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Borna Mibrag bleibt trotz Energiewende auf Kurs: Kohle unter Pödelwitz und Obertitz im Fokus
Region Borna Mibrag bleibt trotz Energiewende auf Kurs: Kohle unter Pödelwitz und Obertitz im Fokus
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15:42 26.03.2018
Blick in den Tagebau Vereinigtes Schleenhain und auf das Kraftwerk Lippendorf. Quelle: Jens Paul Taubert
Theißen/Groitzsch

Armin Eichholz hat keinen Zweifel: „Die Braunkohle wird in den nächsten Jahrzehnten ihre bedeutende Rolle in der Energieversorgung behalten. Ich bin überzeugt, dass diese Bedeutung in den kommenden Dekaden des Energiewandels langsam abnehmen wird – aber nicht von heute auf morgen.“ Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) geht zudem davon aus, dass das Kraftwerk Lippendorf, „das erst die Hälfte seiner Lebenszeit hinter sich hat, für den Betriebsplan des Bundes“ zur Energieversorgung gebraucht wird. Womit es Eichholz mit Blick auf den Tagebau Vereinigtes Schleenhain und seinen Abbaufeldern auf den Punkt bringt: „Die Förderung der Kohle im Groitzscher Dreieck ist existenziell – ohne die Inanspruchnahme von Pödelwitz und Obertitz wirtschaftlich nicht darstellbar.“

Armin Eichholz (53), Vorsitzender der Geschäftsführung der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH Quelle: Mibrag

Damit untermauert der Mibrag-Vorsitzende den Kurs des Konzerns, die im Fortschreibungsverfahren des Rahmenbetriebsplanes verankerten Möglichkeiten auszuschöpfen. Und dazu gehören unter bestimmten Voraussetzungen auch weitere Umsiedlungen. Es ist keine Kampfansage von Eichholz. „Im Gegenteil. Es wird politisch und wirtschaftlich nicht anders gehen. Bis erneuerbare Energien den kompletten Strombedarf decken, werden Jahrzehnte vergehen (die LVZ berichtete). Ich wünschte mir von der Politik, dass mit diesen Konsequenzen offener umgegangen wird“, fordert der 53-Jährige.

Dass die persönliche Betroffenheit immer in Konkurrenz zur gesellschaftlichen Notwendigkeit steht, „ist der Mibrag bewusst“, betont Bastian Zimmer, Planungsdirektor bei der Mibrag. „Deswegen suchen wir immer den direkten Dialog mit Betroffenen“, so der 40 Jährige. Das war in Heuersdorf, ist in Pödelwitz der Fall und so werde es – wenn die Zeit reif ist – auch in Obertitz sein. Beide Orte sind im bestätigten Braunkohleplan für den Tagebau Vereinigtes Schleenhain als Vorbehaltsgebiete für Rohstoffgewinnung ausgewiesen. Nachdem sich die große Mehrheit der Einwohner von Pödelwitz für eine Umsiedlung ausgesprochen hat, strebt die Mibrag die bergrechtliche Genehmigung zur Gewinnung der Braunkohle in diesem Bereich an. Zimmer: „Zur Erarbeitung der Antragsunterlagen werden umfangreiche Bestandserfassungen durchgeführt und eine Vielzahl von Fachgutachten erarbeitet. Unser Ziel ist es, den Antrag in 2019 einzureichen.“ Anschließend beginnt ein umfangreiches Planfeststellungsverfahren mit öffentlicher Beteiligung. Führt die Abwägung aller Stellungnahmen zur Zulassung des Antrages, kann die Förderung der Kohle unter Pödelwitz vorbereitet werden. 85 Prozent der Bewohner sind bereits umgesiedelt. Die Bürgerinitiative Pro Pödelwitz kämpft indes weiter um den Erhalt des Ortes.

Maik Kunze (CDU), Bürgermeister von Groitzsch Quelle: Archiv

„Ohne Obertitz wird es nicht gehen“, sagt Armin Eichholz voraus. „Einen Interessensausgleich herzustellen, wird die einzige Möglichkeit sein.“ Weswegen der Vorsitzende der Geschäftsführung vergangene Woche beim Groitzscher Bürgermeister Maik Kunze (CDU) vorstellig wurde. Dessen Haltung zu Obertitz ist klar: „Wir werden uns gegen die Inanspruchnahme von Obertitz positionieren, würde es dazu kommen. Die Energiepolitik hat sich drastisch geändert und unter diesen Vorzeichen ist klar in Frage zu stellen, ob für eine Braunkohleverstromung noch Dörfer weggerissen werden dürfen. Obertitz ist im Planfeststellungsverfahren der Mibrag als Vorbehaltsgebiet benannt. Klar ist also noch gar nichts. Solange reden wir über ungelegte Eier und an unserer Position halten wir solange fest“, erklärte Maik Kunze.

Der Meinungsaustausch zwischen Kunze und Eichholz ist klares Indiz für die Ernsthaftigkeit der Pläne der Mibrag im Groitzscher Dreieck. Der Vorsitzende: „Es ist logisch, dass es verschiedene Sichtweisen gibt. Ganz besonders dann, wenn solche Eingriffe im Raum stehen.“ Gerade deswegen brauche die Mibrag in der Energiepolitik auch das öffentliche Verständnis für die Notwendigkeit solcher Entwicklungen. „Und da muss auch die Politik einen Beitrag leisten und Konsequenzen eindeutig darstellen“, so Eichholz.

Von Thomas Lieb

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