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Mehr Eis auf die Faust

Mehr Eis auf die Faust

Großstolpen. Hosen und T-Shirts werden in Bangladesh zusammengenäht, Plastikspielzeug stammt aus China, Suppenhühner kommen aus polnischen Legebatterien und viele Lebensmittel aus dem Labor.

Die Produkte sind in der Regel spottbillig, oft sehr schlecht und manchmal sogar giftig. In unserer neuen LVZ-Serie "Made in..." wollen wir Handwerksbetriebe und Kunsthandwerker vorstellen, die hier produzieren und gute Qualität liefern. Heute: Eis aus Großstolpen.

 

 

"Wir sind keine Zauberer", sagt Enrico Mieding und zeigt auf den blank geputzten Edelstahleimer. Was der Betreiber des Eiscafés di Lago in Großstolpen darin zusammenrührt, hat mit dem Eis der Großhersteller nichts zu tun. Überwiegend kommen für ihn nur frische Zutaten infrage. Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, kann er allerdings nicht ganz auf natürliche Aromen verzichten. "Sonst müsste ich das Drei- bis Vierfache an Obst verwenden", so der 37-Jährige, der Italien liebt wie andere sein berühmt-berüchtigtes Banana Naturale.

Eis, wie das der Massenhersteller, will er nicht produzieren. Doch es ist ein schmaler Grat, den Mieding geht, um die Kundschaft zu begeistern und seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber nur so könne er sich von der großen Konkurrenz, den Supermärkten, absetzen. Enrico Mieding produziert Fruchteis und Milcheis in kleinen Mengen. In der Hochsaison kommen rund 350 Kilogramm pro Woche zusammen. "So viel Eis stellen andere am Tag her", meint der Kleinunternehmer. Fertige Eismischungen kommen ihm nicht in den Eimer. Er mischt alles selber an.

Lange schon verzichtet Mieding auf Zusätze wie gehärtete Pflanzenfette oder künstliche Aromastoffe. In der industriellen Fertigung wäre das nicht vorstellbar. So verwendet er beim Fruchteis Wasser, Zucker, frisches Obst und natürliche Bindemittel, wie sie in der streng kontrollierten Produktion von Bio-Lebensmitteln zum Einsatz kommen. Durch die natürliche Herstellung sind all seine Fruchteissorten laktose- und glutenfrei. Für Mieding wichtig, weil er selber Allergiker ist. "Auch himmelblaues Eis wird es bei uns schon wegen der Farbstoffe niemals geben." Indes kommt bei der Herstellung des Milcheises statt Wasser frische Milch zum Einsatz. Hier werde ebenfalls auf natürliche Zutaten geachtet.

Die Ideen für seine Kreationen holt sich der Feinschmecker auf Reisen durch Italien. Aber auch die Mitarbeiter oder gar Gäste geben ihm Tipps. So gehen an manchen Tagen mit dem Eishersteller die Gäule durch. Dann rührt er Spezialitäten wie das Banane Naturale an, ein Bananeneis, das fast schon das Reinheitsgesetz erfüllt. Viele überreife Bananen, Wasser, Zucker und ein kleiner Anteil Milch, ein Traum. "Ein Gast wollte mich dafür schon heiraten", meint der Großstolpener und muss schmunzeln. Auch das hochwertige Bitterschokoladeneis mit viel Kakaoanteil und Kakaobutter gibt es nicht jeden Tag. Ganz speziell ist sein Zitroneneis. Dafür bezieht Mieding die Früchte über einen Zwischenhändler von einer Plantage auf Sizilien. "Ich weiß, dass der Bauer dort keine Spritzmittel verwendet und die Zitronen unbehandelt sind." Das sei wichtig, weil neben dem Fruchtfleisch auch ein Teil der Schale verwendet wird.

Es gibt übrigens noch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal bei der Eisherstellung, nämlich der Lufteinschlag. Der mache bei seiner handwerklichen Eisherstellung gerade mal 30 Prozent aus, etwa ein Drittel der industriellen Fertigung, wie Mieding erklärt. "Deutlich wird das beim Gewicht. Bei ihm sind bei einem Liter Eis 800 Gramm reines Eis, bei den Großherstellern sind es nur rund 450 Gramm", erklärt der Fachmann. Soll heißen, dass der Kunde bei jedem handwerklich hergestellten Eis mehr für sein Geld auf die Faust bekommt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.03.2014
Peter Krischunas

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