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Borna Mit 90: Kricke hält sich als Markthändler fit
Region Borna Mit 90: Kricke hält sich als Markthändler fit
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09:44 25.09.2018
Der Saasdorfer Heinz Kricke (2. v. l.) mit Geburtstagsgästen bei seinem 90. Wiegenfest. Quelle: Olaf Krenz
Groitzsch/Saasdorf

Nur gut, dass sein Wiegenfest auf einen Montag gefallen ist. Freitags hätte die Hälfte der Geburtstagsschar den Saasdorfer Heinz Kricke wohl nicht auf seinem Hof angetroffen. Weil er da beim Zwenkauer Markttag mal Kirschen, mal Gemüse, mal Tannengrün verkauft. So aber hat der frischgebackene 90-Jährige die Gratulanten am Vormittag bei Sonne, blauem Himmel und teils stürmischem Lüftchen an der langen Kaffeetafel im Hof erwartet, windgeschützt.

Heinz Kricke fährt ab und zu noch selbst Grünzeug auf den Markt

Ja, ja, der Senior ist noch selbst mit dem Auto unterwegs, um Obst, Grünzeug und mehr an die Frau und den Mann zu bringen. Zumindest ab und zu. Das Geschäft des (Gemüse-)Bauern und Selbstvermarkters hat er an Enkel Christian abgegeben. Ganz ohne geht es aber nicht, meint der Jubilar. „Da muss ich rechnen, ich will doch den Leuten nicht zu viel rausgeben“, sagt er schmunzelnd. „Und ich halte meinen Schwatz mit den Kunden. Das hält mich frisch.“ Wer nur allein zu Hause sitze, baue doch eher ab.

Jubilar stammt aus Schlesien

Kricke, 1928 geboren, stammt aus Schlesien, Schönkirch im Kreis Militsch. Er lernte Fleischer, nur anderthalb der drei Jahre, 1944 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Im Mai 1945, noch 16-jährig, kam er in russische Gefangenschaft, vier Monate in Brandenburg. Dass seine Familie nach Sachsen flüchten musste, erfuhr er erst nach der Entlassung. Und so ging er zu Eltern und Geschwistern nach Löbnitz-Bennewitz.

Aufstieg bis in die Abteilungsleitung

Ein Fleischerlehrling wurde da nicht benötigt. Also begann er im Kombinat Profen (Braunkohletagebau, Fabriken) als Gleisarbeiter. Später stieg er bis in die Abteilungsleitung auf, wo er schließlich für die Wiederurbarmachung der Kippen Pegau und Birkenau sowie die Gestaltung des Mondsees zuständig war. 1989, drei Jahre vor der Rente, wurde Kricke entlassen.

Nach Entlassung wird Hobby zum Beruf

„Fürs Altenteil fühlte ich mich zu jung“, sagt er. Also machte er sein Hobby zum neuen Beruf. Er hatte schon 1948 Helga geheiratet („Eine gute Frau, die leider viel zu früh 1983 gestorben ist.“) und war zu ihrer Familie nach Saasdorf gezogen. „Auch von den Nachbarn wurde ich sehr gut aufgenommen.“ Dass er zur freiwilligen Feuerwehr gegangen war, hatte natürlich nicht geschadet. Neben dem Job betrieb er den Hof mit etwas Land- und Gartenwirtschaft. Das baute er nun zur Wendezeit aus. Unter anderem mit Kirsch- und Weihnachtsbäumen. „Anfangs klappte es mit Fichten, dann mussten Nordmanntannen her.“

Stammplatz auf dem Bornaer Markt

Und er kam mit Gemüse und Obst vom eigenen Feld zweimal pro Woche auf den Bornaer Markt. Zig Jahre gleich neben das Rathaus. Von dort habe er früh sogar Kaffee bekommen. „Deshalb sagte der frühere Oberbürgermeister Schubert immer wieder lachend, dass meine Standmiete erhöht werden müsste.“ Jetzt stehe der Enkel da, Familientradition.

Sorgen macht sich Heinz Kricke weiter um den Saasdorfer Teich, der eigentlich keiner mehr ist. „Ein großes Trauerspiel, das tut richtig weh.“ Dabei werde der doch für die Feuerwehr benötigt. Und schöne Feiern gab es dort auch. Ob er noch erlebe, dass der Teich wieder hergerichtet wird und Wasser hält?

Regelmäßig Reisen in die alte Heimat

Ein-, zweimal im Jahr gibt es Reisen in die alte Heimat. „Manchmal führe ich auch noch eine Gruppe im Kleinbus, da fährt aber ein anderer“, lächelt der 90-Jährige. „Ich freue mich über jeden Stein dort, den ich kenne. Und ich schaue nach dem Grundstück der Großeltern, wo ich bei Oma immer Mohn-, Streusel- und Käsekuchen gegessen habe.“

Seine Reisebegleiter sind am Montag zahlreich unter den Gratulanten und singen Heimat- und Volkslieder an der Kaffeetafel. Kricke hat Kuchen backen und ein Schwein schlachten lassen. Sonst macht er Letzteres selbst. „Wegen der Wurstsuppe kommt da das halbe Dorf.“ Das ist zur Geburtstagsfeier kaum anders. „Bisher kann ich mit meinem Leben zufrieden sein“, zieht er ein Fazit. „Mal sehen, was noch kommt.“

Von Olaf Krenz

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