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Borna Leipziger Südraum lockt blauflügelige Ödlandschrecke
Region Borna Leipziger Südraum lockt blauflügelige Ödlandschrecke
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05:02 18.05.2018
Martin Graichen mit dem neuen Tor an der Projektwiese der ökologischen Station Birkenhain. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Sie sind Zeugen eines beeindruckenden Landschaftswandels. Aber nicht nur das. Die Mitarbeiter der Ökologischen Station in Borna-Birkenhain gestalten seit 25 Jahren das sukzessive Ende des Bergbaus im Leipziger Süden mit. In gewisser Weise ein Privileg, wie Martin Graichen, der Geschäftsführer der Station, durchblicken lässt. Vergleichbare Naturräume mit Bergbauvergangenheit gibt es in Deutschland ansonsten nur noch in der Lausitz und im Rheinischen Braunkohlenrevier.

Vereinsmitglieder versorgen verletzte Tiere

Katharina Wollschläger (wissenschaftliche Mitarbeiterin) mit einem Igel vor dem Auswildern. Quelle: Jens Paul Taubert

Zur Gründung der Ökostation, die offiziell als Naturfördergesellschaft und eingetragener Verein firmiert, kam es, nachdem die Einrichtung bis 1993 Aufgaben der Landkreisverwaltung übernommen hatte, die seither beim Umweltamt liegen. Seitdem widmen sich die mittlerweile 17 Mitarbeiter der Umweltbildung ebenso wie der Wildtierpflege, wenn etwa verletzte Tiere von den Fachleuten in Birkenhain behandelt werden. Vor allem aber haben die Mitarbeiter mit der Landschafts- und Biotoppflege die Bergbaufolgelandschaft im Blick, die sich seit den 90er-Jahren erheblich verändert und noch längst nicht so etwas wie eine Art Endstadium erreicht hat.

Das dürften ohnehin weder die Mitarbeiter noch ihre Kindeskinder erleben, wie Geschäftsführer Graichen sagt. „Etwa 150 Jahre“ wird es dauern, bis es zwischen Groitzsch, Borna und Böhlen eine Landschaft zu besichtigen ist, wie vielleicht in Mecklenburg. Also dann, wenn auch der letzte Tagebau längst geschlossen und voller Wasser ist. Gerade aber die spezielle Tagebaufolgelandschaft hat ökologisch durchaus positive Effekte.

17 Vereinsmitglieder hauchen der Ökologischen Station in Borna-Birkenhain Leben ein. Mit verschiedensten Projekten wecken sie bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für verletzbare Lebensräume.

Lebensraum an Bergbauseen

Zum Beispiel in Sachen Artenvielfalt. Zwar haben Eingriffe in die Natur wie etwa Flussbegradigungen aus Gründen des Hochwasserschutzes zur Folge, dass es nicht mehr zur Bildung von Kiesbänken mitten im Fluss kommt. „Dort finden Eisvögel und Uferschwalben ihre Quartiere“, so Graichen. An ehemaligen Tagebaugewässern wie dem Großstolpener See oder auch dem Tagebau Schleenhain finden aber gerade diese Tiere alternative Unterschlupfmöglichkeiten. „Für bestimmte Tierarten ist durchaus gut, dass wir uns in einer ehemaligen Bergbaulandschaft befinden“, macht Geschäftsführer Graichen klar. Ein Umstand, den auch Wissenschaftler der Hochschule Anhalt in Köthen untersuchen.

Im Blick haben die Mitarbeiter der Ökostation zudem, dass die Veränderungen durch den jahrzehntelangen Bergbau die Ansiedlung seltener Tierarten begünstigt. So ist im Südraum zum Beispiel die blauflügelige Ödlandschrecke zu finden. Fachmann Graichen erklärt, warum. Durch den Bergbau sind verstärkt nährstoffarme Substrate an die Erdoberfläche gekommen, „und das brauchen diese Tiere“, die zu den Heuschrecken gehören.

Zukunft gehört der Landschaft 2.0

Graichen sieht aber im 25. Jahr des Bestehens der Ökostation „unsere große Chance in der Renaturierung der Bergbaufolgelandschaft“, also einen Prozess, der auch dazu führt, dass die neuen Bergbauseen zum Quartier von Zugvögeln, Gänsen und Rohrweihern werden. Der Geschäftsführer spricht von der Landschaft 2.0. Zudem greifen die Fachleute aus Birkenhain ganz gezielt aktiv ein, wenn sie etwa in der Landschaft Steine als Haufen abkippen. Sie sind ideale Quartiere für Steinschmätzer – kleine Vögel mit einer Größe von 15 Zentimetern, die kaum etwas mehr als 20 Gramm wiegen.

Von Nikos Natsidis

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