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Borna Letzte Ausstellung in Pegaus Bilderladen
Region Borna Letzte Ausstellung in Pegaus Bilderladen
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00:40 30.04.2018
Bärbel und Rainer Pleß laden zur letzten Vernissage in den kleinen Bilderladen „Das blaue Haus“ nach Pegau ein. Nach 19 Jahren und 103 Ausstellungen ziehen sich die Galeristin und der Maler und Bildhauer ins Privatleben zurück. Quelle: Jens Paul Taubert
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Pegau

Bilder mit Goldstaub, Filtertüten oder Eierschalen, barocke Porträts, wertvolle Ikonen, abstrakte Landschaften und lustige Fotos von Spiegeleiern. In der Pegauer Galerie „Das blaue Haus“ von Bärbel und Rainer Pleß ist die Kunst in jeglicher Form zu Hause. Am Sonnabend, 28. April, öffnen sich die Türen des kleinen Bilderladens zum letzten Mal. Rainer Pleß zeigt unter dem Titel „Bis hierhin! usw.“ Arbeiten auf Papier, die Vernissage beginnt 15.30 Uhr. Mit der LVZ spricht das Paar über Kunst, ihre Wahlheimat Pegau und die Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt.

Der Name Ihrer Ausstellung spricht Bände: „Bis hierhin! usw“. Sie machen einen Scherz, oder?

Rainer Pleß: Kein Scherz, wir ziehen uns weitestgehend ins Privatleben zurück.

103 Ausstellungen in 19 Jahren, das sind ganz unrunde Zahlen. Was halten Sie von dem alten Trude-Herr-Song „Niemals geht man so ganz“?

Bärbel Pleß: Wir sind ja nicht aus der Welt und möchten auch weiterhin das Pleinair im Klostergarten veranstalten. Aber die Zeit war jetzt reif für eine Veränderung. Wir möchten noch so viel von der Welt sehen und erleben, dass wir einfach einen Schlussstrich gezogen haben.

Rainer Pleß: Wenn es sich ergibt und ein Künstler mit dem Wunsch an uns herantritt, werden wir noch die eine oder Ausstellung machen. Das ist nicht ausgeschlossen. Aber es wird keine regelmäßigen Ausstellungen wie bisher mehr geben.

Legen Sie damit auch den Zeichenstift aus der Hand?

Rainer Pleß: Nein, ich male weiter.

Gibt es wieder die historischen Stadtrundgänge unter Ihrer Führung?

Bärbel Pleß: Wir werden die historischen Stadtrundgänge zum Altstadtfest so nicht mehr mit durchführen. Jedes Jahr gab es ein neues Thema, jetzt ist alles gesagt. Bei Interesse können natürlich für angemeldete Gruppen Rundgänge zu bestimmten Themen durchgeführt werden.

Rainer Pleß: Hinter jedem Stadtrundgang stecken drei Monate intensive Vorbereitung. Dafür habe ich Chroniken gewälzt, Geschichtsbücher gelesen und meine Notizen gemacht. Mit diesem Material möchte ich nun den Fortsetzungsband zu „Kleinstadt für Anfänger“ schreiben. Stoff und Themen gibt es genug: die Gründerzeit in Pegau, der 30-jährige Krieg, ein historischer Kneipenrundgang oder die Gerichtsbarkeit.

Sie hatten im Oktober 1999 Ihre Galerie in Markkleeberg eröffnet und sind 2006 nach Pegau gezogen. Wie sind Sie in der Elsterstadt empfangen worden?

Bärbel Pleß: Wir sind sehr herzlich von den Kunstinteressierten aufgenommen worden, auch der damalige Bürgermeister Peter Bringer hat uns herzlich empfangen. Er gab letztlich den Anstoß dafür, im Klostergarten ein Bildhauer-Pleinair zu veranstalten. Die Stadt unterstützt uns dabei bis heute.

Rainer Pleß: Wir haben uns ganz schnell als Pegauer gefühlt.

Wie viele Künstler haben Sie im „Blauen Haus“ schon kommen und gehen sehen?

Bärbel Pleß: In unseren Räumen haben wir insgesamt 102 Ausstellungen organisiert, 56 in Markkleeberg und 46 in Pegau. Manche Künstler waren sogar öfter da und einige Ausstellungen waren Gemeinschaftsschauen mit mehreren Beteiligten. Dazu kamen Ausstellungen an anderen Orten, zu Stadtfesten oder größeren Veranstaltungen mit rund 120 verschiedenen Künstlern.

Was ist Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?

Rainer Pleß: Jede Ausstellung war besonders. Immer gab es für uns einen Favoriten und jedes Mal war die laufende Ausstellung die Bedeutendste. Wir könnten Tausende Episoden erzählen, was wir alles erlebt und gesehen haben.

Ich höre...

Rainer Pleß: In Markkleeberg war mal ein kleiner Junge mit seinen Eltern zu Besuch und wollte unbedingt ein Bild von der Lutherkirche Markkleeberg haben. Ein sehr expressives, farbiges Bild, daran kann ich mich noch erinnern. Er hat sein Taschengeld darauf gespart und es dann tatsächlich gekauft. Ein paar Jahre später traf ich seine Mutti wieder und sie erzählte mir, dass ihr Sohn mittlerweile studiert und er dieses Bild in die Studentenwohnung mitgenommen hat. Es hatte all die Jahre zu Hause in seinem Zimmer gehangen. Das sind schöne Geschichten. Oder wenn ich an die lustigen Spiegelei-Fotos von Johanna Renate Wöhlke denke – das war eine der skurrilsten Ausstellungen in Pegau.

Was werden Sie künftig mit Ihrer freien Zeit anstellen?

Rainer Pleß: Im Haus gibt es einiges zu tun. Ich möchte als erstes den Hausdurchgang fliesen, da ist in den vergangenen Jahren vieles liegen geblieben.

Bärbel Pleß: Wir möchten viel reisen, vor allem Italien und Frankreich haben es uns angetan – schon allein wegen der Geschichte und weil die Menschen dort so freundlich sind. Wir lesen beide auch sehr gerne und möchten mehr Zeit für die Enkel haben.

Was hat es überhaupt mit dem „Blauen Haus“ auf sich? Warum ist es nicht rot oder grün?

Rainer Pleß: Das kann ich erklären: Wir haben früher in Leipzig-Gohlis gewohnt und nach der Wende wurden alle Häuser dort gelb oder weiß gestrichen. Nur ein Haus war blau angemalt. Das stach so angenehm raus, dass wir es in Markkleeberg und in Pegau genauso gemacht haben.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie morgen in die letzte Ausstellung?

Bärbel Pleß: Unsere Mission ist erfüllt. Wenn wir sehen, wie Menschen ihre alten Poster von den Wänden nehmen und sich lieber Originale ins Zimmer hängen statt Papierbilder, dann freut es uns. Es war eine schöne Zeit, wir haben viele interessante Menschen kennengelernt und Geschichten erlebt. Und wir sind dankbar für jede Unterstützung, die uns in den 19 Jahren zuteil wurde, auch durch die LVZ, die unsere Ausstellungen immer begleitet hat.

Von Kathrin Haase

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