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Lehrermangel im Landkreis: An Ober- und Förderschulen ist die Not am größten

Bildung Lehrermangel im Landkreis: An Ober- und Förderschulen ist die Not am größten

Die Freude über die heute beginnenden Ferien kann nicht darüber hinwegtäuschen – im neuen Schuljahr drohen Startschwierigkeiten: Von 337 freien Stellen im Bereich des Schulamtsbezirks Leipzig sind erst 290 unter Vertrag. Der Sächsische Lehrerverband (SLV) bezweifelt, ob im August vor jeder Klasse ein Lehrer steht.

Lehrermangel wird in sächsischen Klassenzimmern zu einem immer größeren Problem.

Quelle: Röse

Landkreis Leipzig. Die Freude über die heute beginnenden Ferien kann nicht hinwegtäuschen – im neuen Schuljahr drohen Startschwierigkeiten: Von 337 freien Stellen im Bereich des Schulamtsbezirks Leipzig sind erst 290 unter Vertrag. „Wir suchen händeringend nach weiteren Bewerbern“, erklärte gestern Roman Schulz, Sprecher der Sächsischen Bildungsagentur (SBA). Zum Schulamtsbezirk gehören neben der Stadt Leipzig die Kreise Leipzig und Nordsachsen. Ein Blick auf den aktuellen Zwischenstand offenbart etliche Lücken: An den Oberschulen sind von 126 neuen Stellen bislang nur 105 abgesichert. An den Grundschulen fehlen noch zehn Kollegen, um die 116 Stellen abzudecken. Die 32 Stellen an Berufsschulen sind bis auf eine halbe Stelle komplett vergeben. Größte Schwierigkeiten gibt es noch an Förderschulen. Hier konnten bislang erst 28 Kollegen gewonnen werden, 15 werden noch gebraucht. „Wir befinden uns noch mitten im Einstellungsverfahren“, erklärte Schulz. Dies werde auch noch bis Anfang August andauern. So gebe es intensive Gespräche, Gymnasiallehrer für Oberschulen zu interessieren. Die Abiturschmieden sind derzeit die einzigen Einrichtungen ohne Engpass. „Die 20 neuen Stellen sind alle besetzt“, erklärte Schulz. Für die Gymnasien hatte es im Bereich der Regionalstelle Leipzig der SBA insgesamt 271 Bewerbungen von ausgebildeten Pädagogen gegeben. Für alle Schularten hatten sich 421 ausgebildete Lehrkräfte und 741 Seiteneinsteiger beworben. Bis zur letzten Minute könnten sich noch geeignete Interessenten melden, so die SBA.

Der Sächsische Lehrerverband (SLV) bezweifelt, ob im August vor jeder Klasse ein Lehrer steht. „Unsere Warnungen sind seit Jahren ignoriert worden“, kritisiert Jens Nelle, Mitglied im Vorstand des SLV und Bezirkspersonalrat. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen seien nur hilfslose Versuche, den Schaden in Grenzen zu halten, urteilt der Pädagoge vom Beruflichen Schulzentrum in Wurzen. Die Versäumnisse müssten Schüler, Eltern und Lehrer jetzt ausbaden. „Rund 60 Prozent der neu eingestellten Lehrer werden Seiteneinsteiger sein“, gab Nelle zu Protokoll. Sorgen mache der Gewerkschaft die Absenkung der Standards. So stünden vor Berufschulklassen bald Kosmetikerinnen. Für Grundschulen würden etliche Erzieher eingestellt, um die größten Löcher zu stopfen.

„Seiteneinsteiger können eine Bereicherung sein“, erklärt der Brandiser Oberschulleiter Uwe Storek. „Mancher entdeckt vielleicht seine Liebe zum Beruf, auch wenn der Lehrer-Job nicht sein erster Wunsch war.“ Dem Trugschluss, dass Lehrer nur ein Halbtagsjob mit viel Urlaub sei, sollten sich Interessenten allerdings nicht hingeben. An der Bornaer Dinterschule sind bisher zwei Seiteneinsteiger in Sport und Biologie im Einsatz. „Wir haben Glück mit den neuen Kollegen. Sie sind engagiert und passen gut ins Team“, bilanziert Schulleiter Frank Ziemann. „Aber ich weiß, dass es an anderen Schulen nicht so glatt läuft. Seiteneinsteiger ist eben nicht gleich Seiteneinsteiger. Es gibt sicher viele, die sich da überschätzen.“

Auch an den nicht staatlichen Schulen ist Lehrermangel ein Thema. „Wir konnten dem bislang durch den Einsatz pensionierter Pädagogen begegnen“, erklärt Kai Hakl, Leiterin des Freien Gymnasiums Borsdorf (FGB). Dass der Markt leer gefegt ist, spürt die Bildungseinrichtung aktuell an der deutlich geringeren Bewerberzahl in den MINT-Fächern. „In Mathematik, Physik und Informatik greifen wir deshalb auch auf Seiteneinsteiger zurück“, so Hakl. Deren Einsatz müsse allerdings von der Bildungsagentur genehmigt werden, was derzeit eher schleppend passiere. Um eine Abwanderung von Kollegen an staatliche Schulen zu vermeiden, habe der Schulträger des FGB außerdem finanziell reagiert.

Von Simone Prenzel

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