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Mehr Teilzeit-Jobs im Landkreis Leipzig

Kritik von der Gewerkschaft Mehr Teilzeit-Jobs im Landkreis Leipzig

Bei den Teilzeit-Jobs gibt es einen Boom – deutschlandweit und auch im Landkreis Leipzig. Gewerkschaften und Linken-Politiker kritisieren das. Arbeitgeber jedoch betonen Freiwilligkeit und bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie.

Mehr Zeit für Kinder – das ist ein wesentlicher Grund vor allem für viele Frauen, verkürzt zu arbeiten.

Quelle: Fotolia

Landkreis Leipzig. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) kritisiert die „Schieflage“ am Arbeitsmarkt im Landkreis Leipzig. So genannte atypische Beschäftigungen seien auf einen Rekordwert von 37 Prozent gestiegen. Damit sind Jobs jenseits der Vollzeitanstellung gemeint, zum Beispiel Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs. 31 300 Menschen seien davon betroffen. Die IG BAU bezieht sich dabei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung im Kreis Leipzig seit 2003 untersucht hat. Damals habe die Quote atypischer Jobs noch bei 26 Prozent gelegen.

Deutschland erlebt seit Jahren einen Teilzeit-Boom

Nach Angaben der Böckler-Stiftung hat besonders die Teilzeit-Beschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 im hiesigen Landkreis noch etwa 10 900 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 bereits rund 21 300 – fast doppelt so viele. „Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Gegen die Teilzeit-Falle brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit“, sagte Bernd Günther, Bezirksvorsitzender der IG BAU. Es könne nicht sein, „dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten“. Der unbefristete Vollzeit-Job müsse nach Meinung der Gewerkschaft dringend wieder zum Normalfall werden.

Die Frage ist jedoch, ob das wirklich jeder Teilzeitbeschäftigte will. Deutschland erlebt seit Jahren einen Teilzeit-Boom, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Zahl dieser Beschäftigten stieg innerhalb von zwanzig Jahren von 8,3 Millionen auf aktuell 15,3 Millionen. Im Gegenzug sei die Zahl der Vollzeitbeschäftigten seit 1996 von 25,9 auf 24 Millionen gesunken. Vor allem Frauen haben ihre Erwerbsbeteiligung über Jahre und Jahrzehnte gesteigert und würden verstärkt Teilzeit arbeiten – mehrheitlich freiwillig.

Die meisten Beschäftigten arbeiten freiwillig weniger Wochenstunden

„Das Hauptmotiv für die Beschäftigten, in Teilzeit erwerbstätig zu sein, sind die größeren individuellen Freiräume, die sie bietet, um berufliche und familiäre Verpflichtungen miteinander zu verbinden“, sagte Susanne Wagner vom IAB. Allerdings gebe es auch unfreiwillige Teilzeit – vor allem bei Frauen, die gern voll arbeiten würden, aber wegen der Kinderbetreuung nur den verkürzten Job nutzen können.

SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles hatte sich für ein neues Recht auf befristete Teilzeit und Rückkehr auf Vollzeit stark gemacht. Sie wollte dies in Unternehmen ab 15 Beschäftigten vorsehen, die Union jedoch wollte die Schwelle bei 200 Mitarbeitern festlegen. Die Sache liegt derzeit auf Eis.

Nicht nur Gewerkschaften, auch Linken-Politiker kritisieren Teilzeitjobs häufig als „prekäre Arbeitsverhältnisse“. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sieht dies ganz anders. Sie betont, dass Teilzeit in den meisten Fällen den individuellen Bedürfnissen der Arbeitnehmer entspricht und freiwillig ist. Dazu zitiert die BDA Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2016. Danach gehen 87 Prozent der Frauen und 76 Prozent der Männer freiwillig einer Teilzeitbeschäftigung nach.

Bedeutung der Zahlen aus der Studie

Die Zahlen aus der Studie der Böckler-Stiftung beziehen sich auf die Jobs, die es im Landkreis Leipzig gibt. Sie sagen aber nichts darüber aus, wie die Arbeitsverhältnisse der Menschen sind, die im hiesigen Kreis wohnen und häufig auswärts arbeiten, zum Beispiel Tag für Tag nach Leipzig pendeln. Auf LVZ-Anfrage erläuterte Volkmar Beier, Pressesprecher der Arbeitsagentur Oschatz, die auch für die hiesige Region zuständig ist, die Statistik aus dieser Sicht.

Derzeit haben 102 500 Landkreis-Bewohner einen festen Job, im Amtsdeutsch heißt das, sie sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Insgesamt leben im hiesigen Kreis rund 270 000 Menschen, einschließlich Kinder und Rentner.

73 Prozent arbeiten Vollzeit, in Teilzeit sind es 27 Prozent. Zum Vergleich die Zahlen von 2008: Damals lag das Verhältnis 80 zu 20 Prozent. Heute wie 2008 sind in den verkürzten Jobs mehr als 80 Prozent Frauen. „Teilzeit ist eine Frauendomäne und generell im Wachstum, es ist beliebter geworden“, sagte Beier.

In Zeiten von Fachkräftemangel würden Unternehmen unterschiedliche Arbeitszeitmodelle anbieten, weil Mitarbeiter dies verstärkt nachfragen. Die Modelle seien vielfältiger geworden. Ein Beispiel aus der Pflegebranche: Während es früher dort ein festes Schichtsystem gab, bieten Firmen heute durchlässigere Arbeitszeiten ein. Das ermöglicht einer Frau mit Kindern mehr Flexibilität – und sie entscheidet sich für den Job oder bleibt im Unternehmen, womit auch dem Arbeitgeber geholfen ist.

In Mini-Jobs auf 450-Euro-Basis, die auch zur sogenannten atypischen Beschäftigung gehören, arbeiten im Landkreis 12 700 Menschen. Darunter gibt es Personen, die nur diesen Mini-Job haben und welche, die ihn als Nebenerwerb nutzen, in dem sie beispielsweise am Wochenende kellnern, so der Pressesprecher. Hier gebe es einen leichten Rückgang – im vergangenen Jahr ein Minus von 92 Mini-Jobs.

Auch die Leih- oder Zeitarbeit sei rückläufig. 3017 Landkreis-Bewohner waren im vergangenen Jahr auf diese Weise beschäftigt. Der Rückgang würde zeigen, dass Zeitarbeit häufig das Sprungbrett in eine normale Beschäftigung ist, so Beier. Vor allem wenn viele Betriebe Personal suchen, wie dies aktuell der Fall ist.

Von Claudia Carell

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