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Liebling, die haben Leipzigs Umland geschrumpft

Tiltshift-Fotografie Liebling, die haben Leipzigs Umland geschrumpft

So klein waren Borna, Wurzen und Co. noch nie: Mit der sogenannten Tiltshift-Fotografie verwandelt sich die Welt in eine Modelleisenbahn-Landschaft. Die LVZ hat der Region rund um Leipzig jetzt einen neuen Look verpasst. Mit ein paar Kniffen kann jeder aus Motiven, die aus der Vogelperspektive aufgenommen sind, eine Miniaturwelt schaffen.

Miniaturwunderland Borna: Durch eine ungleiche Schärfeverteilung entsteht der Eindruck einer Modell-Kulisse.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Region Leipzig. Leipzig boomt und auch im Umland sind etliche Kommunen auf Wachstumskurs. Bis jetzt. Denn nun lassen wir die Region wieder schrumpfen. Achtung, bitte nicht drauftreten! Tiltshift nennt sich ein originärer Fotoeffekt, der hügelige Landschaften, tiefe Flusstäler und alles Menschliche auf Zwergengröße dahinschmelzen lässt.

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Große Welt ganz klein: Durch den Tiltshift-Effekt werden Städte, Menschen und Landschaften auf Fotos scheinbar auf Modellgröße geschrumpft. Wir haben einige Luftaufnahmen aus der Region rund um Leipzig mit dem Computer nachbearbeitet. (LVZ-Archivbilder)

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Unsere Fotografen lichten tagtäglich tolle Motive von Land und Leuten ab – und manchmal schauen sie der Region sogar aufs Dach. Einige sensationelle ältere und neuere Luftaufnahmen unserer Bildreporter haben wir nun aufgepeppt und mittels eines Computerprogramms in eine wunderliche Miniaturwelt verwandelt.

Die so entstandene Szenerie wirkt winzig: Im XXS-Format findet der Freizeitpark Belantis bei Zwenkau zwischen zwei Fingerspitzen Platz. Der Schkeuditzer Airport wird zum putzigen Kleinod, auf dem Flughafen-Besucher wie Winzlinge wirken. Braunkohle-Giganten ähneln niedlichen Spielzeug-Baggern, die durch den Tagebau nahe Espenhain rumpeln. Und in Schmannewitz bei Oschatz reihen sich zu einer Oldtimer-Schau antiquarische Mini-Autos dicht an dicht. Die Tiltshift-Optik macht’s möglich.

Scharf versus unscharf – trickreiche Fotokunst

Tiltshift steht für kippen-wenden, ein englischer Fachbegriff aus der Großformatfotografie. Bei Schrägaufnahmen würden stürzende Linien entzerrt, sprich begradigt, erklärt Fotografiker Gerhard Weber aus Grimma. Netter Nebeneffekt: Ein kleiner Bildausschnitt mit dem Hauptmotiv wird scharf dargestellt, der Hintergrund verschwimmt – ähnlich wie bei einer Makroaufnahme. Eine trickreiche optische Täuschung, die wunderliche Pseudo-Miniaturwelten entstehen lässt. Je detailreicher das Motiv, umso intensiver der Effekt.

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Große Welt ganz klein: Durch den Tiltshift-Effekt werden Städte, Menschen und Landschaften auf Fotos scheinbar auf Modellgröße geschrumpft. Wir haben einige Luftaufnahmen aus der Region rund um Leipzig mit dem Computer nachbearbeitet. (LVZ-Archivbilder)

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Profis aus der Werbebranche und Architekturfotografen nutzen für diese Aufnahmen spezielle Kamera-Objektive, oft teure Modelle ab 600 Euro aufwärts. Preisgünstiger geht es über eine Bildbearbeitungs-Software, so Weber, oder mit verschiedenen Apps, die den Effekt imitieren. Und übers Internet: Auf www.tiltshiftmaker.com kann jeder aus drögen Fotos spannende Millimeter-Kunst zaubern.

Auf Online-Portalen wie Flickr, Instagram, Picasa und Co. sind die Miniaturen-Bilder längst Trend. Der Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf gab dem Phänomen noch Extra-Auftrieb. In märchenhaften Einspielfilmchen wurde jedes Grand-Prix-Land mit einem Video im Modelleisenbahn-Look vorgestellt. Millionen Zuschauer begeisterten die filigranen Meisterwerke.

Leipzig im Lego-Look – Stadtporträt mal anders

Auch Petar Manov, ein kreativer Filmemacher aus Leipzig, hat die Verkleinerungstechnik für sich entdeckt. Und Action! Im Jahr 2011 tauchte mit einem gut gemachten Video die Pleißestadt in eine edle Perspektive. Im Film ist zu sehen, wie im slapstickhaften Zeitraffer Menschen wie kleine Ameisen durch verschiedene Orte der Messemetropole wuseln – passend zu einer schnelllebigen Großstadt. Nach fünf Jahren zählt der zweiminütige Youtube-Clip „The Streets of Leipzig“ über 37 000 Klicks.

Seine Intention? „Ich wollte etwas neues ausprobieren, habe kurz recherchiert, mir paar Youtube-Tutorials angesehen“, erzählt er – und an einem sonnigen Nachmittag sich seine Fotokamera geschnappt. Vom Wintergartenhochhaus, der Straße des 18. Oktober und dem Wilhelm-Leuschner-Platz knipste er mit seiner Canon aus der Vogelperspektive aller zwei Sekunden ein Bild. Die einzelnen Aufnahmen fügte er dann zu einem Kurzfilm zusammen, vergleichbar mit einem Daumenkino.

Statt ein teures Kamera-Objektiv zu verwenden, ergänzte er die Tiltshift-Optik per Computer nachträglich. „Es ist ein sehr mechanischer Effekt, der die Routine des Alltages auf eine eigene eindrucksvolle Weise einfangen kann“, sagt Manov – Autodidakt, Quereinsteiger und mit seiner eigenen Produktionsfirma „dv4pictures“ in der Windmühlenstraße ein vielbeschäftigter Mann. Im vorigen Sommer drehte er eine Porträtfilm-Serie über Leipziger Künstler, dieses Jahr wirkte er an zwei deutschen Spielfilmen mit. Statt Klein-Klein, mag er es beruflich also inzwischen eine Nummer größer.

Virtuelle Reise durchs Miniaturwunderland

Über 20 deutsche Städte – darunter auch Leipzig – lassen sich mit Google-Street-View bereits virtuell erkunden. Nun hat der Straßenbilderdienst auch die weltweit größte Modellbahnanlage, das Miniatur Wunderland Hamburg, digital kartiert und die 360-Grad-Ansichten dieses Jahr kostenlos ins Internet gestellt. Monatelang schickte der Suchmaschinen-Gigant dafür Mini-Kameras, die auf einem Modell-Bus und -Zug befestigt wurden, auf die Reise durch die detailreiche Spielzeugwelt und filmte die 1300 Quadratmeter große Modellfläche aus einer ganz neuen Perspektive.

Die Hamburger Touristenattraktion ist in acht Themenwelten (unter anderem Mitteldeutschland, Schweiz und Amerika) gegliedert. 20 Kilometer Schienen, 6000 Häuser und Brücken, 400.000 Figuren, 1300 Züge, 10.000 Autos und 330.000 Bäume im Maßstab 1:87 zieren die Modell-Welt.

Die seltenen Einblicke in das Miniaturwunderland gibt es hier: g.co/miniaturwunderland

Von Benjamin Winkler

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