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Menschenkette gegen den Abriss

Menschenkette gegen den Abriss

Borna. Mit einer Menschenkette haben Spieler, Eltern und Funktionäre des Bornaer Sportvereins (BSV) gestern auf dem Sportplatz in der Witznitzer Straße gegen den Abriss des Sozialgebäudes mobil gemacht.

. Mehr als 100 Leute waren dabei, als BSV-Chef Marco Seidel erneut Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) persönlich für die Situation verantwortlich machte. Die unterstrich, dass sie an einer Lösung des Problems interessiert ist.

Es waren Kinder da, und es waren Großeltern gekommen. Eltern natürlich auch, so wie Rainer Thoß. Theresa, die Tochter des stadtbekannten Discjockeys, einstmals selbst aktiver Kicker bei Aktivist Borna, spielt bei den E-Juniorinnen. „Am Sonntag war es in den Umkleidekabinen eine Katastrophe", sagt das Mädchen. Vater Thoß ergänzt, dass durch den geplanten Abriss des Sozialgebäudes zahlreiche Spiele verlegt werden müssten. Thoß’ Forderung: „Wenigstens für den Nachwuchs müsste die Stadt etwas machen."

Damit steht er nicht allein. Unter den BSV-Protestierern stehen auch zwei Stadträte. Fritz Schreiber, seit über zwei Jahrzehnten für die CDU im Stadtrat, sagt: „Das ist eine Katstrophe hier." Schreibers Enkel Sebastian Thomas, am Wochenende auch Torschütze für die erste Männermannschaft, ist ebenfalls von den Abrissplänen betroffen. „Dabei ist das Sozialgebäude doch in Ordnung", sagt Schreiber.

In der Front der BSV-Protestanten ist auch Peter Finke zu finden. Der gehört zur Linken-Stadtratsfraktion und versteht die Strategie des Rathauses dennoch nicht. Ausschlaggebend für den Abrissbeschluss sei die Stimme der Oberbürgermeisterin gewesen. „Sie hat es persönlich in der Hand gehabt." Und weiter sagt Finke: „Die Kinder heute werden für die Fehler der früheren BSV-Führung bestraft." Eine Sichtweise, die bekanntlich auch BSV-Chef Seidel teilt. Es sei die „Haltung der Oberbürgermeisterin", sagt er vor den etwa 100 Leuten, die sich vor dem Sozialgebäude aufgereiht haben. 2006 sei beschlossen worden, das Gebäude abzureißen, wenn die neue Dreifelderhalle steht. Aber die sei noch nicht fertig, so Seidel weiter. Jetzt habe die Stadt keine Kapazitäten für die Kinder und Jugendlichen. Seit drei Wochen bemühe sich die Vereinsspitze in Gesprächen mit der Oberbürgermeisterin um eine Lösung. Aber die, sagt Seidel, habe ein „falsches Spiel" betrieben.

Oberbürgermeisterin Luedtke erklärte, die BSV-Führung habe speziell die Eltern der jungen Sportler oftmals überhaupt nicht ins rechte Bild gesetzt. Das habe sie bei der Protestaktion des Vereins vorgestern auf dem Markt gemerkt. „Unsere Vorschläge hat der BSV nicht akzeptiert." Die Stadt werde Toilettenhäuschen auf den Sportplatz stellen lassen. Auch weitere Container seien denkbar. Zwölf Container, wie sie der Verein fordert, „können wir allerdings nicht hinsetzen". Luedtke: „Das kann die Stadt nicht bezahlen und der Verein auch nicht." Derartige Forderungen seien „unverschämt".

Verhärtete Fronten offenkundig. Und noch eine weitere Frage, eine Schlüsselfrage sozusagen. Denn es standen gestern zwei Aussagen im Raum: wer wann den Schlüssel für das dem Abriss geweihte Gebäude bekommen hat. Nach Angaben der Stadt in Person von Bürgermeister Frank Stengel wurde das Schloss zum Sozialgebäude am Freitag ausgewechselt und dem BSV ein Schlüssel gegeben, damit der seine Materialien bergen und abtransportieren konnte. Stimmt nicht, sagt BSV-Fußballabteilungsleiter Daniel Salomon. „Wir waren am Freitag noch mit zwei Männermannschaften im Haus." Das Schloss sei am Sonnabend ausgewechselt worden. Einen Schlüssel habe der Verein nicht bekommen, sagt Salomon. Dass der Verein seine Materialien gestern dennoch herausgeholt hat, sei den Bauarbeitern zu verdanken. „Die haben uns reingelassen."

Nikos Natsidis

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