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Medizinisch-technischer Radiologieassistent – längst kein reiner Frauenberuf mehr

LVZ-Serie Berufe im Blick Medizinisch-technischer Radiologieassistent – längst kein reiner Frauenberuf mehr

Der MTA, also der medizinisch-technische Assistent, mag vielen ja noch ein geläufiger Beruf sein. Das Berufsbild des medizinisch-technischen Radiologie Assistenten (MTRA) ist besonders bei Schülern schon weniger bekannt. Das glaubt jedenfalls die leitende MTRA des Sana-Klinikums in Borna, Jana Eimert. Redakteurin Nathalie Rippich hat sie besucht.

Der Röntgenbereich ist abgeschottet: Der Zutritt ist ohne Begleitung der Mitarbeiter verboten.
 

Quelle: Andreas Döring

Borna.  Tobias Reim wollte sein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) nach dem Abitur eigentlich im Kindergarten absolvieren. Doch weil alle Plätze bereits vergeben waren, landete er in der Bornaer Sana Klinik, genauer im Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie/ Neuroradiologie. Also in jener Abteilung, die etwa für das klassische Röntgen, Computertomographien (CT), Magnetresonanztomographien (MRT), Mammografien und Angiographien zuständig ist. „Während meines FSJ saß ich am Empfang, habe die Aufnahme gemacht. Dabei habe ich viel von der Arbeit des medizinischen Fachpersonals mitbekommen“, erinnert sich der 25-Jährige. Was er sah, gefiel ihm. Und so entschied er sich für eine Ausbildung zum Medizinisch-technischen Radiologieassistenten, kurz MTRA.

Das Aufgabenspektrum in diesem Beruf ist umfangreich. Neben dem obligatorischen medizinischen Wissen bedarf es Ahnung von Physik und Technik. Denn die MTRA bedienen hochmoderne komplexe Geräte, die mittels Strahlen die Diagnose und Therapie unterstützen. Dabei ist stets besondere Vorsicht geboten, denn die Strahlenbelastung soll aufgrund der von ihr ausgehenden Risiken auf ein Minimum beschränkt werden. Dazu kommt der Umgang mit den Patienten, der im Mittelpunkt steht. Denn um diese geht es bei allem, was Reim und seine Kollegen tun. „Diese Vielfalt ist es, was mir wirklich gut gefällt“, sagt Reim.

Drei Azubis und 22 ausgelernte MTRA betreuen in Borna ihre Patienten 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Reim ist einer von nur fünf Männern im Team. Lange galt das Berufsbild als typisch weiblich, sagt die leitende MTRA Jana Eimert. „Mittlerweile steigt der Anteil der männlichen Kollegen. Aber für meinen Geschmack könnten es mehr sein.“ Der Beruf sei technikorientiert, erfordere stetige Weiterentwicklung des Wissens und der Kenntnisse, da die Geräte immer spezifischer werden. „Das ist durchaus auch interessant für Männer – der Spagat zwischen Medizin und Technik“, argumentiert Eimert. Außerdem brauche man im Umgang mit Patienten oft auch Kraft, nicht selten haben diese Verletzungen, die sie in der Bewegung einschränken. „Außerdem ist ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis nicht schlecht für das soziale Gefüge“, sagt die Chefin, die mit der Stimmung in ihrem jungen Team sehr zufrieden ist.

Generell sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt angespannt, viele Kliniken und Praxen würden nach Personal suchen, so Eimert. „Es herrscht momentan ein kleines Tief.“ Sie glaubt, dass das auch damit zu tun hat, dass der Beruf des MTRA besonders den Schülern nicht besonders geläufig ist. „Dass man Krankenschwester werden kann, wissen die jungen Leute. Aber über spezifischere Berufe sind sie oft schlecht informiert.“ Dabei sei die Ausbildung durchaus anspruchsvoll und die Anstellungsaussicht durch die Lage auf dem Arbeitsmarkt sehr positiv. Auch Eimert hofft, dass von ihren Azubis möglichst viele bleiben.

Die Ausbildung zum Medizinisch-technischen Radiologieassistenten dauert drei Jahre. Die Theorie lernen die Azubis an einer Berufsfachschule. Drei große Fachgebiete werden dort abgedeckt: Die radiologische Diagnostik, die Nuklearmedizin und die Strahlentherapie, die etwa aus der Krebsbehandlung bekannt ist. Neben der Schule steht natürlich das Umsetzen des Gelernten in der Praxis auf dem Programm. „Was man wirklich nicht vergessen darf, ist dass der Umgang mit den Patienten sehr wichtig ist. Das lernt man nicht in der Schule“, betont Eimert.

Und da gibt es einiges zu beachten. Patienten können ängstlich sein oder neugierig, man muss ihre Fragen beantworten und erklären, was mit ihnen gemacht wird. Außerdem muss der MTRA hart im Nehmen sein, besonders wenn er im Krankenhaus tätig ist. „Hier kommen manchmal nach einem Verkehrsunfall Menschen mit massiven Polytraumata in die Notaufnahme. Patienten mit schlimmen Verletzungen“, sagt Eimert. Auch im Angesicht solcher Fälle müssen ihre MTRA die Nerven behalten, routiniert und mit viel Vorsicht ihren Job erledigen. „Das ist für die Patienten überlebensnotwendig“, macht sie klar. Während der Ausbildung versucht sie ihre Azubis langsam an solche Situationen heranzuführen. „Sie müssen da nicht gleich mit ran natürlich, aber wenn sie gerade da sind, schicke ich sie auch nicht weg. Man muss das schon aushalten“, macht sie deutlich.

Wer sich für Medizin und Technik interessiert, gern mit Menschen zusammenarbeitet, flexibel und belastbar ist, der kann im Berufsbild des Medizinisch-technischen Radiologieassistenten sein Glück finden. „Und das mit der Familienplanung kriegen wir hier bei uns bisher auch immer sehr gut hin“, ergänzt Eimert, um klar zu machen, dass das Privatleben nicht auf der Strecke bleiben muss.

Von Nathalie Helene Rippich

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