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Region Borna Leipziger Neuseenland: Gewässer sollen zukünftig Haushalte heizen
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00:36 09.03.2018
Die Wärme für die Heizungen könnte zukünftig aus den Seen des Neuseenlandes kommen. Quelle: Heike Döring
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Borna

Seen hat das Leipziger Neuseenland zuhauf. Und zudem rund 60 Kilometer Flutungsrohre, die an sämtlichen Gewässern anliegen, um aus den einstigen Tagebaulöchern Wasserflächen zu schaffen. Die Leitung könnte zukünftig als Heizungsrohr dienen. Denn da diese in absehbarer Zeit nicht mehr benötigt wird, hat sich das Kommunale Forum Südraum Leipzig bei seiner letzten Sitzung mit der Idee befasst, das Neuseenland als Wärmequelle für die lokale Energiewende zu nutzen – und den Rohren eine neue Funktion zuzuweisen. Die Heizung aus dem See sozusagen.

Rohre sollen Wärme speichern und transportieren

Alexander Redeker vom Büro Tilia, das Partner ist für Städte, Gemeinden, öffentliche und private Versorgungsunternehmen, Industrieunternehmen und Co-Investoren, wenn es um Projektentwicklungen geht, hatte erste Überlegungen dahingehend vorgestellt. „Denn die Infrastruktur ist da, wir sollten sie unbedingt nutzen“, machte er deutlich. Konkret geht es darum, die Flutungsrohre zukünftig als Speicher und Transportmedium zu nutzen. Eine Wärmepumpe entzieht dem Wasser Wärme (etwa ein Grad Celsius) und speist die über die Heizzentrale in das Wärmenetz ein. Im Neuseenland könnten so 783 Gigawattstunden pro Jahr gewonnen werden und damit in etwa die Versorgung einer mittleren Kleinstadt gewährleisten.

Beispiel vom Bühnsee in Baden-Württemberg

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) werde die Leitung, sollte sie nicht mehr gebraucht werden, in den nächsten zwei Jahren aufwendig zurückbauen. „Und wenn wir dann hinterher auf die Idee kommen, die Seen als Wärmequelle zu erschließen, wird es richtig teuer“, verdeutlichte Redeker.

Bernd Felgentreff, der eng mit dem Büro Tilia zusammenarbeitet, hatte während der Sitzung des Kommunalen Forums ein Beispiel aus der Nähe von Karlsruhe vorgestellt. In der Kommune Malsch sei der Bühnsee zur Heizung geworden. Ein kleines Nahwärmenetz versorge unter anderem öffentliche Liegenschaften. Allerdings habe die gesamte Vorbereitung des Projektes mehr als 1,5 Millionen Euro gekostet. „Das Leipziger Neuseenland ist dagegen eine ganz andere Hausnummer“, betonte Felgentreff. Schon die Größe schaffe vollkommen andere Voraussetzungen. Allerdings könnten die Kosten im überschaubaren Rahmen bleiben, wenn denn die Leitung genutzt werde.

Mehrheitliche Zustimmung der Mitgliedskommunen

Zustimmung fand die Überlegung unter anderem bei Zwenkaus Bürgermeister Holger Schulz. Er plädierte dafür, eine Machbarkeitsstudie in Erwägung zu ziehen, „um jetzt die Basis mit der bestehenden Infrastruktur zu legen“. Auch Großpösnas Rathauschefin Gabriela Lantzsch sprach sich dafür aus, das Verfahren als Alternative zur Kohleverstromung zu nutzen. Maik Schramm, Bürgermeister von Kitzscher, stellte seine Position kurz und bündig klar: „Wir nehmen die Leitung dafür.“ Einwände hingegen kamen aus Neukieritzsch. Bürgermeister Thomas Hellriegel lehnte die Idee nicht ab, forderte aber, die LMBV mit ins Boot zu holen. Und Schulz warf Fragen in die Runde, die dringend der Beantwortung bedürfen: wer betreibe die Leitung letztlich und in welchem Zustand seien die Rohre? Viel drängender jedoch sei es seiner Ansicht nach, die Idee einem anderen Gremium vorzustellen: der Metropolregion Mitteldeutschland. Sie vereint sieben Städte, fünf Landkreise sowie Hochschulen, Industrie- und Handelskammern und über 50 strukturbestimmende Unternehmen in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Von Julia Tonne

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