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Borna Luftballons für Frauen, die Gewalt nicht mehr schweigend ertragen wollen
Region Borna Luftballons für Frauen, die Gewalt nicht mehr schweigend ertragen wollen
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16:53 25.11.2016
Frei leben ohne Gewalt – darum ging es gestern beim Aktionstag vorm Bornaer Landratsamt. Die Luftballons stehen für Frauen, die sich trauten, über ihre schwierige Lebenssituation zu reden und sich Hilfe zu holen. Quelle: Andreas Döring
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Borna

In den Himmel stiegen 150 grüne, weiße, blaue und orangefarbene Luftballons. Jeder für eine Frau im Landkreis Leipzig, die in diesem Jahr ein Opfer häuslicher Gewalt wurde und dies nicht mehr schweigend ertragen wollte, sondern etwas unternommen hat. Mehr als hundert Frauen betraten die Beratungsstelle in Grimma, um Hilfe zu suchen. 44 Betroffene, die meisten mit Kindern, fanden Schutz im Frauenhaus. Am Freitag war der „Internationale Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“. Landratsamt und die beiden Vereine Bon Courage und Wegweiser starteten am Vormittag in Borna dazu diese Luftballon-Aktion.

An jedem Ballon war eine Karte befestigt. „Hier bekommst du Hilfe bei häuslicher Gewalt im Landkreis Leipzig“ steht darauf – in Deutsch, Englisch, Russisch, Persisch, Arabisch und Urdu. Dazu eine Notruf-Nummer. „Die Luftballons fliegen irgendwohin und bleiben hoffentlich hängen“, sagte Kerstin Kupfer vom Wegweiser-Verein. Die Sozialpädagogin engagiert sich seit Jahrzehnten gegen häusliche Gewalt in der Region.

Ihrer Meinung nach sollte man aktuelle Statistiken, die steigende Zahlen bei diesem Thema vermelden, relativieren. Grund: Seit 2002 gilt es als Straftat, wenn ein Mann seine Ehefrau schlägt – es gibt auch Fälle von gewalttätigen Frauen, dies ist jedoch eher die Ausnahme. Seit 14 Jahren also erfasst die Polizei dies und gibt, wenn die Betroffenen einverstanden sind, die Kontaktdaten an Hilfsangebote weiter. „Damit wird das Problem sichtbarer“, so Kupfer. Dies würden auch die Statistiken widerspiegeln. Mehr Frauen trauen sich, von ihrer schwierigen Lebenssituation zu sprechen, erstatten Anzeige, lassen sich helfen. Die bunten Luftballons würden zudem die Vielfalt der Schwierigkeiten symbolisieren. Durch den Verein Bon Courage könne das Thema auch Migrantinnen vermittelt werden, daher die Übersetzungen auf der Aktionskarte.

Mit Statistiken zur häuslichen Gewalt ist es generell schwierig, die Dunkelziffer wird hier hoch eingeschätzt. Manche Studien gehen davon aus, dass bis zu einem Drittel der Frauen in Deutschland dies schon mindestens einmal erlebt haben. Landrat Henry Graichen (CDU) war mit dem Thema erst am Tag zuvor auf einer Konferenz zum Kinderschutz in Berührung gekommen. Dort beeindruckte ihn ein Film über einen sechsjährigen Jungen, der in einer gewalttätigen Familie aufwachsen muss. „Der Junge sagte, als er vor seinem Wohnhaus stand, den für mich entscheidenden Satz: ’Von außen sieht das Haus ja ganz normal aus’“, so Graichen. Das sei eben das Problem, „nur wenn man reinschaut, ist nichts mehr normal“. Im vergangenen Jahr seien im Landkreis Leipzig, wo rund 130 000 Frauen leben, 512 Fälle von häuslicher Gewalt polizeilich registriert worden.

Neu ist jetzt, dass auch Hilfe für Kinder und Jugendliche angeboten werden kann. „Wenn wir die Mitteilung von der Polizei bekommen und sehen, dass Kinder betroffen sind, können wir sie jetzt beraten, wenn ihre Eltern damit einverstanden sind“, sagte Kerstin Kupfer.

Beim gestrigen Aktionstag startete am späten Nachmittag im Grimmaer Kino eine große Versteigerung von Tonbechern, die geflüchtete Frauen gemeinsam mit Bewohnerinnen des Frauenhauses getöpfert hatten. Die Einnahmen sollen gewaltbetroffenen Frauen und deren Kindern zugute kommen.

Wegweiser-Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking in Grimma, Tel. 03437/70 84 78 oder 0162/80 40 130, Email: gewaltschutz@wegweiser-boehlen.de; Jugendamt Landkreis Leipzig in Borna, Tel. 03433/241 23 10

Von Claudia Carell

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