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Borna Mehr Depressionen: Diakoniewerk eröffnet dritte Kontaktstelle in Borna
Region Borna Mehr Depressionen: Diakoniewerk eröffnet dritte Kontaktstelle in Borna
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10:50 24.11.2015
Die Leiterin der Psychosozialen Kontakt-und Beratungsstelle, Katrin Pfeifer (l.), erläutert Besuchern bei der Eröffnung der neuen Räumlichkeiten in der Deutzener Straße 14 das Leistungsangebot. Quelle: Christian Pudack
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Borna

In Wurzen gibt es eine Beratungsstelle des Trägerwerkes Soziale Dienste und in Grimma von der Diakonie Leipziger Land. „Zu uns kommen Leute aus allen Schichten“, sagt Karin Pfeifer, die Leiterin der Kontakt- und Beratungsstelle. In zunehmender Zahl. Das hat auch mit einem neuen, offeneren Umgang mit psychischen Krankheiten, Depressionen etwa, zu tun.

Tod von Robert Enke brachte neue Denkweisen

Die Wende brachte ein tragisches Ereignis. Der Suizid von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke vor fünf Jahren „hat geholfen, Depressionen als Krankheit anzuerkennen“, sagt die gelernte Sozialarbeiterin. War es vorher, nicht nur zu DDR-Zeiten, eher schwierig, in der Öffentlichkeit Verständnis für psychische Erkrankungen zu finden, so hat das Lebensende des Fußballers für eine wesentliche Veränderung gesorgt. Katrin Pfeifer weiß, wovon sie spricht. Schließlich arbeitet sie seit drei Jahrzehnten in der Psychiatrie. In den 80er-Jahren galten psychische Erkrankungen in gewisse Weise eher als Schande oder Schwäche. Wer sich als psychisch krank outete, war durchaus stigmatisiert.

Dabei gab es die Krankheiten, zu denen neben Depression auch Suchterkrankungen wie Alkoholismus, aber auch Schizophrenie und posttraumatische Belastungsstörungen gehören, auch damals schon. Gerade im Raum Borna mit seiner Bergbauvergangenheit gab es unübersehbare Krankheitsbilder. Der Deputatschnaps, Bergmannsfusel genannt, blieb selbstredend nicht ohne Folgen – letztlich in Form psychiatrischer Erkrankungen.

Katrin Pfeifer zeigt eines der Projekte, das Klienten der Kontaktstelle in Handarbeit angefertigt haben. Das Motto beschreibt ziemlich präzise die tägliche Arbeit der Mitarbeiter in der PSKB Quelle: Christian Pudack

Der neue Umgang mit Depressionen hat dazu geführt, dass in der Kontakt- und Beratungsstelle die Zahlen nach oben gegangen sind. Wurden im Jahr 2011 bei den Gruppenangeboten 3000 Teilnahmen aktenkundig, womit nicht die Zahl der Teilnehmer, wohl aber der jeweiligen Besuche bei in der Kontakt- und Beratungsstelle gemeint ist, so lag deren Zahl im vorigen Jahr bei 6000, sagt Katrin Pfeifer. Auch deshalb wechselte die Beratungsstelle nach Jahren in der Bornaer Kirchstraße kürzlich in ihr neues Domizil in der Deutzener Straße in Borna. Im Jahr 2014 gab es zudem 150 Einzelberatungen.

Wer kommt, hat oftmals eine Lebenskrise mit beruflichen und/oder familiären Problemen hinter sich. Gerade die Veränderungen in der Arbeitswelt seit der Wiedervereinigung schlagen sich in psychischen Erkrankungen nieder, sagt die Expertin. „Gelernte DDR-Bürger waren doch eher pflichtbewusst und hatten gelernt, sich zurückzunehmen.“ Eine Einstellung, die mit den heutigen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt immer wieder kollidieren kann. Es gibt vielfältige Ursachen für Lebenskrisen, so Katrin Pfeifer. Etwa dann, wenn der Ehemann die Woche über auf Montage ist und die Frau mit den Kindern allein zu Hause bleibt. Die Einnahme illegaler Drogen oder auch Belastungen aus der Kindheit. Katrin Pfeiffer: „Wenn jemand als Kind immer ungerecht behandelt wurde, kann das auch Auswirkungen auf die Psyche eines Erwachsenen haben.“

Zahlreiche Angebote für Betroffene

In der Bornaer Kontakt- und Beratungsstelle, die für wesentliche Teile des ehemaligen Leipziger Landes zuständig ist, gibt es zahlreiche Angebote für psychisch Kranke. Unter Anleitung wird gebastelt oder zusammen gekocht. Auf dem Programm stehe auch Gedächtnistraining, Sport und Bewegung und Theaterspiel. Im Tagestreff können die Besucher ungezwungen zusammenkommen, um Kaffee zu trinken, zu spielen oder auch nur zu reden. Zudem gehören Ausflüge zum Angebot. Außerdem existieren fünf Selbsthilfegruppen, die von den drei Mitarbeitern der Beratungsstelle zwar unterstützt werden, die aber ansonsten selbstständig sind.

Bleibt die Frage, wie mit jemandem umgegangen werden sollte, der depressiv ist. „Transparenz ist wichtig“, sagt Katrin Pfeifer. Und es sollte niemals zu Schuldzuweisungen kommen.

Von Nikos Natsidis

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