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Manny Drukier besucht nach 72 Jahren KZ-Außenlager Flößberg

Frohburg/Borna Manny Drukier besucht nach 72 Jahren KZ-Außenlager Flößberg

Manny Drukier hat das KZ-Außenlager Flößberg überlebt und kehrt mehr als 70 Jahre später hierher zurück. In Borna kommt der Kanadier mit Schülern ins Gespräch, in Flößberg erinnert er an die grausigen Arbeits- und Lebensbedingungen.

Manny Drukier (2.v.l.) erinnert sich vor Besuchern und seiner Familie vor Ort an die Bedingungen im KZ-Außenlager Flößberg, rechts neben ihm seine Frau.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna/Frohburg. Flößberg – mit dem Ort verbindet Manny Drukier die schlimmsten Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg und seine Zwangsarbeit: Wer Schuhe hatte, war schon fast wohlhabend, geschlafen wurde in einer Art Holzregal ohne Matratzen und Decken, überall wimmelte es von Läusen. „Oft wurden wir auch stundenlang auf dem Gelände herumgeschickt – ohne Sinn und Zweck“, erinnert sich der heute 89-Jährige an seine Zeit im Außenlager Flößberg vom KZ Buchenwald.

Nach mehr als 70 Jahren ist der Kanadier erstmals wieder hierher gekommen, um mit Schülern zu sprechen und an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Ermöglicht wird der Besuch des Holocaust-Überlebenden durch die Geschichtswerkstatt Flößberg, die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft sowie durch den Förderverein Gedenkstätte Flößberg. Schmerzhaft sind Drukiers Erinnerungen, von denen er vor etwa 200 Jugendlichen aus Kitzscher, Borna und Geithain im Bornaer Stadtkulturhaus erzählt. „Wir waren hergeschickt worden, um die Toten zu ersetzen und für den Rüstungskonzern Hasag Panzerfäuste zusammenzubauen“, sagt er.

Das Stadtkulturhaus ist voll, als Manny Drukier zu Gast ist und von seinen Erinnerungen erzählt

Das Stadtkulturhaus ist voll, als Manny Drukier zu Gast ist und von seinen Erinnerungen erzählt.

Quelle: Julia Tonne

1928 wird Manny Drukier im polnischen Lodz geboren. Er ist gerade einmal elf Jahre alt, als der Krieg mit dem Einmarsch der Deutschen in Polen beginnt. 1940, der Junge besucht schon längst keine Schule mehr, flieht die Familie nach Kielce und kommt wenige Monate später ins Ghetto Staszow, haust hier unter unmenschlichen Bedingungen in einer winzigen Baracke, hält sich mit Tauschgeschäften gerade so über Wasser. Zwei Jahre später wird die Familie, zu der neben Mannys Vater Gavriel, Mutter Eadis und Schwester Anna gehören, nach Kielce und Tschenstochau gebracht, um für den Leipziger Rüstungskonzert Zwangsarbeit zu leisten. 1944 kommen Vater und Sohn nach Flößberg, wo die Hasag ein neu errichtetes Arbeitslager betreibt.

Die Verhältnisse hier sind katastrophal, „morgens gibt es so etwas wie Getreidekaffee, abends eine dünne Gemüsebrühe mit einer Scheibe Brot“, antwortet er auf die Frage eines Jugendlichen zu den Bedingungen im KZ-Außenlager. Waschmöglichkeiten gibt es keine, dafür stundenlange Appelle. Die Fragen der Schüler sind vielfältig, sie reichen von der Familie über die Flucht bis hin zur heutigen Sicht des 89-Jährigen auf Deutschland. Katrin Henzel vom Verein Geschichtswerkstatt ist froh über das große Interesse, „denn Zeitzeugen werden rar“, macht sie deutlich. Drukier gelingt nach der Räumung des Außenlagers 1945 die Flucht, der damals 17-Jährige kommt nach Ende des Krieges in das internationale Kinderzentrum Kloster Indersdorf in Bayern und emigriert ein Jahr später nach Kanada. Zu dem Zeitpunkt ist sein Vater längst tot, Mutter und Schwester ebenso.

Für Manny Drukier ist der jetzige Aufenthalt in Borna und Flößberg der erste seit den schrecklichen Erlebnissen. Begleitet wird er nicht nur von seiner Frau Freda, sondern auch von den Kindern Gordon, Laurie, Wendy und Cindy, dem Schwiegersohn Jan sowie den Enkeln Leah und Brett. Ein kanadisches Fernsehteam ist außerdem mit vor Ort, um die Reise zu dokumentieren. Ihm ist vor allem wichtig, das Wissen um die Schrecken des Nationalsozialismus’ weiterzutragen, betont er, als er mit den Schülern in Borna zusammentrifft. „Lest viele Bücher zu dem Thema, informiert Euch“, fordert er die junge Generation auf. Denn wer die Geschichte kenne, könne eine Wiederholung dieser Schrecken in der Zukunft verhindern.

Von Julia Tonne

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