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Militärischer Brauch, Wiener Charme und österreichischer Schmiss

Militärischer Brauch, Wiener Charme und österreichischer Schmiss

Man muss kein Militär sein, um Militärmusik zu mögen. Ein Physiotherapeut wäre sehr angetan gewesen vom Bewegungsdrang nahezu 500 fast durchweg älterer Herrschaften, in Gang gesetzt durch flotte Märsche.

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Mit Schmiss: Die Wiener Regimentskapelle lässt in der Neukieritzscher Parkarena keine Wünsche offen.

Quelle: Detlef Bergholtz

Neukieritzsch. Rührung kam auf, als eine ältere Dame, offensichtlich über die 80 hinaus, begeistert zum Takt des Radetzkymarsches ihre frisch gekaufte, mit den Initialen des Infanterieregiments No. 4 geschmückte Tragetasche mit beiden Händen schwenkte und ihren Beinen einen kurzen Marsch durch den Seitengang erlaubte. Eindeutig die Demonstration der Gäste, als sie alle, während die Kapelle den Deutschmeister Regimentsmarsch intonierte, sich von den Plätzen erhoben. So geschehen am Freitagabend in der Parkarena Neukieritzsch.

Zu Gast war die "k. u. k. Wiener Regimentskapelle IR 4". Das "IR" steht für Infanterieregiment, die Numero 4 trug den Ehrennamen Hoch- und Deutschmeister und war 1696 aufgestellt worden. Es war eines von vier Hausregimenter der Habsburger Monarchie, wovon ein jedes eine Kapelle besaß. Berühmte Musiker gehörten dieser Kapelle an: Josef Helmesberger, Robert Stolz, Carl Michael Ziehrer- Seit 1977 pflegt ein Verein deren musikalische Tradition.

Kapellmeister Helmut Zsaitsits hatte ein sehr glückliches Händchen, als er den militärischen Brauch mit Wiener Charme, mit österreichischem Witz und Schmiss verband. Ein schöner Einfall, als er seine Startrompeter selbstironisch einen fürchterlich disharmonischen Triumphmarsch (Aida) blasen ließ. Es ist gar nicht so einfach, falsch im Takt zu bleiben, meinte einer der begeisterten Gäste, der Neukieritzscher Rudolf-Erich Fritzsche, der selbst vorzeiten in einer Kapelle spielte. Berühmte Märsche wie der Fehrbelliner Reitermarsch wechselten mit den Harmonien von Johann Strauß Sohn (Eine Nacht in Venedig) und Robert Stolz, darunter das schwungvoll-wehmütige "Adieu, mein kleiner Gardeoffizier".

Zwei junge Künstlerinnen ragten heraus. Iris Maaß (Querflöte, Flöte) fiel in der Musikszene schon auf, als sie den 1. Preis vom Bad Sulzaer Musikfest gewann. Elisabeth Jahrmann brillierte als Koloratursängerin. Sie entfaltete ihre komödiantische Ader, als sie den Annenmarsch zur allgemeinen Erheiterung als leicht angeschickertes junges Ding vom Stapel ließ. Die "k. u. k. Kapelle" nimmt das also alles nicht so bierernst: nicht den berühmten Marsch "Alte Kameraden" und auch nicht den "Graf Lamberg", was sie demzufolge auch nicht hindert, ihren "Deutsch und Hochmeister Regimentsmarsch" mit seinem leicht martialischen Text zu lieben und doch zugleich auf die Schippe zu nehmen: "Mir san vom vierten Regiment, gebor'n san mer in Wean! Wir hoab'n unser liabs Vaterland und unsern Kaiser gern. Und fangen's wo mit Österreich zum Kriegsführn amol an, so haut ein jeder von uns drein..." Alles Tradition, alles Geschichte. Alle Gäste in Neukieritzsch erhoben sich am Schluss des Konzerts, der Applaus war gewaltig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..
Detlef Bergholtz

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