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Medios: Pilotprojekt wird zu Grabe getragen

Medios: Pilotprojekt wird zu Grabe getragen

Als am Freitag das Schuljahr endete, war auch Zapfenstreich für ein einst ehrgeiziges Projekt. Im September 2004 gaben die seinerzeitigen Politiker Petra Köpping (Landrätin, SPD), Walter Christian Steinbach (Regierungspräsident, CDU) und Karl Mannsfeld (Kultusminister, CDU) den Startschuss für das Medios-Projekt im Leipziger Südraum: ein Vorzeigeprojekt, denn die Schulen wurden unter Trägerschaft des Zweckverbandes Kommunales Forum Südraum Leipzig nicht nur mit Computertechnik ausgestattet, sondern auch mit einer zentralen Medienstelle vernetzt.

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Groitzscher Schüler gehörten zu den Ersten, die das damals moderne Computersystem nutzen konnten.

Quelle: Andreas Döring

Borna. Zehn Jahre später - nach reichlichem Ärger und einem Streit vor dem Verwaltungsgericht - wird das Projekt nun zu Grabe getragen. Mit dem neuen Schuljahr sind der Landkreis und die zwölf Kommunen im Südraum wieder eigenständig für die digitale Ausrüstung ihrer Schulen verantwortlich.

Anfänglich 7,2 Millionen Euro investiert

Medios steht für den Begriff Medienoffensive Schulen. Das Projekt sollte im Leipziger Land Teil der Vernetzten Region werden, mit der Köpping nach ihrer Wahl zur Landrätin im Jahr 2001 den Landkreis in die Zukunft führen wollte. Die Vernetzte Region sollte auf vier Säulen stehen - Kommunen/Verwaltung, Wirtschaft, Schulen sowie Vereine/Bürger. Richtig ins Laufen kam jedoch nur das Medios-Projekt, durch fehlende Geldquellen und das sich rasant entwickelte Internet verkümmerten die anderen drei Säulen rasch. Die Ausstattung und Vernetzung der Schulen aber fand mit dem Freistaat einen Geldgeber. 2004 - drei Jahre nach dem ersten Fördermittelantrag - erhielt das Kommunale Forum den sogenannten Zuwendungsbescheid. Dresden förderte Dank des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung 75 Prozent der anfänglichen Investitionssumme von 7,2 Millionen Euro. Den Eigenanteil holte sich der Landkreis von Unternehmen - als Spende. Alles in allem wurden von Markkleeberg bis Regis-Breitingen 20 Grundschulen, drei Förderschulen, acht Mittelschulen und vier Gymnasien mit PC-Technik ausgestattet und mit der Medienstelle vernetzt. 2006 wurden noch einmal 1,77 Millionen Euro in die Hand genommen und auch die drei Berufsschulen eingebunden. Es wurden 1400 Schüler- und 160 Lehrer-PC gekauft, darüber hinaus Drucker, Scanner, Beamer, Digitalkameras und die nötigen Programme.

Medienstelle im Landratsamt

Die zentrale Medienstelle wurde im Landratsamt in Borna installiert. Ein Jahr lang betrieb sie die kreiseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft, danach erhielt die NetCon Solution AG mit Sitz in Leipzig den Zuschlag. Der Vertrag mit ihr läuft zum 31. Juli aus. "Die Medienstelle war aus unserer Sicht der Qualitätssprung", sagt Steffi Raatzsch, die Geschäftsführerin des Kommunalen Forums. Allerdings habe es einen jahrelangen Kampf mit dem Kultusministerium gegeben, sie mit zu fördern. Die Medienstelle stellte nicht nur Lernsoftware zur Verfügung, vor allem sorgte sie für die Unterhaltung des Systems, beseitigte Störungen und gab den Schulen und Lehrern Hilfestellung bei Problemen. "Mit der Betreuung und Wartung sollten nicht die Lehrer belastet werden", erläutert Raatzsch den seinerzeitigen Ansatz.

Betriebskosten nicht von Pappe

Über die zehn Jahre summierten sich die Medios-Betriebskosten auf 3,2 Millionen Euro, Geld, dass die Mitgliedskommunen des Kommunalen Forums schultern mussten. "Wir hatten ja nicht nur das System zu betreiben, sondern auch Datenleitungen zu bezahlen", sagt Raatzsch. Allein die sechs Stränge zum Landratsamt verschlangen jährlich rund 5000 Euro.

