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Borna Martin Becker: Seit 50 Jahren im Beruf und immer auf dem Teppich
Region Borna Martin Becker: Seit 50 Jahren im Beruf und immer auf dem Teppich
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00:28 29.08.2015
Der Bornaer Fußbodenleger Martin Becker in seinem Schauraum in der Deutzener Straße. Hier zeigt er die neuesten Trends bei Materialien und Dekoren. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna

Er hat Tonnen an Teppichrollen und Auslegware in Wohnungen und auf Büro-Etagen, in Klinikflure und Möbelausstellungen geschleppt. "Mit den Fußböden, die ich in meinem Leben verlegt habe, könnte man ganz Borna zudecken", sagt er. Am 1. September ist Becker 50 Jahre im Beruf. Einmal Handwerker, immer Handwerker steht in seinen braunen Augen zu lesen.

Becker gehört zu einer Generation, der Gleichaltrige nachsagen, sie würde aussterben. Er hat zu einer Zeit die Lehrausbildung absolviert, als Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit genauso hoch geschätzt wurden wie fachliche Fähigkeiten. In der DDR war Becker ein angesehener Mann, weil er als Mitarbeiter des Leipziger Baukombinates am ehrgeizigen Wohnungsbauprogramm der Republik mitwirkte. Wenn der Fußbodenleger mit seinem Kollektiv raus war aus den Plattenbauten, dann rollten die Umzugswagen. Die Zeit der Planwirtschaft konnte die Handwerkerehre aber nicht brechen. Als Ein-Mann-Betrieb startete Becker nach der Wende. In Zeiten des Baubooms beschäftigte er bis zu zehn Mitarbeiter. Als die Konjunktur lahmte, konsolidierte er das Unternehmen. Heute fungiert Fußboden-Becker als Familienbetrieb. Sohn René ist in die Fußstapfen des Vaters getreten und Raumausstatter geworden.

Nach 50 Jahren in ganz unterschiedlicher Position am Markt hat sich Fußboden-Becker einen guten Ruf erworben. Was der Beruf ihm abverlangt hat, kann der drahtige Mann in wenige Worte fassen. "Man muss hart mit sich selbst sein", antwortet er spontan. Morgens der Erste, abends der Letzte, das gehöre zu einer straffen Unternehmensführung. "Dafür sind die Auftragsbücher voll", sagt der ehrgeizige Unternehmer, der in Zedtlitz zu Hause ist. Rund 80 Prozent der Aufträge realisiert er im Sanierungsbereich. Der geringere Teil seiner Handwerksleistungen wird im Neubau nachgefragt. "Da arbeiten wir mit regionalen Baufirmen zusammen", sagt er. Kundenaufträge würden im gesamten Landkreis, aber auch in Großstädten wie Leipzig und Chemnitz realisiert.

Obwohl Becker mit der Zahl der Berufsjahre längst den Ruhestand wählen könnte, kann und will er das Ruder noch nicht ganz aus der Hand geben. Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, die die Lücke im handwerklichen Bereich schließen, stellt er hohe Ansprüche. "Wir suchen zuverlässige Fachkräfte, keine ahnungslosen Handwerker", sagte er. Weil gute Leute schwer zu finden sind, bildet Fußboden-Becker aus.

Bis der Nachwuchs möglicherweise nachrückt, will der erfahrene Hase stärker in die Akquise von Aufträgen einsteigen, Angebote machen, Kundengespräche führen. Ob der Tag kommt, an dem Sohn René als neuer Firmeninhaber in die Bücher eingeht, weiß Martin Becker heute noch nicht. Aber er ist sich sicher, dass das Handwerk eine einträgliche Zunft ist. "Auch in Zukunft kann man davon gut existieren", sagt er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.08.2015
Birgit Schöppenthau

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