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Märtetopf ergänzt Sammlung des Volkskundemuseums in Wyhra

Spende Märtetopf ergänzt Sammlung des Volkskundemuseums in Wyhra

Der kupfernde Kessel mit dem Henkel macht einen eher unspektakulären Eindruck. Für das Volkskundemuseum in Wyhra ist der sogenannte Märtetopf jedoch eine wertvolle Ergänzung der Sammlung. Wie Hans-Jürgen Ketzer, Chef der Einrichtung, erklärte, diente er den Bauern Anfang des 19. Jahrhunderts als Brotbüchse während der Feldarbeit.

Zinnfiguren sind derzeit in einer Sonderausstellung im Volkskundemuseum Wyhra zu sehen.

Quelle: Andreas Döring

Borna/Wyhra. Ein kupferner Kessel mit Henkel und Deckel ist die neueste Errungenschaft des Volkskundemuseums in Wyhra. Die Spende der früheren Museumsleiterin auf Burg Gnandstein, Isolde Kittel, ist eine wertvolle Ergänzung der Sammlung in dem originalgetreu eingerichteten Bauernhof. „Das ist ein sogenannter Märtetopf“, erklärt Hans-Jürgen-Ketzer, promovierter Kulturwissenschaftler und Chef der Einrichtung, und buchstabiert die sächsische Schreibweise, die er in einschlägigen Wörterbüchern nachgeschlagen hat. Das Gefäß sei mit Dünnbier befüllt worden. In die Flüssigkeit hätten die Bauern Brot gebrockt und untergemärt. Das kohlenhydratreiche Gemisch hätte ihnen während der schweren Feldarbeit Kraft und Ausdauer gegeben.

Der Märtetopf ist einer von zahlreichen Gegenständen, die vorzugsweise Anfang des Jahres im Museum abgegeben werden. „Dann werden Böden und Keller beräumt“, stellt Ketzer fest. Dinge von historischem Wert, wie beispielsweise ein Badezuber aus Holz, würden dem Museum für die Dauerausstellung überlassen. So gelingt es, das Bild im Wohnhaus, in den Ställen, der Werkstatt und dem Vorratskeller zu vervollständigen und einen authentischen Einblick ins bäuerliche Leben um 1900 zu geben. Aber die Sammlerstücke werden laut Ketzer nicht nur zur Schau gestellt. Mit der Erforschung einzelner Objekte werde derzeit die Vorarbeit für die Neugestaltung der Dauerausstellung geleistet. Der 60-Jährige nennt ein Beispiel: So hätte eine Rechnung Hinweise auf das Baujahr der Küchenmaschine im Wohnhaus gegeben. Ohne Datum ausgeschrieben sei sie an Oskar Flämming adressiert gewesen. Da jener Flämming 1878 verstorben sei, müsse das Baujahr davor liegen. Auch über die stationäre Dreschmaschine, die seit Umsetzen der Scheune 1885 existiere, würden neue Erkenntnisse vorliegen. „Sie ist vor der Elektrifizierung durch einen Pferdegöpel angetrieben worden“, so Ketzer. Mit Hilfe der neuen Museums-IT sollen diese Erkenntnisse in die Inventarisierung einfließen.

Nicht nur die Forschungen, sondern auch zahlreiche Veranstaltungen haben Ketzer zufolge dazu beigetragen, dass 2015 ein Jahr der Konsolidierung für das Museum wurde. Der Besucherrückgang der in den Jahren 2012 bis 2014 zu verzeichnen war, konnte gestoppt werden. „Das Museum hatte wieder so viele bezahlende Besucher wie vor fünf Jahren“, sagt Ketzer.

Vor allem die museumspädagogischen Angeboten seien wieder stärker nachgefragt worden. „Auf diesem Gebiet sind wir breit aufgestellt“, sagt der in Lobstädt lebende Historiker. Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter könnten beispielsweise den Weg vom Korn zum Brot und von der Saat- zur Pellkartoffel nachvollziehen. Auch die Große Wäsche, wie sie vor über Hundert Jahren geseift, gespült, getrocknet und gemangelt worden ist, findet regelmäßig auf dem Hof statt. Für Lexi-TV haben Fernsehmacher dieses Spektakel in beweglichen Bildern eingefangen. Als Experte auf den Gebieten der Sagen und des Aberglaubens konnte sich das Museumsteam erneut einen Namen machen. So wurde es als Berater für einen Fernsehbeitrag zum Liebeszauber herangezogen.

Aber der Blick des in Wyhra agierenden Museologen ist nicht nur in die Geschichte des bäuerlichen Lebens auf dem Land gerichtet. Aktuelle gesellschaftliche Prozesse wie die Ankunft zahlreicher Flüchtlinge in der Region prägen den Museumsalltag. „Wir haben erstmals Führungen in englischer Sprache durchgeführt“, informiert Ketzer. Als die Bläser des Musikvereins Neukieritzsch-Regis mit ihrem Partnerorchester aus Südfrankreich in Wyhra musizierten, legte das Museum einen Flyer in französischer Sprache auf. „Wir haben unsere Arbeit ein bisschen internationaler ausgerichtet“, konstatiert Ketzer.

Von Birgit Schöppenthau

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