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Borna Lkw rollen mit Erdmasse durch Rötha: Anwohner genervt
Region Borna Lkw rollen mit Erdmasse durch Rötha: Anwohner genervt
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08:55 16.03.2018
Viele Lkw mit Erdmassen für den Autobahnbau rollen durch die Lessingstraße. Horst Zacharias führt hier manchmal eine Strichliste. Quelle: André Neumann
Rötha

Wenn es um Luftverschmutzung durch Dieselabgase geht, denkt Horst Zacharias aus Rötha nicht zuerst an Pkw. Bei ihm sorgen seit geraumer Zeit schwere Brummer, vollgeladen mit Erdmassen für den Bau der Autobahn 72, für dicke Luft.

Anwohner führt Strichliste

„Heute Morgen habe ich in einer knappen Stunde Elf Laster gezählt“, sagt der 75 Jahre alte Mann, der in der Lessingstraße wohnt. Die leicht ansteigende Straße ist seit Wochen Teil einer Transportroute für den Autobahnbau. Die Laster werden am Holzplatz, wo sich gerade ein großer Berg türmt, mit Erdmassen beladen, die zu den Baustellen bei Borna gebracht werden. Dazu fahren die Brummis an der Anschlussstelle Rötha unter der B95 hindurch, fahren die leicht ansteigende Lessingstraße hinauf, biegen links ab und fahren auf der August-Bebel-Straße zur B95 in Richtung Kreisstadt.

„Meist kommen sie einzeln, manchmal auch gleich mehrere auf einmal“, sagt Zacharias, der in seinem Kalenderbuch, in das er täglich das Wetter einträgt, auch schon mal eine Strichliste führt.

Abgase beeinträchtigen Wohnqualität

Die hier vorbeifahren, sagt er, seien ja nicht die neuesten Lkw-Modelle mit den modernsten Motoren. „Da haben wir Glück, dass es jetzt kalt war“, sagt er und erzählt, dass man es im Herbst an wärmeren Tagen „vor Dieselgestank manchmal nicht ausgehalten“ habe. Dabei sitze er gern auf der Bank vor der Haustür des Mehrfamilienhauses. „Das kann man vergessen, wenn es so weitergeht“, schimpft der Mann.

Zum Abgasproblem komme hinzu, dass die Fahrweise gelegentlich etwas forsch sei. Horst Zacharias meint sogar zu merken, dass die Fahrer verschiedener Firmen unterschiedlich schnell unterwegs sind. Manchmal gebe es gefährliche Situationen. Deswegen wünscht er sich nicht nur, dass die Fahrzeuge regelmäßig kontrolliert werden, sondern auch, dass die Geschwindigkeit in der Lessingstraße wenigstens für Lkw auf 30 Kilometer je Stunde beschränkt wird.

Laster hinterlassen Dreck

Die Bewohner der Lessingstraße sind nicht die einzigen, die vermehrten Lastwagenverkehr aushalten müssen, der vom Autobahnbau herrührt. Auch die Straße des Aufbaus gehört nicht zum ersten Mal zu den Transportstrecken. Seit im Bereich der Gösel und der dortigen Überflutungsflächen gearbeitet wird, befahren regelmäßig Lastwagen die Straße, die Erdmassen von dort zum Holzplatz bringen. Verstärkt war das im vergangenen Herbst der Fall, erinnert sich Anwohner Uwe Wellmann. Und auch jetzt seien die Brummis wieder laufend unterwegs, nicht selten schneller als erlaubt. Wobei für die Bewohner der Straße des Aufbaus vor allem der Dreck, den die Laster hinterlassen, das Problem sei, sagt Wellmann.

Erdmassen für Lärmschutzanlage nötig

Ein Entlastung für die Anwohner ist kurzfristig nicht in Sicht. „Die Transporte werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, teilte Nicole Wernicke vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr am Montag mit. Die Erdmassen müssten im Zuge des Autobahnbaus im Abschnitt 5.1 bewegt werden. „Die Massen sind beim Aushub eines Regenrückhaltebeckens angefallen und werden jetzt zur Profilierung des Erdkörpers der Autobahnlärmschutzanlage verwendet“, so Wernicke weiter.

Welchen Weg die Laster nehmen, sei nicht vorgegeben. Die Firma nutze offensichtlich den kürzesten Weg vom Erdstofflager zum Einbauort, der durch die Ortslage auf die B 95 führt. „Da es sich hier um klassifizierte Straßen handelt, zu deren Benutzung keine besonderen Erlaubnisse erforderlich sind, haben wir keinen Handlungsspielraum zum Transportweg“, so die Fachfrau. Wernicke machte jedoch darauf aufmerksam, dass es „Aufgabe der örtlichen Verkehrsbehörde“ sei, Gegenmaßnahmen anzuordnen, wenn die Belastung durch den Verkehr über das übliche Maß hinaus geht.

Von André Neumann

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