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Lehrermangel: Schulen im Landkreis Leipzig beklagen dünne Personaldecke

Bildung Lehrermangel: Schulen im Landkreis Leipzig beklagen dünne Personaldecke

Mit einem 233 Millionen schweren Maßnahmenpaket sagt die Landesregierung in Sachsen dem Lehrermangel den Kampf an. Im Landkreis Leipzig ist die „Personaldecke dünn, aber ausreichend“, sagt Roman Schulz von der Sächsischen Bildungsagentur.

Die Lehrersituation an Schulen im Landkreis Leipzig ist angespannt, aber gut.

Quelle: dpa-Zentralbild

Landkreis. Die Zeiten in sächsischen Lehrerzimmern sind stürmisch: Erst vor wenigen Tagen einigte sich der Landtag auf ein 213 Millionen schweres Maßnahmenpaket gegen den Lehrermangel in den kommenden zwei Jahren. Der Sächsische Lehrerverband rief vor zwei Tagen zu einer Protestkundgebung in Dresden auf. 2000 Lehrkräfte aus Sachsen folgten dem Aufruf und brachten ihren Unmut vor dem Landtagsgebäude zum Ausdruck.

Auch wenn zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden, ist die Personaldecke im Landkreis Leipzig längst nicht so eng wie in anderen Regionen. Frank Fingas, kommissarischer Schulleiter am Magnus-Gottfried-Lichtwer-Gymnasium in Wurzen sagt: „Die Situation können wir derzeit als zufriedenstellend bezeichnen. Aber, wenn zum Halbjahresende Kollegen in Rente gehen, müssen wir neu planen.“ Wolf-Dieter Goecke, Schulleiter am St. Augustin Gymnasium in Grimma bestätigt diese Aussage. Auch an seiner Schule sei die Lehrersituation „angespannt, aber gut.“

Keinen akuten Lehrermangel sieht auch Roman Schulz von der Sächsischen Bildungsagentur in Leipzig. „Die Personaldecke ist zugegebener Maßen nicht besonders dick, aber die Grundversorgung an Schulstunden ist auf alle Fälle gewährleistet.“ Zum laufenden Schuljahr wurden rund 400 neue Lehrkräfte im Gebiet der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen eingestellt. Für die kommenden drei bis vier Jahre würde es allerdings spannend werden. 1500 Lehrerstellen müssten dann sachsenweit besetzt werden. „Es gibt zwar genug Studenten, die Lehramt studieren. Diese stehen dem Arbeitsmarkt aber erst ab 2020 oder 2021 zur Verfügung.“ Besonders groß sei die Nachfrage an Grund- und Oberschulen, sowie in bestimmten Fächerkombinationen. „Vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern wird Nachwuchs gebraucht und teilweise auch in den modernen Fremdsprachen“, sagt Schulz. In Fächern wie Deutsch oder Geschichte gebe es traditionell ein Überangebot von Universitätsabgängern. „Wer sich für den Lehrerberuf interessiert, der sollte sich informieren, was gefragt ist.“

Birgit Geuther von der Grundschule Bad Lausick sagt: „Langfristig gesehen ist Nachwuchs elementar, um die frei werdenden Stellen von denen, die in Rente gehen, zu besetzen. Außerdem muss es Anreize geben, für junge Leute als Lehrer in Sachsen zu verbleiben.“

Darauf hat der Freistaat bereits reagiert. Unter anderem will die Landesregierung 722 zusätzliche Lehrerstellen schaffen. Lehramtsanwärter sollen mit einem Gehaltszuschlag von 390 Euro in Sachsen gehalten werden. Dazu müssen sie sich verpflichten nach dem Studium mindestens vier Jahre im Bundesland zu arbeiten. Älteren Kollegen ab 63 Jahren können bis zu 780 Euro mehr verdienen, wenn sie den Renteneintritt nach hinten verlegen. Um auch Lehrer aus anderen Bundesländern anzulocken, können diese Gehaltsunterschiede durch Zulagen ausgleichen.

