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Lippendorf unter Dampf: Kraftwerk verstromt mehr Kohle als Jahr zuvor

Energie Lippendorf unter Dampf: Kraftwerk verstromt mehr Kohle als Jahr zuvor

Trotz Zuwachs bei alternativen Energien und Ausstiegsdebatten: Das Braunkohlekraftwerk Lippendorf muss in diesem Jahr deutlich mehr Strom liefern, als geplant. Die Prognose geht davon aus, dass der Trend anhält.

Volldampf in Lippendorf. Das Braunkohlekraftwerk liefert in diesem Jahr mehr Strom als geplant.

Quelle: Jens Paul Taubert

Neukieritzsch/Lippendorf. Das Braunkohlekraftwerk Lippendorf produziert in diesem Jahr deutlich mehr Strom als geplant. Für Werksleiter Christian Rosin ist das ein klares Zeichen dafür, dass Ausstiegsdebatten, wie sie im Zuge der Sondierungsgespräche für eine Regierungsbildung geführt werden, verfrüht sind. „An den physikalischen Realitäten kommt man nicht vorbei“, sagt Rosin.

Und die sehen offenbar so aus, dass Strom aus Wind und Sonne in diesem Jahr nicht im erwarteten Umfang zur Verfügung stand und an der Stromhandelsplattform EEX häufiger und mehr Strom aus fossilen Brennstoffen und damit eben auch aus Lippendorf nachgefragt und angefordert wurde, wie Rosin erklärt.

In Zahlen sieht die Bilanz so aus: Geht die Entwicklung wie in den letzten Monaten weiter, dann wird das Leag-Kraftwerk zum Jahresende voraussichtlich 1,5 Terawattstunden Elektroenergie mehr produzieren. Das sind reichlich zehn Prozent oder rund 40 Tagesproduktionen mehr, als die Jahresplanung für 2017 vorsah. Dafür werden statt der üblichen zehn Millionen Tonnen Braunkohle etwas mehr als elf Millionen Tonnen in den beiden Kesseln verbrannt.

Etwa die Hälfte der zusätzlichen Strommenge sei benötigt worden, „weil im Frühjahr und im Herbst tagelang zu wenig Energie aus Sonne und Wind im Netz war“, sagt der Kraftwerksleiter. Die andere Hälfte kommt durch kurzfristige Abrufe zustande. In dieser Zeit muss das Kraftwerk eine bestimmte Leistung ständig vorhalten und kurzfristig zulegen oder auch drosseln können, je nachdem wie stark regenerative Energien den Bedarf gerade decken könne, denn die haben an der Strombörse Vorrang.

Lutz Dornberg, der Leiter des nach wie vor stark gefragten Besucherzentrums des Kraftwerkes, sagt an dieser Stelle gern einen Satz, mit dem er auch den Gästen des Werkes die Situation erklärt: „Solange alternative Energien nicht grundlastfähig sind, solange müssen wir das Kraftwerk betreiben und solange muss über den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung nicht nachgedacht werden.“ Der generellen Entwicklung weg von fossilen Energieträgern hin zu alternativen verschließe sich die Leag dennoch nicht, wie Rosin betont: „Wir schauen auch in die Zukunft, indem wir an der Entwicklung von Speichermöglichkeiten mitarbeiten und an anderen technischen Lösungsmöglichkeiten.“

Zwar hat in Deutschland auch die produzierte Menge an Wind- und Sonnenstrom laut einer Anlalyse des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme (ISE) im ersten Halbjahr zugenommen, doch steht die wetterabhängige Energie eben nach wie vor nicht gleichmäßig in ausreichendem Umfang zur Verfügung. Hinzu kommt auch, dass der Anteil des Stroms aus Kernkraftwerken zurückgegangen ist.

Im Moment geht man in Lippendorf nicht davon aus, dass dieses Jahr ein Ausrutscher nach oben war. Für das nächste Jahr werde mit den diesjährigen Zahlen geplant, sagt Rosin. Und auch auf lange Sicht vermutet der Kraftwerksleiter, dass sich hinter Prognosen für weiter steigende Strompreise die „Erwartung einer Verknappung“ verbergen könnte.

Angesichts solcher Aussichten könnten sich die Kraftwerker in Sicherheit wiegen. Dennoch, bestätigt Lutz Dornberg, „machen sich die Kollegen Sorgen“, wenn Politiker in Berlin über die Zukunft der Braunkohleverstromung debattieren. Und auch der Werksleiter hat, wie er sagt, „mit Verwunderung“ zur Kenntnis genommen, das unter jenen deutschen Firmen, die vor gut zwei Wochen per Erklärung den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung forderten, auch der Energiekonzert EnBw war. Schließlich gehört dem einer der beiden Kraftwerksblöcke in Lippendorf.

Andererseits sieht Rosin die Gespräche in Berlin noch relativ entspannt, zumal den bisherigen Äußerungen der Beteiligten nichts Konkretes zu entnehmen war. Und weil aus Sicht des Kohlestromproduzenten „erst einmal die anderen liefern müssen“, womit die Erzeuger regenerativer Energien gemeint sind.

Von André Neumann

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