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Leichtathletik-Nestor ohne geruhsames Rentnerdasein

Leichtathletik-Nestor ohne geruhsames Rentnerdasein

Das Weiß von Bart und Haupthaar passt zwar zum Alter. Doch sonst sind Bernd Kipping die 70 Jahre nicht anzumerken. Am 30. Dezember feierte er Geburtstag. Der Leichtathletik-Nestor führte auch 2012 Großveranstaltungen in seinem Wohnort Borna und bei seinem Verein SV Regis-Breitingen zu Erfolgen.

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Bernd Kipping (l.) bei der Siegerehrung fürs Kugelstoßen der Mitteldeutschen Meisterschaft im Mai in Borna mit dem Siegerduo Weltmeister David Storl (r.) vor Candy Bauer.

Quelle: Olaf Krenz

Borna. Natürlich hält er sich fit. Nur mit dem Wechsel vom öffentlich-sportlichen Bereich ins Private ist es langsam vorangegangen. Ein geruhsames Rentnerdasein hat er aber auch künftig nicht im Sinn.

Den (Vor-)Ruhestand hatte Bernd Kipping schon 64-jährig angetreten; 2006 war er aus dem Job als Abteilungsleiter beim Landessportbund ausgeschieden. Umso mehr nahm ihn das Ehrenamt als Vizepräsident Leistungssport im Leichtathletik-Verband Sachsen (LVS) in Anspruch. „Von den 14 Präsidiumsmitgliedern waren bis auf mich alle berufstätig. Da hieß es häufig: Kannst Du mal...", erklärt Kipping. „Manchmal war das schon wieder ein Full-Time-Job. Meine Frau sagte, dass ich genauso viel unterwegs bin wie zuvor, jetzt nur ohne Bezahlung."

Kipping konnte bisher nur schwer Nein sagen, wenn Aufgaben im Sport, zumal in der geliebten Leichtathletik, zu erledigen waren. Seit jungen Jahren selbst aktiv, wurde er mit 16 Übungsleiter bei der BSG Aktivist Regis-Breitingen. Nach dem DHfK-Studium zum Sportlehrer Anfang der 60er Jahre arbeitete er im Sportbund des Kreises Borna – und natürlich als Trainer im Verein. An seinem großen Engagement zerbrach die erste Ehe (ein Sohn, eine Tochter). Seit 37 Jahren ist er mit Karin verheiratet (eine Tochter), die in dieser Zeit viele Aktivitäten vor Ort unterstützt hat. Sie begleitete ihn auch bei seinen Stationen als Entwicklungshilfe-Trainer in Mosambik, auf der Insel São Tomé und Principe sowie in Kuwait (1979 bis 1983). Ende der 80er Jahre gehörte Kipping dem Präsidium des Deutschen Verbandes für Leichtathletik der DDR an, ehe er 1990 bei der Zusammenführung mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband mitwirkte. Dort war er vier Jahre bundesweit stellvertretender Jugendwart. Zusätzlich zur Arbeit an der Basis in Borna und Regis-Breitingen.

Vorm 65. Geburtstag versprach Bernd Kipping seiner Frau kürzerzutreten. Was ihm – natürlich – nicht gelang. „Für die Präsidiumswahl 2011 habe ich aber langfristig meinen Rücktritt aus dem Landesverband angekündigt", sagt er. Womöglich hätten ihn andere wieder überreden können. Eine schwere Erkrankung der Gattin machte jedoch das Nein unumstößlich. „Damit war im März des vergangenen Jahres Schluss mit dem ehrenamtlichen Hauptjob." Für seine Verdienste um den LVS, den er 1990 mit aus der Taufe gehoben hatte und dessen Vizepräsident er von Beginn an war, wurde der damals 68-Jährige zum Ehrenpräsidenten ernannt.

 „Das bringt zwar immer noch Verpflichtungen, doch da hat mein Rentnerleben begonnen", schmunzelt Kipping. Wobei er auch seitdem längere Phasen mit achtstündiger Arbeit am Tag für den Sport hatte, als Gesamtleiter von Großveranstaltungen. Wie bei der Mitteldeutschen Meisterschaft im Mai in Borna, wo der Sieg von Kugelstoß-Weltmeister David Storl den Abschied hätte versüßen können, und mit der Sächsischen Meisterschaft Anfang Juli in Regis-Breitingen, auf den Tag genau zum 50-jährigen Bestehen des Stadions. Aber er wird im Kreis weiter gebraucht, sagen die anderen Funktionäre. Und so wird er bei der Mitteldeutschen Meisterschaft der Jugend U 16 im Juli in Borna erneut die Fäden ziehen. „Aber nicht in vorderster Front", schränkt er ein. „Es müssen jetzt Jüngere ran."

Fürs Reisen haben sich Bernd und Karin Kipping Zeit genommen. La Réunion, eine Insel im Indischen Ozean bei Madagaskar, haben sie erwandert, im Auf und Ab der Vulkane. „Einer ist aktiv. Der Lavastrom zum Meer in der Nacht – fantastisch", schwärmt der Jubilar. Wie über Jordanien und den Lykischen Weg in der Türkei. „Kanada mit seinen Nationalparks, Namibia mit einem Abstecher nach São Tomé, wo wir mal gelebt haben, aber auch die Kanarische Insel El Hierro sind künftige Traumziele." Wobei es immer ums Erkunden, Erwandern geht. „Einfach nur am Strand zu liegen, ist mir nichts. Höchstens mal zur Entspannung. Wobei wir beide aber auch gern schnorcheln."

Langweilig, glaubt er, wird ihm künftig nicht, selbst wenn es den Sport-Organisator Kipping nicht mehr gibt. „Ich habe so viele Unterlagen über die Leichtathletik in Regis, die aufgearbeitet werden müssten", sagt der nun 70-Jährige. „Auch meine Lebens- und Familiengeschichte müsste ich mal aufarbeiten. Man hat ja lange wenig an sich gedacht", schiebt er fast entschuldigend nach. Immerhin war er haupt- und ehrenamtlich in zwei Sportsystemen aktiv. „Das will ich mal festhalten, für mich. Ein Buch ist da nicht mein Anspruch."

Freigewordene Zeit will er noch mehr für Musik nutzen. Für handgemachte, an Klavier und Akkordeon, „im Winterhalbjahr zu Hause fast täglich", sowie für Abonnementkonzerte in Borna, Gewandhaus und Oper.

Und selbstverständlich soll die eigene Bewegung, gemeinsam mit der Frau, nicht zu kurz kommen. Laufen, Radfahren, Gymnastik- und Kraftprogramm, auch Skifahren, unter anderem im Winterlager in Geyer mit den Regiser Leichtathleten. „Gerade war ich wieder beim Weihnachtslauf in Kitzscher." Beim Seriencross wollte Kipping bis zum 70. durchhalten. „Nun schauen wir mal von Jahr zu Jahr. So bald ich Letzter des Läuferfeldes bin und die Kampfrichter auf mich warten müssen, höre ich auf."

Olaf Krenz

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