Zunächst puschten laut Raatzsch auch Freistaat und Bildungsagentur das Projekt im Südraum. Politiker und Behörden schmückten sich mit dem innovativen Vorhaben. Doch die anfängliche Begeisterung machte bald dem Alltag Platz - gespickt mit etlichen Problemen sowohl fachlicher als auch technischer Natur. Die Pädagogen seien nur im ersten Jahr geringfügig qualifiziert worden, "die Möglichkeiten, die das System bot, wurden nicht wirklich ausgeschöpft", erklärt Forum-Geschäftsführerin Raatzsch mit Blick auf mögliche Gruppentätigkeit in der Klasse oder das Arbeiten von zu Hause aus für Lehrer und Schüler. Die Betreiber-Software erwies sich teils als zu langsam, jeden Tag waren laut Raatzsch Probleme zu beseitigen. Hinzu kam, dass sich das Internet sprunghaft entwickelte, so dass die Medios-Technik bei neuen Inhalten auf der Strecke blieb und schnelle Datenleitungen immer wichtiger wurden. Als der Freistaat in Dresden einen zentralen Server mit Lernsoftware installierte, "rüsteten wir nach, damit unsere Schulen den Zugriff haben".

Ein unrühmliches Kapitel wurde aufgeschlagen, als der Sächsische Rechnungshof beanstandete, dass im Projekt involvierte IT-Unternehmen den Eigenanteil des Landkreises in Höhe von 1,8 Millionen Euro bezahlten und der Freistaat darauf im April 2009 eine hohe Summe Fördergeld zurück wollte. Das Kommunale Forum wehrte sich und reichte im September 2010 beim Verwaltungsgericht Leipzig Klage gegen die Zahlungsaufforderung ein. Erst drei Jahre später kam es zur mündlichen Verhandlung, aus der das Forum durchaus als Sieger hervorging. Zwar musste der Verband knapp 270 000 Euro an den Freistaat Sachsen überweisen. Für den übergroßen Packen der insgesamt 2,1 Millionen Euro, die Dresden forderte, sah das Gericht aber keinen Zahlungsgrund. Weder die Landesdirektion als verlängerter Arm des Freistaates noch das Kommunale Forum haben das Urteil angefochten. Damit hat es Bestand.

2012 das Ende besiegelt

Als sich abzeichnete, dass frisches Geld in die veraltete Medios-Technik gesteckt werden muss, gab der Zweckverband eine Evaluierung in Auftrag. Im Verbund zu arbeiten, sei besser und ein europaweiter Trend, lautete ein Fazit. Die Lehrer müssten aber besser geschult werden, ein anderes. Dennoch beschloss die Verbandsversammlung im September 2012, das Projekt nach dem Schuljahr 2013/14 zu beenden. "Die Bürgermeister waren nicht davon überzeugt, dass es von außen die notwendige Unterstützung gibt", erinnert Steffi Raatzsch und hat dabei den zähen Rechtsstreit ebenso vor Augen wie die Bildungsagentur. Zudem sei das teure System nie wie gedacht genutzt worden. Raatzsch glaubt dennoch, dass das Pilotvorhaben bei allseitiger Unterstützung und qualitativer Verbesserung hätte fortgeführt werden können. Für die Kommunen, glaubt sie, wäre ein gemeinsames Vorgehen kostengünstiger.

Kommunen nutzen die Zäsur

Der Landkreis sowie die Städte und Gemeinden im Südraum müssen in ihren Schulen die digitale Versorgung nun wieder in eigene Hände nehmen. Markkleeberg zum Beispiel wird noch eine Zeit lang die NetCon-Medienstelle in Borna nutzen. Wenn dann alle Schulen abgekoppelt sind, darf das Unternehmen die einstige Zentrale ausschlachten. "Wir sind mit NetCon einig geworden, dass für uns am Ende eine schwarze Null steht und keine Entsorgungskosten anfallen", erklärt Raatzsch. Denn die alte Technik ist nach zehnjähriger Laufzeit Schrott. Das gilt auch für die Computer und anderen Geräte in den Schulen, die Eigentum der Städte und Gemeinden sind. Raatzsch: "In der Regel nutzen die Kommunen die Zäsur, um in ihren Schulen neue Technik zu installieren."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2014
Frank Prenzel

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Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 62,44km²

Einwohner: 20.382 Einwohner (Dezember 2016)

Bevölkerungsdichte: 326 Einwohner/km²

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