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Borna Milcherzeuger und Kohrener Landmolkerei wollen globalem Markt trotzen
Region Borna Milcherzeuger und Kohrener Landmolkerei wollen globalem Markt trotzen
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12:07 09.06.2016
In ihrer Anlage in Frohburg produziert die Osterland Agrar GmbH Milch, doch Geld verdient sie damit im Augenblick nicht. Quelle: Jens Paul Taubert
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Kohrener Land

Der Milchpreis in Deutschland ist so niedrig wie nie. Der globale Milchmarkt wird geflutet. Für viele Milchbauern geht das an die Substanz, für viele inzwischen um die Existenz. Die Kohrener Landmolkerei, 2013 eröffnet, produziert seit April unter Volllast. Dass sie gerade in dieser Krisensituation zum 24-Stunden-Betrieb übergeht, sei durchaus Kalkül, sagt Sirko Hornung, einer der beiden Geschäftsführer: „2008, als der Milchpreis schon einmal im Keller war, entstand bei mehreren Milcherzeugern der Region die Idee, gemeinsam eine Molkerei zu errichten. Dass die Milchquote fallen würde, war da schon absehbar.“ Langfristig werde man mit der Verarbeitung der von den Gesellschaftern im Kohrener Land und in Sachsen-Anhalt erzeugten Milch einen Mehrwert erzielen. Inzwischen verarbeitet die Molkerei, die in Penig errichtet wurde, rund 40 Millionen Liter Milch im Jahr.

„Klar ist es deprimierend, wenn man den ganzen Tag Kraft investiert, aber damit nicht annähernd so viel verdient, um wenigstens die Kosten zu decken“, sagt Hornung. Für kleine Milcherzeuger sei der jetzige Milchpreis, der unter die Marke von 20 Cent rutschte, eine Katastrophe, denn die doppelte Summe sei nötig, um auskömmlich produzieren zu können. Schwierige Zeiten durchlebten auch jene, die sich auf Milch konzentrierten und keine anderen Geschäftsfelder bewirtschafteten, die zusätzlich Geld zum Ausgleich dieses Mankos erlösten. „Wir können die Verluste bei der Milch zumindest auffangen“, sagt Sirko Hornung, meint mit wir die Osterland Agrar GmbH, wo er neben Siegfried Runkwitz ebenfalls einer der Geschäftsführer ist, meint aber auch die Milchproduzenten in Dittmannsdorf und die anderen, die die Kohrener Landmolkerei tragen und beliefern. Neben Milch würden unter anderem Kartoffeln und Zwiebeln produziert und Bullen gemästet. Fünf Anlagen lieferten Biogas, das verstromt und ins Netz eingespeist würde – summa summarum an die 20 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Auf die Aufhebung der Milchquote – ein Regulativ der EU, nach den Milchseen Anfang der Achtzigerjahre eingeführt – im Jahr 2015 habe man sich in den Ställen durchaus vorbereitet und das Milchvieh in Frohburg und Prießnitz um 20 Prozent reduziert. Milch zu produzieren, sei ein Geschäft mit Vorlauf. Zweieinhalb Jahre brauche eine Kuh, ehe sie Leistung bringe. Wenn die plötzlich am Markt nicht mehr gefragt sei, „können wir nicht einfach den Schalter umlegen“.

Dass die Politik den Milchbauern wirksam werde helfen können, glaubt Hornung nicht. „Es gibt weltweit eine Überproduktion.“ In China, wohin die Kohrener Landmolkerei bis vor ein paar Monaten lieferte, sei die Nachfrage eingebrochen. Der große Markt in Russland sei durch das Embargo verschlossen. Was also tun? „Es gibt keine Blaupause. Keiner weiß, wie lange diese Krise dauert.“ Doch klar sei, auch wenn der Erlös wieder die Kosten decke, brauche man zwei, drei gute Jahre, um aufzuholen: „Wir rechnen damit, dass sich kaum vor Anfang/Mitte 2017 etwas ändert.“

Zumal die Kontrakte, die die Kohrener Landmolkerei mit den großen Lebensmittel-Ketten aushandele, die Preise für ein halbes Jahr festsetze, so Hornung. Der Druck laste nicht nur auf den Erzeugern, sondern in gleicher Weise auf den Verarbeitern. Denn die müssten die Milch ihrer Vertragspartner annehmen, egal wie viel die lieferten. Da sei es wichtig, etwas Eigenes, Unverwechselbares anbieten zu können neben den Handelsmarken, die man ebenso produziere. „Wir setzen auf unsere Regionalität. Vom Futter bis zur Milch kommt alles aus einer Hand. Und bei der Vermarktung dessen, was in unserer Molkerei entsteht, konzentrieren wir uns ebenso auf die Region, einen Umkreis von 200 bis 250 Kilometer.“ Edeka, Rewe, Lidl, Netto, Konsum – zahlreiche Große haben vor allem im Osten und in Bayern Milch, Michgetränke, Joghurt, Pudding aus der Kohrener Landmolkerei in den Regalen. Heumilch und Weidemilch werden bundesweit vertrieben. „Bei unseren Eigenmarken wollen wir weiter wachsen. Das ist von Anfang an unser Ziel“, sagt Sirko Hornung. Mit Hans Reimers hat er seit Mai einen neuen Ko-Geschäftsführer an seiner Seite. Die Molkerei zählt, seit sie rund um die Uhr produziert, 95 Mitarbeiter, deutlich mehr, als zu Beginn geplant war.

Von Ekkehard Schulreich

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