Dass es junge Menschen vor allem in Großstädte wie Leipzig Dresden oder Chemnitz zieht, kann Roman Schulz verstehen. „Das private Lebensgefühl ist natürlich wichtig und eine große Stadt hat natürlich viel mehr zu bieten.“ Die meisten Referendare oder Berufseinsteiger wüssten gar nicht – so sein Eindruck – wie schnell man etwa aus Leipzig mit Bus und Bahn in Wurzen, Borna, Grimma oder Bad Lausick ist. „Für die Arbeit in Kleinstädten muss bereits im Studium mehr geworben werden.“

Um trotzdem genug Lehrkräfte zur Verfügung zu haben, gibt es in Sachsen mittlerweile die Möglichkeit als Seiteneinsteiger zu arbeiten. das sind zum einen ausgebildete Lehrer, die etwa – statt am Gymnasium etwa an einer Grundschule arbeiten, wissenschaftliche Mitarbeiter oder Hochschulabsolventen. Mindestens ein Hochschulabschluss in einem geeigneten Berufsfeld ist Pflicht. Sollten pädagogische Inhalte fehlen, werden diese als Seiteneinsteiger, neben der Arbeit in der Schule, nachgeholt. „Zum laufenden Schuljahr haben wir in der Stadt Leipzig und in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen 190 Seiteneinsteiger eingestellt“, so der Pressesprecher. neben der Arbeit als Lehrer absolvieren die Seiteneinsteiger ein Pädagogikstudium. „Wir haben eine Seiteneinsteigerin bei uns in der Schule und sind sehr zufrieden“, sagt Fingas vom Lichtwergymnasium. „Allerdings ist ihr Arbeitsvertrag befristet, so dass wir nach ihrem Weggang auch wieder neu planen müssen.“ Für eine langfristige Lösung hält der Schulleiter das Seiteneinsteiger-Modell allerdings nicht. In der akuten Situation sei die Unterstützung natürlich eine gute Hilfe. Roman Schulz von der Bildungsagentur sieht das anders. „Natürlich sind ungelernte Lehrer zu Beginn eine Belastung, aber die meisten arbeiten sich schnell ein und sind dann eine Bereicherung.“

Das Maßnahmenpaket der Landesregierung sieht auch bei der Ausbildung der Seiteneinsteiger Handlungsbedarf. Zukünftig sollen sie drei Monate auf den neuen Job vorbereitet und anschließend berufsbegleitend an einer Universität weiter qualifiziert werden. Auch am St. Augustin in Grimma ist man von der Idee Seiteneinsteiger angetan. „Grundsätzlich halte ich dieses Modell für eine gute Idee“, so Goecke. „Leute, die sich für diesen Weg entscheiden, wollen wirklich Lehrer sein und sind daher sehr engagiert“, weiß Schulz. An Eltern von betroffenen Klassen appelliert er: „Seien Sie nachsichtig, wenn zu Beginn noch nicht alles rund läuft.“

Was das Maßnahmenpaket konkret bewirken kann, da wollen sich die Schulleiter nicht festlegen. „Vor allem ist es ein positives Signal im ewigen Hin und Her zwischen Regierung und Gewerkschaft“, so Fingas aus Wurzen. Ein Manko in seinen Augen: „Berufseinsteiger und ältere Kollegen werden mit finanziellen Anreizen gelockt. Für die Lehrer, die mitten Berufsalltag stehen, gibt es kaum Änderungen.“

Der Sächsische Lehrerverband, die Gewerkschaft und andere Lehrerverbände kritisieren vor allem, dass es keine messbare Entlastungen für alle Lehrkräfte gibt. Außerdem sollen nur Lehrer an Ober- und Förderschulen schneller höher eingruppiert werden. Grundschullehrern etwa, bleibt dies verwehrt.

Aus der Bildungsagentur heißt es zum Maßnahmenpaket: Die Situation verbessere sich für einige Lehrergruppen. Aber für niemanden verschlechtere sie sich. Außerdem werde durch alle Schulformen hindurch Mehrarbeit ab der ersten Stunde bezahlt. Wie sich die Lehrersituation entwickelt, müsse man abwarten. Die Absicherung für das Schuljahr 2017/2018 stehe schon bereit.

Von Tatjana Kulpa

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