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Milchbauern im Landkreis Leipzig profitieren kaum von hohen Butterpreisen

Landwirtschaft Milchbauern im Landkreis Leipzig profitieren kaum von hohen Butterpreisen

Der Preis für Butter ist im September förmlich explodiert. Das kommt den Erzeugern aber nur minimal zugute. Die einstimmige Meinung unter den Landwirten im Landkreis Leipzig fällt ernüchternd aus.

Innerhalb eines Jahres hat sich der Butterpreis verdoppelt.

Quelle: Wolfgang Sens

Landkreis Leipzig. Die Preise für Butter sind so hoch wie nie zuvor: Gut zwei Euro und mehr kostet das Stück im Supermarkt, auch die Milchpreise sind angezogen. Nachdem die Niedrigpreise für Molkereiprodukte ab 2014 viele Milchbauern in die Krise, einige sogar bis in den Ruin trieben, sollte sich die Milchproduktion für die Erzeuger doch nun wieder lohnen. Oder?

Die gute Nachricht: Tatsächlich kommt bei den lokalen Agrarbetrieben aufgrund der höheren Preise derzeit mehr Geld an als bisher. Die schlechte: Echte Gewinne machen sie damit noch lange nicht. „Nach einer dreijährigen Niedrigpreisphase befinden wir uns nun in einem Bereich, in dem zumindest die Kosten für die Produktion gedeckt werden“, sagt Matthias Matüsek von der Agrar GmbH Auligk in Gatzen bei Groitzsch. Das reiche jedoch nicht aus, um die Verluste der vergangenen Jahre, die die Erzeuger viel Eigenkapital gekostet hätten, wieder wettzumachen.

Thomas Jung vom Gut Mühlbach nahe Wurzen findet da noch drastischere Worte: „Bei uns kommt nichts an“, klagt er. Ganz stimmt das nicht: 38 Cent bekommen die Bauern derzeit für einen Liter Milch, mindestens 36 müssten es laut Jung sein, um keine Verluste zu machen. Das Problem: Das Preishoch wird voraussichtlich nicht lange bestehen bleiben. „Uns wurde geraten, die winzigen Gewinne, die wir derzeit machen, zu sparen, da die Preise ab Januar wieder sinken werden", sagt Jung. Von der aktuellen Lage würden seiner Ansicht nach besonders die Großbetriebe profitieren – von der Politik fühlen sich er und seine Kollegen im Stich gelassen.

Während sich der Verbraucher ärgert, ist bei den Erzeugern also vor allem Ernüchterung angesagt. Arnd Mothes, Geschäftsführer der Agrargesellschaft Bad Lausick: „Bei der aktuellen Preislage müssten wir eigentlich deutlich mehr bekommen.“ Ähnliches äußert auch Karl-Heinz Zimmerling, Landwirt in Oelzschau: „Die Molkereien erhalten einen deutlich höhren Anteil am Kuchen. Aber am Ende unterliegen wir nun mal einem Preisdiktat.“ Derart extreme Preisschwankungen würden zudem Kalkulationen und somit Investitionen erschweren.

„Wir besitzen zwar keine Milchkühe, Freunde und Nachbarn haben mit aber berichtet, dass bei Ihnen ebenfalls nichts von den hohen Preisen ankommt“, sagt auch Steffen Richter von der Nerchau-Mutzschener Agrar und Service GmbH nahe Grimma. Das Preisdumping der vergangenen Jahre habe auch er zu spüren bekommen: Gab es 1990 für ein Kilogramm Rindfleisch noch acht D-Mark, sind es heute 3,80 Euro. „Davon kann man einfach nicht leben.“

Elke Zehrfeld, Geschäftsführerin der Regionalbauernverbandes Muldental, bestätigt: Den meisten Gewinn infolge der Preisexplosion machen die Supermärkte. Die Landwirte seien derzeit zwar „alle recht zufrieden“ – allerdings sei fraglich, ob dieser Zustand lange anhalte. Die hohen Preise seien ein Resultat des geringen Angebots. Schnellt dieses wieder nach oben, sinken auch die Preise. „Wir bräuchten aber auf lange Sicht solche Preise wie die aktuellen, um die Verluste der vergangenen Jahre zu kompensieren.“

Eine Vertriebsalternative ist die Direktvermarktung, beispielsweise die sogenannten Milchtankstellen: Hier können sich die Verbraucher ihre Milch selber zapfen, der Erlös kommt unmittelbar bei den Landwirten an. „An sich eine feine Sache“, sagt Matthias Matüsak. Die Agrar GmbH Auligk betreibt eine solche Zapfsäule in Kleinprießligk. Allerdings mangelt es zum einen an der nötigen Infrastruktur – der Sächsische Landesbauernverband listet lediglich zwei Milchtankstellen im Landkreis Leipzig und eine in Leipzig selbst auf – und zum anderen an Kundschaft: „Leider sind nur wenige bereit, einen Euro pro Liter Milch zu zahlen“, so Matüsek.

Von Christian Neffe

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