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Ministerin Köpping bei Podiumsdiskussion zu Asyl mit Bornaer Gymnasiasten

Gymnasium „Am Breiten Teich“ Ministerin Köpping bei Podiumsdiskussion zu Asyl mit Bornaer Gymnasiasten

Bei einer Podiumsdiskussion vor rund 60 Schülern im Gymnasium „Am Breiten Teich“ in Borna warb die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) am Mittwoch für die Bereitschaft zur Begegnung mit fremden Kulturen. Zugleich unterstrich sie die Forderung nach einem modernen Einwanderungsgesetz für Deutschland.

Podiumsgespräch zum Thema Asyl und Integration am Bornaer Gymnasium. Neben Ministerin Petra Köpping (2.v.r.) beantworteten Thomas Poling vom Ausländeramt (r.) Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (2.v.l.) und der städtische Flüchtlinkgskoordinator Stefan Hendriock (l.) die Fragen von Philipp Berger (M.) und dessen Mitschülern.

Quelle: André Neumann

Borna. Bei einer Podiumsdiskussion vor rund 60 Schülern im Gymnasium „Am Breiten Teich“ in Borna warb die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) am Mittwoch für die Bereitschaft zur Begegnung mit fremden Kulturen. Zugleich unterstrich sie die Forderung nach einem modernen Einwanderungsgesetz für Deutschland. Weitere Gesprächspartner des moderierenden Schülers Philipp Berger waren Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke), Thomas Pohling vom Ausländeramt des Landkreises und Stefan Hendriock, Flüchtlingskoordinator der Stadtverwaltung Borna.

Die Initiative für die Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums war von Schülern ausgegangen, die das Bedürfnis hatten, sich mit Fragen von Asyl und Integration auseinanderzusetzen. Nach einem Integrationsfest folgte jetzt die Gesprächsrunde, für die Gymnasiasten der Klassenstufe zehn zahlreiche Fragen vorbereitet hatten.

Über den aktuellen Stand in Borna erfuhren die Schüler beispielsweise, dass hier zurzeit 507 Asylbewerber leben. Petra Köpping und Thomas Pohling lobten die Stadt, die zahlreiche Wohnungen ihrer Wohnungsgesellschaft zur Verfügung gestellt hat. Oberbürgermeisterin Luedtke sagte dazu: „Wir haben uns als Vorreiter gesehen.“ Insgesamt sei die Situation in Borna positiv. Angesprochen auf einen Anschlag auf das Büro des Flüchtlingshilfevereins Bon Courage und im Zusammenhang mit der Prügelattacke auf einen Pakistaner am vergangenen Wochenende äußerte sich Luedtke besorgt: „Borna hatte jahrelang ein Rechten-Problem“, sagte sie. Das konnte zurückgedrängt werden, koche jetzt aber wieder hoch. „Das würde ich in Borna gern verhindern“, machte Luedtke klar. „Dafür bitte ich jeden um Mithilfe“, sagte sie den Schülern.

An gemeinsame Verantwortung appellierte auch Ministerin Köpping: „Wenn Sie erleben, dass Leute auf der Straße angepöbelt werden, dann muss man etwas sagen“, so ihre Forderung. Dazu brauche es gesellschaftlichen Konsens und „auch ein bisschen Mut“. Auch in Borna, so habe sie erfahren, würden sich Asylbewerber häufig nur in Gruppen auf die Straße trauen. Landesweit sei eine Radikalisierung der Ablehnung von Flüchtlingen spürbar. Sie habe keine Angst vor der Zahl der Asylbewerber, sagte Köpping, ihr mache die Spaltung der Gesellschaft Sorgen.

Bekommen Asylbewerber mehr finanzielle Unterstützung als Hartz-IV-Empfänger, wie es Gerüchte besagen, wollte eine Schülerin wissen. Nein, entgegnete der Mitarbeiter des Ausländeramtes. Sie bekämen die Grundsicherung nach Hartz IV, wobei das sogar restriktiv gehandhabt werde. Die Gerüchte über Mehrleistungen, so Pohling, würden sich in den Köpfen aber halten, weswegen er die Schüler bat: „Verbreiten Sie das Wissen, das Sie heute hier erhalten, bei Freunden und Familie.“

Das berühmte Bundeskanzlerinnen-Zitat „Wir schaffen das“, spielte natürlich auch eine Rolle auf der Podiumsdiskussion im Bornaer Gymnasium. Ein Schüler fragte nach den noch bleibenden Möglichkeiten, Asylbewerber menschenwürdig unterzubringen. Hier gab sich die Ministerin ganz entspannt. Von 68 000 Flüchtlingen, die Sachsen 2015 aufnahm, würden noch 40 000 hier sein. „In Sachsen stehen 230 000 Wohnungen leer, deswegen steht die Frage der Unterbringung für mich nicht.“

Eine Schülerin, die eine Freundin aus dem Kosovo habe, wollte wissen, warum Familien, die bestens integriert sind, dennoch abgeschoben werden. Pohlig zeigte Verständnis, verwies aber auf das herrschende Ausländerrecht in Deutschland. Wenn die Familie kein Visum beantragt habe, sondern den Weg des Asylantrages gegangen sei und kein Asylgrund vorliege, dann müsse sie ausgewiesen werden, erläuterte er.

Für die Ministerin ein willkommenes Stichwort für ihre Forderung an den Bund nach einem Einwanderungsgesetz. „Auf der einen Seite braucht die Wirtschaft Fachkräfte, auf der anderen Seite schicken wir gut ausgebildete Leute weg“, erklärte sie.

Von André Neumann

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