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Borna Lotsen für Geflüchtete: Neues Bündnis in Regie der Stadt Borna geplant
Region Borna Lotsen für Geflüchtete: Neues Bündnis in Regie der Stadt Borna geplant
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07:00 21.09.2016
Flüchtlingen Hilfestellung geben – Karin Heimann (rechts) findet über diverse Verlage immer wieder Arbeitsblätter, mit denen sie Yusra und Shehab Deutsch beibringen kann. Quelle: Julia Tonne
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Borna

Hilfe bei Orientierungslosigkeit in der Fremde. Geflüchteten griffen bislang ehrenamtliche Lotsen des Bornaer Vereins Bon Courage unter die Arme, der Flüchtlingen bei Fragen zum Asylverfahren und des alltäglichen Lebens in Deutschland unterstützt und berät. Lotsen bieten den Asylbewerbern Stadtführungen an, machen Hausaufgaben mit den Flüchtlingskindern oder sind bei Ämtergängen mit dabei, um Sprachbarrieren zu überwinden und Beamtenbürokratie verständlich zu machen. Mit dem Auslaufen der Fördermittel soll nun die Lotsen-Gruppe des Vereins bis zum Jahresende aufgelöst werden.

Auch die Gastfreunde Borna, die sich als Lotsen engagieren, soll es bald unter diesem Namen nicht mehr geben. Künftig übernimmt die Stadt die Führungsrolle und ist zentrale Anlaufstelle in allen Flüchtlingsangelegenheiten – die beiden Lotsen-Gruppen, insgesamt rund 40 Mann, sollen dafür zusammengeführt werden.

„Da die Fördermittel bei Bon Courage auslaufen und meine Stelle geschaffen wurde, braucht es keine Lotsengruppe mehr unter der Führung des Vereins“, sagte Stephan Hendriock, seit Mai Asylkoordinator in Borna. Ziel sei es, beide Gruppen zusammenzulegen und die Arbeit abzustimmen. Ein erstes Sondierungstreffen mit den Lotsen beider Gruppen hätte es vor Kurzem bereits gegeben. Ein weiteres Treffen werde Ende September stattfinden. „Die Ziele bleiben auch mit mir als Asylkoordinator die selben. Welche neuen Aufgaben hinzukommen, müssen wir dann sehen“, sagte Hendriock.

„Als wir das Projekt vor einem Jahr beantragt haben, war die Situation noch ganz anders und nicht abzusehen, dass beim Landratsamt zwei Stellen geschaffen und es bei der Stadt Borna einen Asylkoordinator für Flüchtlingsangelegenheiten geben wird“, sagte Sandra Münch, Projektkoordinatorin bei Bon Courage. Nun laufe das Projekt aus und könne die Betreuung der Lotsen in die Hände der Hauptamtlichen bei der Stadt gegeben werden. „Unsere Gruppe und die der Gastfreunde Borna werden sich auflösen, beide unter neuem Namen, einer neuen Führung in einer neuen Gruppe wieder aufgehen“, so Münch. Dennoch will Bon Courage auch weiter Präsenz zeigen und auch außer der Reihe weiter Ansprechpartner sein und Hilfestellung in deutlich kleinerem Rahmen geben. Zudem sucht der Verein weiter nach neuen Lotsen, um das Projekt bis zum Jahresende fortführen zu können. Denn: „Da immer weniger Flüchtlinge nach Borna kommen, hat die anfangs starke Nachfrage nach ehrenamtlichen Jobs abgenommen und sinken die Neuanmeldungen für Lotsen beim Verein“, sagte sie. Trotz sinkender Zahl der Ankommenden gebe es auch weiter Bedarf an einer entsprechenden Begleitung.

Derzeit kümmern sich rund zehn aktive Lotsen – überwiegend Berufstätige, zudem ein Student und eine Rentnerin – um die Belange der Flüchtlinge in der Zwiebelstadt, weitere zehn Mitglieder seien Teil der Gruppe. Die Lotsen sind erste Ansprechpartner für die Geflüchteten – beide Seiten verständigen sich in englisch oder mit Händen und Füßen. Bon Courage schult die Lotsen zu Fragen des allgemeinen Asylverfahrens, informiert über Rechte und Pflichten von Asylsuchenden sowie über andere Projekte. Schließlich bestimmen die Lotsen selbst über die Art und den Umfang ihres Einsatzes. Der Verein übernimmt hierbei die Funktion des ständigen Ansprechpartners, der bei Unsicherheiten, Problemen und Fragen konsultiert werden kann und beratend zur Seite steht. Darüber hinaus sei Bon Courage direkter Ansprechpartner für die Geflüchteten selbst, wenn es darum gehe in Einzelfallgesprächen zu klären, wie Anträge beim Jobcenter zu stellen oder die Familie nachgeholt werden könne. Bei diesen fallspezifischen Fragen stünden den Beratern ehrenamtliche Sprachmittler zur Verfügung.

Die laut Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) Anfang nächstes Jahr von der Stadt geplante erste Asylbewerberkonferenz begrüßte Münch. Sie habe den Vorteil, dass viele Flüchtlinge an einem Tag auf einmal erreicht würden. „Auch wir fahren wiederholt in verschiedene Heime und informieren zum Thema Asyl und Alltagsanliegen. Die Konferenz entlastet unsere Arbeit, denn eine Beratungsstelle kann den Bedarf in der Größenordnung nicht alleine bedienen“, sagte die Koordinatorin. Künftig gehe es verstärkt darum, den langen Integrationsprozess zu begleiten. Dabei hofft Münch, dass Asylsuchende über Kindergarten und Schule neue zufällige Bekanntschaften unter den Bornaern machen, die sie dann ebenfalls unterstützen.

Von Oliver Tim Becker

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