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Borna Leere Praxen nach Besitzerwechsel in Borna beim Medizinischen Versorgungszentrum
Region Borna Leere Praxen nach Besitzerwechsel in Borna beim Medizinischen Versorgungszentrum
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08:00 16.07.2016
Das Medizinische Versorgungszentrum in der Brauhausstraße 5 in Borna – Patienten stehen vor geschlossenen Praxen. Quelle: Oliver Becker
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Borna

Dunkle Räume, leere Praxen und Aushänge mit dem Verweis auf das Röntgenzentrum Rötha – nach dem Besitzerwechsel beim Medizinischen Versorgungszentrum für Physikalische und Rehabilitative Medizin (MVZ) in Borna ist es auf der dritten Etage des Ärztehauses in der Braushausstraße 5 ruhig geworden. Immer wieder kommen Patienten, die Termine bei den Ärzten Martina Schulz, Adrianna Grabowska und Stefan Pfeiffer haben, stehen aber vor verschlossener Tür und können die Praxen auch nicht telefonisch erreichen.

So auch Tobias Weischet: „Aus meinem Bekanntenkreis habe ich gehört, dass den bisherigen Ärzten hier gekündigt worden ist. In der Reha unten habe ich gelesen, dass das MVZ einen neuen Eigentümer hat. Ich habe aber einen Termin bei Frau Dr. Schulz heute Abend und wollte mal sehen was nun ist“, sagte Weischet. Vor einem halben Jahr hat der Bornaer den Termin bekommen und wundert sich, warum er von der Praxis nicht Bescheid bekommen hat. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass man da im Vorfeld informiert wird, wenn ein Termin ausfällt“, sagte Weischet. „Jetzt sehe ich, alles ist dunkel und nur noch die Sprechzeiten vom Orthopäden Dr. Pfeiffer sind angegeben.“ Der ist aber laut dem Anschlag an der Tür bis einschließlich Montag im Urlaub. Die Aushänge helfen dem Mann nicht weiter. „Ich kann hier nicht entnehmen, ob er Frau Dr. Schulz vertritt, auch generell nicht, was mit der Praxis jetzt ist“, sagte Weischet.

Seit einem Arbeitsunfall ist der Mann bereits zwei Jahre Patient bei der Ärztin für rehabilitative Medizin und fühlte sich bislang rundum gut versorgt. „Frau Dr. Schulz hat mich fachärztlich hervorragend beraten. Hatte man ein orthopädisches Problem und wollte sich ohne OP behandeln lassen, war das ideal, weil sich die Ärzte mit der Reha unten fachlich und terminlich abgestimmt haben.“ Dass es mit dem MVZ nicht in gewohnter Weise weitergeht und er Frau Schulz nicht mehr als Ärztin habe, treffe ihn tief.

„Beim MVZ sind alle Ärzte und Schwestern bis auf Dr. Pfeiffer gegangen worden“, sagte eine Mitarbeiterin der Reha im Erdgeschoss. Dr. Anja Frenzen hätte zuvor selber gekündigt. „Durch meine Mitarbeiter in der Reha höre ich, dass nun einige Arzttermine nicht wahrgenommen werden können, weil die Ärzte fehlen“, sagte Sven Reinker, Geschäftsführer der Reinker Ambulanten Reha. Seit einiger Zeit habe jedoch die nicht-ärztliche Therapieeinrichtung nichts mehr mit dem MVZ zu tun. „Viele Bornaer und Geithainer würden das nicht trennen“, so der Geschäftsführer.

So habe Reinker das Therapiezentrum 2007 in Zusammenarbeit mit Dr. Schulz zwar gegründet und in Borna und Geithain bis zu acht Ärzte der Fachrichtungen Physikalische und Rehabilitative Medizin, Orthopädie, Allgemeinmedizin, Frauenheilkunde angestellt. Der Grund: damals hätte es viele Überschneidungen in der Arbeit und wirtschaftliche Vorteile gegeben. Bereits zum 1. Juli 2014 habe Reinker jedoch 50 Prozent seiner Anteile und zum 1. April 2015 weitere an die Ärzte im Röntgenzentrum Rötha, Michael Schwittay und Runa Stiegler übertragen. Heute sei das MVZ zu 70 Prozent im Besitz von Herrn Schwittay – Stiegler und Reinker hielten mit 5 und 25 Prozent nur Minderheitenbeteiligungen. Am 18. März dieses Jahr hätte Herr Schwittay zudem die Geschäftsführung des MVZ übernommen.

„Verkauft habe ich, weil ich mich nur noch auf meine Arbeit konzentrieren möchte – Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Podologie“, sagte Reinker. Die Reha werde nicht schließen, sondern bliebe auch weiter geöffnet. Ferner gebe es auch andere Praxen im Haus, die nicht zum MVZ in der dritten Etage gehörten – das ganze Ärztehaus sei von der Schließung demnach nicht betroffen.

Dass das Telefon beim MVZ nicht „bedient wird, habe ich bereits selbst feststellen müssen“, sagte Reinker. Laut eines Mitarbeiters des MVZ soll Dr. Schwittay geäußert haben, dass die Telefonanlage kaputt sei. Das Telefon hänge jedoch an der Telefonanlage der Therapieeinrichtung und dort funktioniere alles. Bislang habe er auch keine entsprechende Anzeige von der Geschäftsführung erhalten.

Was der Grund für die Kündigungen war und wie es mit dem MVZ künftig weitergeht – ob neue Ärzte angestellt werden und die Patienten noch Ersatz-Termine bekommen – bleibt vorerst offen. Michael Schwittay und Runa Stiegler waren auf LVZ-Anfrage nicht zu erreichen.

Von Oliver Becker

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