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Martinstag: Kirchgemeinden organisieren Umzüge, Spiele und Feuer

Tradition Martinstag: Kirchgemeinden organisieren Umzüge, Spiele und Feuer

Die Vorbereitungen auf den Martinstag laufen auf Hochtouren im Landkreis Leipzig. In vielen Kirchen finden Andachten statt. Die Kinder haben in der Christenlehre Spiele geprobt. Martinshörnchen werden aufgetischt. Aber die Martinsgans wird verschont.

Lampion-Umzüge gehören am Abend des Martinstages zur Tradition.

Quelle: Frank Schmidt

Landkreis Leipzig. Lampion-Umzüge, Feuer und Andachten anlässlich des Martinstages sind zur guten Tradition im Landkreis geworden. Kirchgemeinden und karitative Einrichtungen bereiten Feste vor, auf denen das Licht – in der Christenlehre Symbol für die Helligkeit Gottes – im Mittelpunkt steht. So begibt sich die Kirchgemeinde Grimma nach einer kurzen Andacht auf eine Art Lichterspaziergang durch die Altstadt. „Wie anderswo ein Lampionumzug stattfindet, gehen wir mit Kerzen von Geschäft zu Geschäft“, sagte Pfarrer Torsten Merkel. Der Ursprung dieser Aktion sei auf die Zeit nach der Juniflut 2013 zurückzuführen. „Damals haben wir mit dem Projekt Aufladen auf die Situation der Innenstadthändler aufmerksam gemacht, indem wir Anteil genommen und das Leid sowie die Sorgen geteilt haben – denn um das Teilen geht es am Martinstag“, so der Geistliche. „Das waren sehr bewegende Momente, die zusammengeschweißt haben. Und seitdem rufen wir das jedes Jahr zum Martinstag wieder in Erinnerung.“

Gemeinsam mit der Kindertagesstätte „Arche Noa“ in Grimma Hohnstädt lädt die Diakonie zum Martinsfest ein. „Anschließend gibt es ein Lampionumzug zum Marie-Luise-Pflegeheim in Hohnstädt, wo die Kinder mit den Heimbewohnern Martinshörnchen teilen“, erzählt Cornelia Beier von der Diakonie „Ich finde es wichtig, dass wir in einer Ellenbogengesellschaft, in der wir leben, ein Stück unseres Lebens, also etwas Zeit mit dem Nächsten teilen. Und dann erleben wir, dass da wieder etwas zurückkommt, nämlich Freude und Dankbarkeit. Damit zeigt der Martinstag, dass es auch anders geht. Und ich glaube, in jedem Menschen schlummert das Bedürfnis, anderen Menschen helfen zu wollen. Die Frage ist halt, ob und wie dieses Bedürfnis gefördert wird, was ja schon mit der Erziehung unserer Kinder beginnt“, regt Beier zum Nachdenken an.

Mit dem Martini-Markt bringen Kunsthandwerker der Region eine neue Nuance in die christliche Tradition. Außergewöhnliche Unikate, Kunsthandwerk aus der Region, Musikalisches und Schmackhaftes füllen am Wochenende die Klosterkirche mit Leben. Im Gotteshaus dokumentieren sie die Vielfalt des Lebens und die Kreativität im Alltag. Das Angebot bilden Puppenmacher, Keramiker, Papierdesigner, Modemacher, Blaudrucker, Holzgestalter, Instrumentenbauer, Textilgestalter, ein Kalligraph, ein Antiquar, Filzer, Grafiker, Schmuckgestalter und viele mehr. Für Kurzweil und Unterhaltung sorgen kleine und große Künstler. Der Eintritt ist frei! Musikalisch wird der Markt am Sonnabend mit der Band Angels Share und am Sonntag mit Prjotr umrahmt.

