächste Projekt. „Bevor ich den Staffelstab übergebe, wird es ein Wohn-, Alten- und Pflegeheim geben“, so Reichelt. Die Lebenshilfe plane eine Einrichtung, in der sich Erwachsene und ältere Menschen mit Behinderung wohl fühlen. Ob die neue Wohnstätte in Borna oder andernorts im Landkreis entsteht, sei noch ungewiss. Der Verein sei gerade auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück.

Der Neubau Am Wilhelmschacht 13 hat dem Bornaer Verein offensichtlich Flügel verliehen. Unbürokratische Genehmigungen durch zwei Landesbehörden sowie eine Finanzierung, die von den Ländern Sachsen und Thüringen sowie vom Landkreis und der Aktion Mensch gefördert wurde, dazu 21 motivierte Handwerksbetriebe aus der Region beflügelten dieses Projekt. Planerin Constanze Krasselt hatte nicht nur einen funktionellen Bau mit breiten Gängen, komfortablen Gruppenräumen und Rückzugsgebieten wie dem Snoezelraum konzipiert. Sie behielt auch die Nerven, als der Baugrund seine Tücken offenbarte. Denn die Lage auf einem Kippenrand ließ die erhoffte Stabilität vermissen und erforderte eine Gründung, die tiefer und teurer als geplant ausfiel. Dennoch liefen die Kosten nicht aus dem Ruder, wurde der Fertigstellungstermin Ende des Jahres 2015 gehalten. Die Lebenshilfe schulterte 470 800 Euro und knapp 50 Prozent am Bau. „Mithin kein geringer Beitrag für einen so kleinen Verein wie die Lebenshilfe in Borna und eine große Verantwortung, die Vorstand und Geschäftsführung übernehmen“, so Reichelt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der offen gestaltete, ebenerdige Bau bietet Platz für 24 schwerstmehrfachbehinderte Menschen, die gemeinsam mit geschulten Sozialarbeitern alltägliche Arbeiten wie das Einkaufen, Kochen, Tischdecken und Aufräumen praktizieren. Im Rahmen eines überschaubaren Tagesablaufs bleiben sie aktiv und trainieren Fähigkeiten, die trotz Beeinträchtigung zu mobilisieren sind. Therapieräume stehen genauso zur Verfügung wie ein komfortables Wannenbad und Gruppenräume mit angeschlossener Küche. Auch Werkstatt- und Bastelräume bieten Möglichkeiten zur Beschäftigung. Bereits kurze Zeit nach dem Umzug aus der alten Schule in Neukieritzsch nach Borna hat sich die Gruppe gut eingelebt. Der barrierefreie Bau gibt seinen Nutzern ein neues Lebensgefühl.

Noch ist er nicht vollends ausgelastet. Aber laut Uwe Drechsler, Geschäftsführer der Lebenshilfe, ist die Nachfrage vorhanden. Die enge Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Thüringen sei Voraussetzung dafür, dass auch behinderte Menschen ihr Wunsch- und Wahlrecht bei der Inanspruchnahme von sozialen Leistungen durchsetzen können. Deshalb rechnet er fest damit, dass schon in absehbarer Zeit der Förder- und Betreuungsbereich 2, wie er bei der Lebenshilfe heißt, ein volles Haus sein wird.

Von Birgit Schöppenthau

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