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Mangel und Überangebot bei Krippenplätzen im Landkreis

Mangel und Überangebot bei Krippenplätzen im Landkreis

Fehlende Krippenplätze in drei Städten, bald drohende Überkapazitäten in manch ländlicher Region: Mit der Bedarfsplanung für die Kindertagesstätten bis 2017 befasste sich jetzt der Jugendhilfeausschuss des Landkreises.

Borna. Dem Plan liegt eine seit Jahren schon leicht sinkende Zahl an Geburten zugrunde.

Auf einen Krippenplatz haben Eltern seit dem Sommer vergangenen Jahres einen Rechtsanspruch. Der wird "im Landkreis Leipzig zu 103 Prozent realisiert", heißt es im aktuellen Bedarfsplan. Wer einen Kindergartenplatz für seine Sprösslinge benötigt, sollte ebenso fündig werden bei einer Bedarfsdeckung von 100 Prozent. Immerhin 97 Prozent aller hier lebenden Kinder könnten den Hort besuchen; nur 86 Prozent machen das tatsächlich. Der Plan sagt aber auch: Nicht in jedem Fall kann Eltern in ihrer Heimat- oder Wunschkommune ein Krippen- oder Kindergartenplatz offeriert werden. Denn vor allem in Borna und Markkleeberg, aber auch in Brandis muss in zusätzliche Kapazitäten investiert werden. In Borna geht es um 60 Plätze in der Krippe und zehn im Kindergarten. In Markkleeberg sind 55 Krippen- und 30 Kindergartenplätze dringend nötig. Markranstädt will eine kombinierte Einrichtung für 83 Kinder neu bauen. In Neukieritzsch entstehen 30 Plätze. Brandis braucht 15 neue Krippenplätze, weil hier in den vergangenen Monaten zahlreiche Familien mit kleinen Kindern zuzogen.

"Im Landkreis insgesamt gibt es ausreichend Plätze", lautet das Fazit von Annett Pöhnert, die als Fachberaterin im Jugendhilfeausschuss das inhaltlich und vom Umfang her gewichtige Dokument erläuterte. Planungen, die "mit den Kommunen abgestimmt sind", sagte Jugendamtsleiter Thomas Pfeifer: "Darauf legen wir größten Wert."

Mit Engpässen muss möglicherweise bald die Stadt Kitzscher rechnen. "Bislang reichen die Plätze, doch die Geburten steigen", so Pöhnert. Das Jugendamt habe deshalb diese Kommune ebenso im Blick wie Pegau und Markranstädt, wo es in den nächsten Jahren durchaus eng, zu eng werden könnte. Andererseits, ist im Bedarfsplan zu lesen, "zeigen sich aufgrund des demografischen Wandels insbesondere im ländlichen Raum Überangebote". Umso mehr sei es angezeigt, innerhalb der sieben Sozialräume und damit über die Gemeindegrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.

Entscheidend für die Planung ist die Zahl der im Landkreis lebenden Kinder. Die Zahl der Geburten, die nach der Jahrtausendwende um die Marke von 2000 pendelte oder knapp darunter lag, nimmt seit 2010 leicht, aber kontinuierlich ab. Im vergangenen Jahr erblickten zwischen Hohburger Bergen und Kohrener Land 1814 Mädchen und Jungen das Licht der Welt. Schaut man auf die Kommunen, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Denn während in Grimma, Kitzscher, Rötha, Bennewitz, Brandis und Naunhof die Geburten-Kurve nach oben weist, sinkt sie deutlich in Borna, Groitzsch, Frohburg, Bad Lausick, Kohren-Sahlis, Deutzen, Elstertrebnitz, Neukieritzsch und Borsdorf. Das hat in den nächsten Jahren spürbare Auswirkung auf den Bedarf an Betreuungsplätzen. Bis 2017 wird es, zumindest mit Blick auf den Kreis insgesamt, in Krippen und Kindergärten eine Bedarfsabdeckung von 104 und 106 Prozent geben. Im Hort beträgt die Quote dann 96 Prozent.

205 Kindereinrichtungen gibt es im Landkreis. Drei Viertel der Häuser vereinen mehrere Angebote unter einem Dach. 45 sind reine Horte, fünf reine Krippen. Bei Tagesmüttern und -vätern gibt es 203 Plätze. Mehr als die Hälfte der Einrichtungen befindet sich in der Trägerschaft von 34 Vereinen und Institutionen. Kinderbetreuung liegt im Trend und ist immer stärker gefragt. Im zurückliegenden halben Jahrzehnt wuchs der Zuspruch bei Krippe und Hort weiter, während er beim Kindergarten mit 95 Prozent Inanspruchnahme kaum noch zu steigern ist.

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.04.2014
Ekkehard Schulreich

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