Mit einem Martinsspiel, das auf dem Pfarrhof in Geithain aufgeführt wird, bereiten die Kinder der Christenlehre den Tag vor. Wie Gemeindepädagoge Ralf Sämisch sagte, proben sechs Zehn- bis Zwölfjährige seit zwei Wochen an der Aufführung von „Martin, der Schuster“, nach einer Erzählung von Leo Tolstoi. „Das ist eine Auslegung der Martinsgeschichte“, erklärte Sämisch. Die Not der Menschen und das Teilen seinen zentrale Themen. In Begleitung des Musikvereins Geithain und der Jugendfeuerwehr Kohren-Sahlis führt danach ein Umzug entlang der Burggasse und der Töpferstraße in Richtung Sportplatz. Dort erwartet der TSV alle Großen und Kleinen mit einem Imbiss. Kirchspiel Kohrener Land, Evangelische Heimvolkshochschule, Kindertagesstätte „Turmspatzen“, Töpfermarktverein, Feuerwehr und Stadtverwaltung unterstützen die Veranstaltung. Zeitgleich startet an diesem Tag die Sammlung von Weihnachtspäckchen für Rumänien. Gaben werden im Pfarrhaus entgegen genommen.

Kinder und Erwachsene der katholischen Pfarrgemeinde in Borna sind bereits am heutigen Abend unterwegs. Die Pfarrei der katholischen Kirche St. Joseph besinnt auf die Legende um den Heiligen Martin. Sie besagt, dass Martin als Soldat der römischen Armee auf einem winterlichen Ritt einen Bettler traf, mit dem er seinen Mantel teilte. In der darauffolgenden Nacht sei ihm im Traum Jesus Christus erschienen – in der Gestalt des Bettelmanns. Darauf quittierte Martin den Soldatendienst und ließ sich taufen. Später wurde er als Bischof von Tours geweiht und gilt seither als Schutzpatron der Bettler. Diesem Vorbild folgend ziehen die Gemeindemitglieder heute Abend von den Apfelwiesen in die Stadtkirche, in der das Martinsspiel aufgeführt wird. Der Lampion-Umzug wird von einem als Martin verkleideten Gemeindemitglied auf einem Pferd angeführt.

Andachten und Umzüge

Frohburg: Andacht morgen, 17 Uhr, in der Kirche, Gespräche und Speisen am Lagerfeuer sowie Spiel- und Bastelangebote im Pfarrhaus.

Kohren-Sahlis: Morgen, 18 Uhr, Martinsspiel auf dem Pfarrhof. Umzug Richtung Sportplatz

Bad Lausick: Morgen, 17 Uhr, Andacht in der Kilianskirche, Laternenumzug durch die Innenstadt, Lagerfreuer im Pfarrgarten. Die Kollekte des Tages kommt der indischen Partnerkirche des Leipziger Missionswerkes zugute. Das Projekt will 2004 durch einen Tsunami verwüstete Felder wieder für die Landwirtschaft nutzbar machen.

Geithain/Jahnshain: Martinsspiel morgen, 16.30 Uhr, in der Wickershainer Kirche in Geithain, Umzug mit Martinsreiter und Musik, Abschluss mit Martinshörnchen an Thanes betreutem Wohnen, bei schlechtem Wetter in der Nikolaikirche statt. In Jahnshain morgen, 16.30 Uhr, Spielszenen der Hortkinder, Umzug zu Döhlers Hof.

Machern: Morgen, 17 Uhr, Martinsspiel der Kita Weidenkörbchen in der Kirche, anschließend Laternenumzug mit Martinsreiterin zum Feuer im Park. Heute 15.30 Uhr im Backen mit Kindern im Gemeindesaal Machern.

Brandis: Morgen, 17 Uhr, Treff an der „Kinderstube“ am Zeititzer Weg, mit dem Heiligen Martin ziehen die Kinder der Kindereinrichtungen zur Kirche; Martinsfeuer in die Bergstraße.

Beucha: Am Vorabend des Martinstages – heute –, 17 Uhr, in der Bergkirche.

