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Borna Minderjährige Flüchtlinge: Vormund muss bei Ablehnung sensibel entscheiden
Region Borna Minderjährige Flüchtlinge: Vormund muss bei Ablehnung sensibel entscheiden
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10:19 14.02.2017
Für minderjährige Flüchtlinge gilt die Schulpflicht. Quelle: dpa
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Landkreis Leipzig

Derzeit leben 164 minderjährige Flüchtlinge im Landkreis, die aus ihren Heimatländern geflohen sind. Diese Zahl nannte Jugendamtsleiterin Ines Lüpfert vorm jüngsten Jugendhilfeausschuss. Die überwiegende Mehrheit, knapp hundert Kinder und Jugendliche, werde in stationären Einrichtungen betreut. In der Gemeinde Borsdorf, in der es bereites eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber gibt, ging erst Ende Januar eine neue Einrichtung für unbegleitete Flüchtlinge ans Netz. Auf dem Gelände des Diakonissenhauses Borsdorf, einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen, wurde das ehemalige Kinderhaus zu einer Einrichtung der Jugendhilfe umgebaut. „Hier sind 22 minderjährige Flüchtlinge untergebracht“, so Ines Lüpfert. Sie werden von Sozialarbeitern betreut und auf ein selbstständiges Leben in einer eigenen Wohnung vorbereitet. Die Jugendlichen wohnen in drei Wohngruppen. Zuvor waren sie in einem Übergangsquartier in Markranstädt zu Hause.

Die Zuweisungen der Minderjährigen hätten zahlenmäßig nachgelassen, erklärte die Amtsleiterin. „Es kommen derzeit keine neuen Busse, so dass wir etwas Zeit durch Durchatmen haben.“ Das Jugendamt nutze die Möglichkeit, um Verfahren nachzuschärfen. Auch die freien Träger könnten sich jetzt der inhaltlichen Arbeit stärker widmen. Bei dem Thema herrsche viel Bewegung, berichtete Lüpfert. „Jede Woche treffen Anerkennungen, aber auch Aberkennungen von Asylanträgen ein. Aufgabe der Vormünder sei es dann, mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.“ Ein wichtiges Datum sei der 18. Geburtstag. Ab diesem Zeitpunkt würden die Jugendlichen dann in die Verantwortung des Jobcenters oder des Ausländeramtes wechseln - auch abhängig davon, ob der Asylantrag anerkannt wurde.

Einblicke in die Erfahrungen eins jungen Flüchtlings gewährte der 18-Jährige Saad, der in den vergangenen Monaten in einer Wohneinrichtung des Deutschen Roten Kreuzes in Hohburg untergebracht war. Gemeinsam mit seinem Betreuer berichtete er über den Fluchtweg, seine Erfahrungen in Deutschland und Hoffnungen für die Zukunft. Der 18-Jährige bereitet sich gerade auf den Umzug in seine erste eigene Wohnung vor, wofür es von Jugendamtsleiterin Ines Lüpfert einen kleinen Gutschein als Dankeschön für den Erfahrungsbericht gab. Saad zieht es demnächst in die Großstadt. Er ist dabei, sich in Leipzig eigene vier Wände zu suchen. Der junge Syrer will studieren und vielleicht Journalist werden, verriet er. In seinem Heimatland sei die Meinungsfreiheit bedroht.

Da für alle Kinder-Flüchtlinge Schulpflicht bestehe, sei das ebenfalls mit großen Herausfordrungen verbunden. Die Einrichtungen würden gemeinsam mit den Betroffenen sehr intensiv auch nach Praktikumsplätzen suchen. Wie der Betreuer von Saad berichtete, gebe es gute Erfahrungen in den Einrichtungen des DRK in Hohburg, aber auch in Waldsteinberg. Praktikumsplätze würden zum Beispiel in einer Eisengießerei, erstmals von Mädchen auch in einer Kindereinrichtung sowie einer Physiotherapie belegt. Alle Beteiligten müssten natürlich viel Geduld und einen langen Atem aufbringen. Auch wer in Aleppo Autos repariert hat, könne nicht gleich in einer hiesigen Autowerkstatt die Welt einreißen. Die Firmen, die ein wirkliches Interesse zeigen und den jungen Leuten auch mit Hilfe zur Seite stellen, könnten sich in der Regel später auch vorstellen, sie fest einzustellen, so die Erfahrungen des DRK-Betreuers. Bei den Betroffenen seien auf jeden Fall Bleibeperspektiven, Schul- und Berufsabschlüsse ein wichtiges Thema.

Von Simone Prenzel

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