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Mit Flüchtlingen bringt TSV Lobstädt wieder komplette Mannschaft aufs Feld

Integration Mit Flüchtlingen bringt TSV Lobstädt wieder komplette Mannschaft aufs Feld

Der Lobstädter Sportvereinschef musste erst Überzeugungsarbeit leisten für die Integration von Flüchtlingen. Doch ohne den Zuwachs aus der Asylbewerberunterkunft hätten die Fußballer des TSV Mühe gehabt, ihre Mannschaft voll zu bekommen.

In der Abteilung Fußball des TSV Lobstädt trainieren mehrere Bewohner der Asylbewerberunterkunft im Ort mit.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Lobstädt. Auf dem Fußballplatz des TSV Lobstädt 1863 geht es seit einigen Wochen international zu. Nicht, weil der Verein sich ausländische Spieler eingekauft hätte, die ihn zu früheren Erfolgen zurück kicken sollen. Sondern weil die Lobstädter sich für Flüchtlinge geöffnet haben.

Ein Unterfangen, das nicht unkompliziert war, das aber allen Seiten hilft. Diejenigen unter den Flüchtlingen, die sich für Sport interessieren, haben im Verein beste Gelegenheit dazu. Und der TSV, der zuletzt Mühe hatte, noch eine komplette Mannschaft aufs Spielfeld zu bringen, schafft das jetzt wieder locker. Beginnt sogar wieder mit dem Aufbau einer zweiten Männermannschaft, die in der vorigen Saison mangels Personal aus dem Spielbetrieb abgemeldet worden war.

„Die Integration von Flüchtlingen wird immer ein schwieriges Thema bleiben“, sagt TSV-Chef Claus Meiner. Auch im eigenen Verein musste er eine Menge Überzeugungsarbeit leisten, nicht alle konnten sich vorstellen, mit Bewohnern aus der nicht weit vom Fußballplatz entfernten Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Berufsschule gemeinsam zu trainieren. Und auch bei den Flüchtlingen selbst habe es anfangs Berührungsängste gegeben. Doch bald seien sie froh gewesen, die Sportanlagen nutzen zu dürfen. In den eigenen Reihen gab es Kritiker, die der Meinung waren, man brauche die Flüchtlinge hier nicht. Denen hielt Meiner im Sportlerheim entgegen: „Schaltet ihr den Fernseher ab, wenn die Bundesligamannschaften mit den vielen Ausländern spielen?“

Die ersten Kontakte zu dem im März bezogenen Heim nahm der Verein schon im April auf. Mittlerweile seien es zwanzig bis dreißig junge Männer aus verschiedenen Ländern, die an Trainingstagen auf den Fußballplatz kommen. Ein Dutzend von ihnen hat einen Spielerpass und kann im Punktspielbetrieb eingesetzt werden.

Die Spielberechtigung zu bekommen, war die nächste Hürde, die der Verein, der aktuell in der Kreisliga kickt, meistern musste. „Die Anträge dafür müssen über den DFV an die ausländischen Verbände geschickt werden“, schildert Meiner das Prozedere. Erst wenn nach dreißig Tagen keine Nachricht aus dem jeweiligen Herkunftsland komme, werde der Spielerpass ausgestellt.

Für den Verein stellten sich dann die nächsten Fragen: Wer bezahlt die Beiträge für die neuen Mitglieder? Trikots werden benötigt und neue Bälle. Wie kommen die Flüchtlinge, die ja keine eigenen Fahrzeuge haben, zu den Auswärtsspielen?

Auch diese Probleme lassen sich lösen. Mit Hilfe von Sponsoren und der Egidius-Braun-Stiftung des DFB seien für dieses Jahr die Beiträge abgedeckt worden, sagt Meiner. Für die Fahrt zu den Spielen kann der TSV den Kleinbus der Gemeinde nutzen. Und auch beim Landessportbund gebe es Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung.

Auf dem Fußballplatz verstehen sich Einheimische und Ausländer recht gut. Unter den Asylbewerbern seien junge Männer, „die athletisch fit sind und etwas tun wollen“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Und auch Fußball-Abteilungsleiter Christian Pohle ist angetan von der Verstärkung: Viele der neuen Mitspieler seien technisch gut drauf. Woran es bislang noch hapere, sei das Zusammenspiel als Mannschaft. Daran wird gearbeitet. Auch damit, dass sich alle bemühen wollen, auf dem Platz deutsch miteinander zu reden.

Geht es nach Vereinschef Claus Meiner, wird die Integration von Flüchtlingen im Verein weitergehen. „Bei den Fußballern bestand die größte Notwendigkeit“, sagt er. Doch auch die anderen Abteilunge seien offen für internationale Verstärkung.

Von André Neumann

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