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Region Borna Leipziger Mosaik-Verein hilft Flüchtlingen in Borna
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10:01 06.05.2018
Janko Kunze vom Mosaik-Verein Leipzig. Quelle: Dirk Knofe
Borna

Wer sich bei ihnen meldet, hat schwerwiegende Probleme. Etwa schlimme Erinnerungen an die Flucht aus Syrien übers Mittelmeer oder auch Bilder aus dem Krieg, die sich tief und schmerzhaft eingebrannt haben. Bis zu 40 Prozent aller Asylbewerber leiden unter Traumafolgestörungen und sind psychisch schwer belastet, sagt Janko Kunze vom Leipziger Mosaik-Verein, der seit dem letzten Jahr in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde in der Altstädter Gasse in Borna regelmäßige Beratungen für traumatisierte Flüchtlinge anbietet.

Über 1000 Flüchtlinge nehmen Angebote wahr

Insgesamt 1040 Menschen hat der Verein, der neben einer Migrationsberatung auch ein Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete in Leipzig betreibt, im Jahr 2017 betreut. Etwa 20 davon in Borna, wohin eine Psychologin und ein Sozialarbeiter jeden Dienstag zu Beratungen kommen. Gedacht sind sie für Asylbewerber, die unter persönlicher Verfolgung oder Folter in ihrem Herkunftsland leiden. „Oder sie waren Soldaten“, sagt Kunze, „haben ihre Familie verloren oder sind von ihr getrennt.“ Unter denen, die sich oftmals durch Vermittlung von anderen beim Verein melden, sind Vergewaltigungsopfer ebenso wie Menschen, die unter den oftmals quälend langen Entscheidungsprozessen über ihren Aufenthaltsstatus in Deutschland, aber auch unter den Zuständen in den Gemeinschaftsunterkünften oder der sozialen Isolation leiden.

Kulturelle und sprachliche Barrieren

Allesamt Probleme, bei denen Abhilfe auch deswegen kompliziert ist, weil sprachliche und kulturelle Probleme hinzukommen. Zwar hat der Verein, der neben seiner Außenstelle in Borna eine weitere in Döbeln betreibt, Sprachmittler für Arabisch zur Verfügung, was angesichts der Vielzahl der Herkunftsländer der Asylbewerber keineswegs reicht. Das Gros der Flüchtlinge mit Bedarf an psychosozialer Unterstützung kommt aus Afghanistan, dem Irak und Syrien, weshalb Dolmetscher mit Kenntnissen in Farsi ebenso gebraucht werden wie Leute, die die beiden großen kurdischen Dialekte beherrschen. Kunze macht klar, dass es dabei nicht nur um sprachliche Barrieren geht. Oftmals sind es kulturelle Unterschiede, die aus dem Weg geräumt werden müssen, um die eigentlichen Probleme lösen zu können.

Langwierige Suche nach dem Kern des Problems

So erlebt der in Borna geborene Diplom-Sozialpädagoge, dass es nicht selten dauert, bis die Fachleute des Vereins die eigentlichen Ursachen für die Belastungen der Klienten herausfinden. „Da wird dann vielleicht von Rückenschmerzen berichtet“ – bis sich herausstellt, dass traumatische Erlebnisse etwa bei der Flucht aus dem Kriegsgeschehen in Aleppo den Kern des Problems bilden. Auch in diesem Zusammenhang sind versierte Sprachmittler, die keineswegs immer leicht verfügbar sind, wichtige Brückenbauer zwischen den Kulturen.

Es versteht sich, dass die Dolmetscher ebenso wie die Berater des Vereins der Schweigepflicht unterliegen. Und ebenso klar ist, dass es für die Gespräche Zeit braucht. Zwei Stunden sind die Regel für die Gespräche mit den Asylbewerbern, eben auch schon deshalb, weil alles Wort für Wort übersetzt werden muss.

Berater geben Flüchtlingen Hilfe zur Selbsthilfe

Dabei geht es in den Gesprächen und Beratungen keineswegs nur um traumatische Folgen, wie sie die vielfache Folge von Fluchterlebnissen sind. Janko Kunze verweist auf belastende Probleme im Alltag von Asylbewerbern, etwa Schwierigkeiten in einem Sprachkurs. Letztlich gehe es immer um konkrete Hilfe. Die aber soll nicht darin bestehen, „dass wir den Leuten, die bei uns Rat suchen, alles abnehmen“. Vielmehr sollten sie zu eigenem Handeln befähigt werden.

Kontakt Telefon 0341/92787712 oder psz@mosaik-leipzig.de

Von Nikos Natsidis

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