Borna: Heute, 16.15 Uhr, in der katholischen Pfarrei St. Jospeh – die Pfarrgemeinde zieht mit Pferd und Reiter durch die Stadt Richtung Apfelwiese.

Wurzen: Morgen, 16.30 Uhr, Treffpunkt an der Katholischen Kirche Wurzen (Roitzscher Weg), Laternenumzug zum Domplatz, Martinsfeuer durch das Netzwerk für demokratische Kultur.

Roitzsch: Morgen, 19 Uhr, mit den Wurzener Spielleuten ab 19 Uhr Umzug vom Gemeindezentrum Roitzsch (Roitzscher Hauptstraße) zum Spielplatz.

Colditz: Übermorgen, 12. November, 16 Uhr in der katholischen Kirche, 16.30 Uhr Lampion- und Fackelumzug mit Musikanten und Martinsreiter zur evangelischen Kirche, Theaterstück „Sankt Martin in unserer Zeit“.

Belgershain: Morgen, 17 Uhr, Andacht und Martinsspiel in der Kirche, Lampion-Umzug zum Schlosshof gibt.

Nerchau: Morgen, 17 Uhr, Laternenumzug und Martinsspiel in der Kirche.

Grimma: Morgen, 17 Uhr, Andacht zum Martinsfest mit Lampionumzug in der Kirche Großbothen, 18 Uhr om der Kirche Mutzschen, Sonnabend/Sonntag Martinimarkt in der Klosterkirche Grimma.

Höfgen:Hauskirmes „Alles aus dem Rauch“ mit Räuchermeister Sven Schröder, Restaurant Wassermühle Höfgen.

Groitzsch: Morgen, 17 Uhr, Martinsspiel in der Frauenkirche, gegen 17.30 Uhr Laternen- und Fackelumzug über die Wiprechtsburg, im Anschluss Lagerfeuer im Pfarrgarten.

Böhlen: Morgen, 17 Uhr, Martinsfest in der Katholischen Kirche.

Frankenhain: Morgen, 17 Uhr, Martinsspiel mit anschließendem Umzug.

Mölbis: Morgen, 16 Uhr, Martinsfest in der Kirche, 19 Uhr, Buchvorstellung (Bickhardt).

Pegau: Morgen, 16.30 Uhr, Martinsfest in der Laurentiuskirche, anschließend Laternenumzug zur St.-Hedwigs-Kapelle (Lagerfeuer); zuvor ab 15 Uhr Laterne basteln im Lutherhaus (Anmeldung Telefon 034296/4 97 46).

Prießnitz: Morgen, 16.30 Uhr, Gottesdienst mit Martinsumzug St.-Annen-Kirche.

Rötha: Morgen, 17 Uhr, Martinsfest in der St.-Georgen-Kirche.

Steinbach: Morgen, 16.30 Uhr, Andacht.

Das Martinsfest ist traditionell mit dem Festmahl der Martinsgans verbunden. Das rührt ebenfalls aus der Legende, das Martin vor seiner Weihe zum Bischof in einen Gänsestall floh, um der Bürde des Amtes zu entfliehen. Aber das Geschnatter der Gänse verriet ihn. Seitdem müssen landauf, landab Gänse Federn lassen und am Martinstag büßen. Anders in Fremdiswalde – hier steht ein Gänsepaar seit über acht Jahren unter dem persönlichen Schutz von Ute Kniesche. „Die gehören zur Familie und werden natürlich nicht geschlachtet“, versichert sie. Nicht ganz so sicher darf sich der diesjährige Gänsenachwuchs fühlen. „Naja, das ist eben der Kreislauf des Lebens“, sagt die Züchterin. Zwei Gänse würden wohl in Topf und Pfanne landen. Zwei weitere Nachkommen sollen jedoch verschont bleiben, so dass sie mit ihren Gänseeltern das Weihnachtsfest überleben.

Von Frank Schmidt und Birgit Schöppenthau

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