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Borna Legenden und Erinnerungen von der Erdgastrasse leben in Deutzen auf
Region Borna Legenden und Erinnerungen von der Erdgastrasse leben in Deutzen auf
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07:00 13.05.2016
Matthias Schwirz im Museum des Vereins Erdgastrasse mit einer Jacke, die die Trassenbauer einst trugen, als DDR-Staatsoberhaupt Erich Honecker sie besuchte. Quelle: André Neumann
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Regis-Breitingen/Deutzen

„Ohne Schlamm fehlt mir was“, steht groß auf dem Rücken des T-Shirts von Matthias Schwirz. Wer das verstehen will, muss wissen, was der heute 52-Jährige aus Regis-Breitingen zwischen 1985 und 1991 getan hat. In diesen Jahren arbeitete er als Kraftfahrer im fernen Ural in der damaligen Sowjetunion an der Erdgastrasse. Gemeinsam mit Tausenden anderen Frauen und Männer aus der DDR.

Das Gemeinschaftsvorhaben der Ostblockstaaten, die damals den RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) bildeten, begann 1975 und sollte die Erdgasvorkommen im Ural erschließen. Die beteiligten Länder übernahmen jeweils eigene Abschnitte, die um die 500 Kilometer lang waren. Die Frauen und Männer, die daran beteiligt waren, wurden zu einer verschworenen Gemeinschaft.

Einige Hundert ehemalige Trassenbauer treffen sich über Pfingsten im Kulturpark Deutzen. Dort findet das mittlerweile zehnte Trassentreffen statt. Organisiert wird es vom Verein Erdgastrasse, der seinen Sitz in Regis-Breitingen hat und von Matthias Schwirz und seiner Frau Sigrid geleitet wird.

Die beiden gehörten von 1985 bis 1990 beziehungsweise 1991 zum großen Trassen-Tross. Zwar haben sie nicht dort geheiratet, wie viele andere Paare, immerhin haben sie sich aber kennengelernt. Er, der in einer Druckerei arbeitete, ging als Kraftfahrer in den Ural, war heiß darauf, Lkw fahren zu können. Sie arbeitete in der Stamag in Regis-Breitingen, wurde gefragt und entschied sich übers Wochenende. Im Permer Gebiet war sie für Pass- und Visaangelegenheiten und für die Planung der Flüge für die Heimreise zuständig.

Was zeigt, dass die Arbeit an der Trasse nicht nur aus Rohre verlegen und Schweißen bestand, die Trasse war wenigstens ein Großbetrieb, wenn nicht eine eigene Welt. Bevor die Leitung verlegt wurde, entstanden in abgelegenen Gebieten Städte mit Kindergärten und Schulen. Gearbeitet wurde, erzählt Matthias Schwirz, an sieben Tagen in der Woche zwölf Stunden lang. Dafür genossen die Trassenbauer eine Art Rundum-Versorgung, wurden vom Quartier zur Arbeitsstelle und zurück gefahren, bekamen dreimal täglich Essen und die Bettwäsche gewaschen. Ab und an kamen Bands aus der Heimat und gaben Konzerte.

Schwere Arbeit fern von der Heimat, ungewohnte Kälte, Schlamm, unwegsames Gelände, die Annäherung an die einheimische Bevölkerung, internationale Freundschaften und Hochzeiten – da war viel Raum für Abenteuer, Geschichten und Legenden. Von denen jene, die sie erlebt haben, noch lange zehren. Deswegen braucht es beim Trassentreffen auch kein durchorganisiertes Programm. Der Reiz besteht in der Begegnung und im Austausch von Erinnerungen.

Wie es bei den Treffen zugeht, ist auf den Fototafeln zu sehen, die neben Unmengen von Büchern, Heften, Souvenirs und typischer Trassen-Arbeitsbekleidung das kleine Museum des Trassenvereins in der Grundschule in Deutzen schmücken. Viele Besucher des Treffens werden sich morgen und übermorgen hier umsehen. Die ersten beiden Begegnungen der Trassenbauer fanden noch in Dingsleben bei Hildburghausen statt, wo der Verein 1997 gegründet worden war. „Wir hatten damals“, erinnert sich Matthias Schwirz“, den Dorfsaal mit 60 bis 80 Plätzen gemietet. Es kamen knapp 1000.

Gäste, die selbst nicht dabei waren, aber Lust haben, etwas von der Faszination Trasse zu erfahren, sind am Pfingstwochenende im Kulturpark Deutzen gern gesehen.

Von André Neumann

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