Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Mehr als 300 Postkarten erzählen Geschichten über Rötha und Umgebung
Region Borna Mehr als 300 Postkarten erzählen Geschichten über Rötha und Umgebung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 07.10.2017
Die älteste Postkarte aus dem neuen Band wurde 1893 verschickt. Sie zeigt die Obstweinschänke in Rötha. Quelle: Rötha-Buch
Anzeige
Rötha

Ansichtskarten, zumal alte, erzählen Geschichten. Geschichten über die Orte und Begebenheiten und Menschen, die auf ihnen abgebildet sind. Geschichten auch über den Postverkehr in früherer Zeit, über die Art, Karten zu schreiben und zu verschicken. Schließlich finden sich die Geschichten auch in den handschriftlichen Texten, die bis 1906 vorn, später erst hinten auf den Karten auftauchen. Das Buch „Rötha mit Espenhain, Mölbis, Pötzschau, Oelzschau und verlorenen Orten auf alten Ansichtskarten“ vereint mehr als 300 Ansichtskarten aus mehr als 100 Jahren. Damit und mit den begleitenden Texten ist ein sehenswerter Bildband und ein kurzweiliges Geschichtsbuch zugleich entstanden. Seit Montag ist das Buch im Handel.

Die Obstweinschänke. Älteren Röthaern bricht das Herz, wenn sie das 1888 eröffnete Ausflugslokal heute sehen. Dutzende Ansichtskarten sind von dem Restaurant erschienen, so dass der Schänke und dem später eröffneten Fortuna-Park sowie dem Obstanbau auf den von Friesischen Gütern gleich ein ganzes Kapitel gewidmet wird. In dem sich auch die älteste Ansichtskarte findet. Die wurde am 10. August 1893 von Rötha aus verschickt und zeigt als einfarbige Lithographie – natürlich – die ersten Gebäude der Obstweinschänke.

Von einem Fest in Mölbis erzählt diese Postkarte aus dem Buch. Quelle: Rötha Buch

Gaststätten waren die ersten und lange Zeit die häufigsten Motive auf Ansichtskarten. Gasthof Mölbis, Café Lorenz und „Goldene Aspe“ in Espenhain, auch Gasthöfe in Großpötzschau, in Kleinpötzschau, in Oelzschau und sogar im kleinen Ort Kömmlitz sind auf Postkarten zu sehen. Und selbst aus dem kleinen Ort Dahlitzsch, in dem es um 1920 auch einen Gasthof gab, sind ein paar Karten in dem Band vertreten.

Doch auch jenseits von Lokalen und Sehenswürdigkeiten zeigen die Karten im Buch ein breites Spektrum von Motiven. Nicht nur was schön und attraktiv war wurde auf diese Weise in die Welt geschickt, auch das, was den Akteuren der Zeit sonst noch besonders wichtig war. Der Eisenbahnbau zwischen Böhlen, Rötha und Espenhain zum Beispiel, dem 1913 eine ganze Mappe mit Ansichtskarten gewidmet wurde.

Menschen spielen immer wieder eine Rolle. In Gestalt der Schlossherrschaft in der Kutsche oder der Teilnehmer des Fischerstechens auf dem Schlossteich. Es gibt Postkarten von Delegierten eines Gewerkschaftstreffens, sogar von der sozialdemokratischen Stadtratsfraktion im Jahr 1910. Von Ansichtskarten und den darum erzählten Geschichten erfährt der Betrachter und Leser, wie es beim ersten Gewerkschaftsfest in Rötha zuging, wie vier Jahre später Kriegsbegeisterung aussah, wie stolz 1927 ein Gauturnfest gefeiert wurde und wie es bei Erntedankfesten in Mölbis zuging.

Das neue Buch. Quelle: privat

Natürlich erzählt das Buch vom Wandel. Vom Wandel, der sich in dieser Region in über 100 Jahren nicht nur in veränderten Moden und Bauweisen vollzog, sondern viel tiefgreifender durch wörtlich zu verstehende Umwälzung der Landschaft. Das führen auf den ersten Blick schon zwei Landkarten auf den vorderen (1912) und hinteren (1917) inneren Umschlagseiten vor Augen: hier viele Dörfer, da viele Seen. Über viele spannende Seiten hinweg erzählen Ansichtskarten, Begleittexte und dazugestellte Fotografien von den Folgen des Bergbaus. Ein ganzes Kapitel ist bestückt mit Postkarten aus Orten, die es heute nicht mehr gibt.

Rötha mit Espenhain, Mölbis, Pötzschau, Oelzschau und verlorenen Orten auf alten Ansichtskarten; Herausgeber: Förderverein Rötha – Gestern.Heute.Morgen., Dorfentwicklungsgesellschaft Mölbis, Pro Leipzig; 176 Seiten; 19 Euro; erhältlich im Buchhandel und bei Stadtbibliothek Rötha, Reisebüro Gute Laune Reisen Rötha, Seisekammer Mölbis, Lotteriegeschäft Schneider Böhlen.

Von André Neumann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf einer Sitzung beider beschließender Ausschüsse des Röthaer Stadtrates geht es Donnerstagabend um die Position der Stadt zu einer neuen Anlage, die das Unternehmen SRW Metalfloat auf dem Recycling-Firmengelände in Espenhain in Betrieb nehmen will. Die Stadt Rötha muss sich zum Antrag der Firma äußern.

04.10.2017

Ende August gingen in der Rettungsleitstelle Grimma die Lichter aus. Auch die Tage des Rettungszweckverbandes, der bislang den Landkreis Leipzig und die Region Döbeln betreut hat, sind gezählt.

07.10.2017

Seit einigen Tagen ist das Leipziger Symphonieorchester aus Irland und England zurück, aber das Gänsehautgefühl hält noch an. Mit dem Musikproduzenten Albert Hammond war das Ensemble kürzlich auf Tournee in Dublin und London. Und weil die Konzerte ausverkauft und erfolgreich waren, gibt es wohl im Herbst 2018 die nächste Tournee.

07.10.2017
Anzeige