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Milde Strafe für Tat in der Silvesternacht

Milde Strafe für Tat in der Silvesternacht

In der Neujahrsnacht von 2012 auf 2013 flog an einem Supermarktparkplatz in der Trageser Straße in Kitzscher eine Telefonzelle auseinander, weil ein Feuerwerkskörper darin explodierte.

Borna/Kitzscher. Deswegen saß gestern der 22 Jahre alte Sören K.* auf der Anklagebank im Amtsgericht Borna. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete: vorsätzliche Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit mehrfacher Sachbeschädigung. Mehrfach deswegen, weil neben der Telefonzelle von den bis zu 40 Meter weit herumfliegenden Splittern auch noch vier Autos beschädigt wurden, wie die Staatsanwältin vortrug.

Angeklagt war gestern weder ein Rowdy noch ein jugendlicher Kleinkrimineller. Das Vorstrafenregister ist leer, die Familienverhältnisse sind in Ordnung. Die Jugendgerichtshelferin sprach von geordneten Familienverhältnissen und einer sehr guten Sozialprognose für den Sohn zweier Angestellter der Stadt Leipzig. Sören K., der in Lippendorf gerade im dritten Lehrjahr eine Ausbildung zum Zerspaner absolviert, gab die Tat gestern unumwunden zu. Er habe den Böller in die Telefonzelle gelegt. In einem wichtigen Punkt trat sein Verteidiger der Anklage allerdings entgegen: Sein Mandat sei sich der möglichen Folgen der Tat nicht bewusst gewesen, aus seiner Sicht sei es ein dummer Jungenstreich gewesen, noch dazu an einer Telefonzelle, die schon kaputt war.

Waren das Geständnis und die intakte Persönlichkeit des Angeklagten offensichtlich mit verantwortlich für das später milde Urteil, so spielte besonders die eher dürftige Faktenlage zur Tat eine Rolle, vor allem die tatsächliche Schadenshöhe, die wichtig für die juristische Bewertung der Tat ist. Selbst nach mehreren Anläufen hat die Polizei von der Telekom keine wirklich verwertbare Aussage über die Höhe des Schadens an der Telefonzelle erhalten. Es gibt keinerlei schriftliches Dokument, nur die mündliche, telefonische Aussage eines Mitarbeiters eines Tochterunternehmens, wonach der Schaden rund 5500 Euro betrage. Das sei nicht belastbar, sagte der Richter.

Ähnlich das Bild bei den Autos, die überwiegend Lackkratzer abbekamen. Eine Halterin machte keinen Schaden geltend, weil das Auto schon alt war. Eine Spedition, deren Fahrzeug betroffen war, reagierte nicht auf Anrufe und Schreiben der Polizei und war auch vor Ort nicht auffindbar. Blieben eine Rechnung über 149 Euro und ein Kostenvoranschlag über 213 Euro. Damit bleibe die Tat, erklärte der Richter später bei der Urteilsverkündung, unter der Schwelle eines Verbrechens.

Laut Staatsanwältin seien Straftaten in der Silvesternacht "leider Gottes nicht selten". Diese hier rage aber deutlich hinaus, weswegen der Vorfall aus ihrer Sicht kein dummer Jungenstreich ist. Auch, das machte sie im Schlussplädoyer deutlich, vermisse sie Unrechtsbewusstsein beim Angeklagten, der bis heute nichts unternommen habe, um den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Dennoch nahm sie den ursprünglichen Tatvorwurf zurück und sprach nur noch von Sachbeschädigung, einerseits, weil man dem jungen Mann "nicht die weitere Entwicklung verbauen sollte", andererseits, weil keine "schädlichen Neigungen" zu erkennen seien. Was neben einer bestimmten Schadenshöhe eine weitere Voraussetzung für eine Jugendstrafe wäre.

Eine solche erhielt K. am Ende tatsächlich nicht. Stattdessen die Auflage für 130 Stunden gemeinnützige Arbeit. Womit das Gericht die Forderung der Staatsanwaltschaft nach 300 Stunden sogar noch milderte. Die Auflage solle ihm helfen, "seinen rechtschaffenen Lebenswandel fortzusetzen", begründete der vorsitzende Richter.

(*Name geändert) André Neumann

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2014
André Neumann

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